Viel Lob für Fair-Play-Held Ebbers

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Stark! Marius Ebbers gesteht bei seinem Treffer ein Handspiel ein.

Hamburg - Tolle Geste von Marius Ebbers. Beim Spielstand von 1:1 gab der St.Pauli-Stürmer bei seinem Treffer zu, den Ball mit der Hand gespielt zu haben.

Keine Prellungen, keine Rückenprobleme: Marius Ebbers stapfte am Tag nach dem Gewinn des inoffiziellen Fair-Play-Preises der 2. Liga gesund und aufrecht in die Kabine. Die zahlreichen Schulterklopfer vom Vortag hatten beim Stürmer des FC St. Pauli keine ernsten Schäden hinterlassen. „Er hat für seine Ehrlichkeit ganz sicher den Friedensnobelpreis verdient“, sagte Sportdirektor Helmut Schulte, nachdem Ebbers in der 80. Minute des Spiels gegen Union Berlin ein Handspiel vor seinem vermeintlichen Treffer zum 2:1 zugegeben hatte.

Schiedsrichter Tobias Welz (Wiesbaden) hatte zunächst auf Tor entschieden, nach heftigen Protesten der Berliner aber Ebbers nachträglich zu der Szene befragt. Und der 34-Jährige antwortete wahrheitsgemäß - obwohl ein Unentschieden für die Kiezkicker im Rennen um den Aufstieg in die Bundesliga zu wenig gewesen wäre. „Ich habe ihm gesagt, dass ich den Ball sowohl mit der Hand als auch mit dem Kopf berührt habe“, sagte Ebbers, gab aber auch zu: „Ich habe lange überlegt, was ich sage. Ich werde mich dafür nicht feiern lassen.“ Am Ende freute er sich natürlich umso mehr, dass Fin Bartels in der Nachspielzeit doch noch der Treffer zum so wichtigen 2:1 gelang. „Wäre es beim 1:1 geblieben, wäre ich für immer der Verlierer gewesen. Dann hätte es wohl geheißen: Dafür gibt es zwar den Fair-Play-Preis, doch clever war das nicht.“

Ob clever oder nicht: Ebbers' Ehrlichkeit, zumal in der heißen Phase im Kampf um den Aufstieg, ist bemerkenswert. Entsprechend erntete der Angreifer auch Lob vom Gegner. „Ebbers ist für mich der Spieler der Saison. In so einer Situation und bei dem Druck diese Entscheidung zu treffen - das ist a la bonne heure“, sagte Union-Trainer Uwe Neuhaus. Und Marc Pfertzel meinte: „Er hat Klasse gezeigt. Ich hoffe, dass St. Pauli aufsteigt. Wer so handelt, verdient das einfach.“

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Im Gegensatz zu Ebbers musste sich Referee Welz einige Kritik anhören. „Der Schiedsrichter hätte ihn gar nicht fragen dürfen. Er muss pfeifen, was er gesehen hat“, sagte Schulte, „aber der Fußballgott war auf unserer Seite.“ Ähnlich äußerte sich auch Andre Schubert. Doch nach dem unerwarteten und umso emotionaleren Schlussakt durch Bartels fiel das Fazit des St.-Pauli-Trainers insgesamt sehr gnädig aus: „Es macht einfach nur glücklich, dass wir uns belohnt haben. Der Sieg war unglaublich wichtig für uns“, sagte Schubert, nachdem er sich von seinem Jubellauf bis zur Eckfahne erholt hatte.

Denn so sitzt sein Team als Vierter Fortuna Düsseldorf weiter im Nacken. Die Rheinländer verteidigten mit einem glanzlosen 1:0 über den FSV Frankfurt den Relegationsplatz und haben bei nur noch vier ausstehenden Spielen weiter einen Punkt Vorsprung auf St. Pauli. Fortuna-Trainer Norbert Meier erwartet Spannung bis zum Schluss: „Es lohnt sich, an sich und seine Stärken zu glauben. Ich habe dieses Vertrauen in meine Mannschaft.“ Die muss am Montag bei Dynamo Dresden bestehen.

St. Pauli reist am Freitag zur SpVgg Greuther Fürth (18.00 Uhr/Sky und Liga total!). Die Mannschaft von Mike Büskens verpasste durch ein 0:0 bei Eintracht Braunschweig eine Vorentscheidung im Aufstiegskampf. „Fußball ist eben kein Wunschkonzert. Nun konzentrieren wir uns auf das Spiel gegen St. Pauli. Das ist ein Spiel, mit dem wir uns weiter absetzen können“, sagte Büskens. Schubert erwartet, dass sein Gegenüber den ehemaligen St. Paulianer Gerald Asamoah von Beginn an spielen lassen wird. Der Respekt vor den Franken ist groß: „Die Mannschaft hat viel Qualität und hohe Durchschlagskraft.“

SID

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