Völler schießt gegen Lahm: "Erbärmlich und schäbig"

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Rudi Völler mit Philipp Lahm 2004

Düsseldorf - Ein neuer Tiefpunkt für Rudi Völler? Mit harscher Kritik hat er auf Passagen des Buches von Nationalspieler Philipp Lahm reagiert.

Wut-Attacke von Rudi Völler, Rüge von Ottmar Hitzfeld, Widerspruch

von Arjen Robben: DFB-Kapitän Philipp Lahm sorgt mit seinem Buch für heftigen Wirbel. “Ich empfinde das als Frechheit ohnegleichen, was er da beispielsweise über seinen ehemaligen Trainer Jürgen Klinsmann geschrieben hat“, sagte der frühere Nationalmannschafts-Teamchef Rudi Völler der Nachrichtenagentur dpa am Mittwoch und bezeichnete Lahms Enthüllungen als teilweise “erbärmlich und schäbig“.

Völler bescheinigte Lahm “null Charakter“ und rief den Deutschen Fußball-Bund (DFB) indirekt zu Konsequenzen auf: “Ich bin mal gespannt, wie der DFB jetzt reagiert und wie man dort mit den Veröffentlichungen umgeht.“ Beim DFB wollen allerdings die “Entscheidungsträger erst einmal das Gesamtwerk“ lesen, wie Mediendirektor Ralf Köttker mitteilte.

Der frühere Bayern-Coach Hitzfeld indes mahnte den Münchner Fußballprofi schon zu mehr Zurückhaltung. Und Teamkollege Robben widersprach Lahms Darstellungen über Ex-Trainer Louis van Gaal. Der Autor selbst beteuerte: “Es ist keine Abrechnung, wenn man sich das Buch mal genau anschaut.“ Doch schon jetzt ist klar: Nach dem jüngsten Experten-Streit um seine Qualitäten als Führungsspieler ist Lahm ins Zentrum der nächsten Debatte gerutscht.

Hatte sein früherer Mitspieler Oliver Kahn dem Nationalverteidiger gerade vorgeworfen, “unbequeme Wahrheiten“ zu scheuen, verarbeitete Lahm nun in seinem Buch “Der feine Unterschied“ mit durchaus klaren Worten seine Erlebnisse der vergangenen Jahre bei den Bayern und in der DFB-Auswahl. Dabei plaudert der 27-Jährige auch freimütig über das Team bei der EM 2008 unter der Regie von Bundestrainer Joachim Löw, das ein “zerstrittener Haufen“ gewesen sei.

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Zumindest der DFB hatte Lahms literarischen Ausflug offenbar nicht abgesegnet. Die Spitzenfunktionäre um Löw und Co. wollen sich nach Köttkers Angaben jetzt “einen kompletten Überblick über die Inhalte und Zusammenhänge“ verschaffen, “um die Situation seriös bewerten und sorgfältig einordnen zu können“.

Lahm warf Völler und Klinsmann Schwächen bei der Trainingsarbeit vor. Zudem kritisierte er den Führungsstil des in der Vorsaison in München entlassenen van Gaal sowie die Methoden des einstigen Bayern-Trainers Felix Magath. “Ich finde das eigentlich nicht günstig, denn als aktueller Nationalspieler sollte man sich ein wenig zurückhalten“, sagte der Schweizer Nationaltrainer Hitzfeld im TV-Sender Sky. Lahm sei “ein bisschen falsch beraten“.

Deutlicher wurde Völler. “Auf dem Platz Weltklasse, außerhalb Kreisklasse“, meinte der Ex-Teamchef. Lahm hatte in seinem Buch (Verlag Antje Kunstmann, 19,90 Euro) geschrieben, man habe unter Völler “nicht Spezielles“ trainiert. “Lustig, ja, und völlig unsystematisch“, heißt es über Völlers Methodik. Über den früheren Bayern-Coach Klinsmann schrieb Lahm: “Bei Klinsmann trainierten wir fast nur Fitness. Taktische Belange kamen zu kurz.“ Schon “nach sechs oder acht Wochen“ hätten alle Spieler gewusst, “dass es mit Klinsmann nicht gehen würde. Der Rest der Saison war Schadensbegrenzung.“

Im Zuge seiner scharfen Kritik rügte Völler Lahm auch für dessen Auftritt bei der WM 2010 in Südafrika, als der Verteidiger des FC Bayern München die Kapitänsrolle des damals verletzt fehlenden Michael Ballack für sich beanspruchte. Auch das sei “erbärmlich und schäbig“ gewesen.

Lahm-Kollege Robben trat der Sicht des Bayern-Kapitäns zur kurzen van-Gaal-Ära entgegen. “Viele Spieler, ich auch, können ihm dankbar sein. Er hat viele Spieler besser gemacht. Für mich gehört er noch immer zu den besten Trainern der Welt“, sagte der Niederländer der “Sport Bild“ (Mittwoch).

Im November 2009 hatte Lahm mit offenen Worten schon einmal für Aufregung gesorgt. Wegen seiner Kritik am FC Bayern, van Gaal und seinen Mitspielern in einem Interview der “Süddeutschen Zeitung“ sprach der deutsche Rekordmeister eine saftige Geldstrafe gegen den Abwehrspieler aus. Zudem stellte der Verein damals mit Nachdruck fest, es sei “ein absolutes Tabu, in der Öffentlichkeit Kritik gegen den Klub, den Trainer und Mitspieler zu äußern“.

Drastische Konsequenzen hatte eine Buch-Veröffentlichung vor 24 Jahren für den damaligen Nationaltorwart Toni Schumacher. In seinem Werk “Anpfiff“ griff der Kölner Keeper DFB-Funktionäre und Mitspieler an, zudem erhob er brisante Doping-Vorwürfe. Für Schumacher war danach die DFB-Karriere beendet.

dpa

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