Fehlende praktische Erfahrung

Videobeweis bei der WM: Ist das Chaos vorprogrammiert?

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Der Videobeweis wird auch bei der WM in Russland zum Einsatz kommen. 

Der Einsatz des Videobeweises während der WM ist umstritten, die Fifa versucht mit Transparenz entgegenzusteuern und Akzeptanz zu schaffen. 

Zuletzt brachte es sogar Joseph S. Blatter, dessen Ansichten meist nicht kompatibel mit der restlichen Fußball-Welt sind, auf den Punkt. "Da stehen mir meine letzten Haare zu Berge", sagte der frühere Präsident des Weltverbandes FIFA mit Blick auf auf den Einsatz des Videobeweises bei der WM-Endrunde in Russland (14. Juni bis 15. Juli) im 11Freunde-Sonderheft: "Wie kann man etwas zulassen, das nicht ausgereift ist?"

Genau wie der nach wie vor gesperrte Schweizer fürchten viele Experten ein Desaster bei der WM-Premiere des technischen Hilfsmittels. Die Gründe für diese Befürchtungen liegen nicht zuletzt in Deutschland. Seit zwei Jahren üben die Bundesliga-Schiedsrichter um Felix Zwayer (Berlin) und Bastian Dankert (Rostock), die bei der Endrunde als Video-Assistenten zum Einsatz kommen werden, den Umgang mit dem Hilfsmittel.

Ein Jahr im stillen Kämmerlein, ein Jahr im tatsächlichen Ligabetrieb.Herausgekommen sind dennoch allzu oft massive Diskussionen um Sinn und Zweck des Videobeweises. Es könnte ein Vorgeschmack auf das gewesen sein, was möglicherweise bei der WM unter den Augen der Welt mit weit mehr Zündstoff passieren wird.

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Die Fußballwelt ist gespalten

Das Chaos scheint programmiert. Schließlich hat die Mehrheit der 35 Schiedsrichter um Felix Brych (München) und der 13 Video-Assistenten keine praktische Erfahrung mit dem Hilfsmittel. Dass es mit ein paar Seminaren nicht getan ist, scheint eine Binsenweisheit. Offensichtlich reichen nicht einmal zwei Jahre des intensiven Umgangs mit dem Videobeweis für einen reibungslosen Ablauf. 

Und so macht UEFA-Präsident Aleksander Ceferin keinen Hehl daraus, dass er die Entscheidung der FIFA zugunsten des Einsatzes in Russland für falsch hält. "Es ist eine Tatsache, dass der Videobeweis in den Ligen, in denen er bereits Anwendung findet, ein großes Durcheinander verursacht hat", sagte der Chef der Europäischen Fußball-Union (UEFA) im kicker: "Ist die WM die geeignete Bühne, eine neue Technik auszutesten? Eines ist klar: Es wird dort viele unklare Situationen geben."

Mit seiner Kritik steht der UEFA-Boss ("Ich habe Sorgen, weil Schiedsrichter eingesetzt werden, die noch nie mit dem Videobeweis zu tun hatten") beileibe nicht allein da. Hinter vorgehaltener Hand lassen selbst Bundesliga-Schiedsrichter durchblicken, dass sie auf der größten Bühne des Weltfußballs mit großen Schwierigkeiten rechnen.

Die FIFA sieht das naturgemäß anders. Schließlich hat das Council um den DFB-Präsidenten Reinhard Grindel den Einsatz des Hilfsmittels, das Anfang März in das offizielle Regelwerk aufgenommen wurde, beschlossen. Und so stimmten auch Zwayer und Dankert bei ihrer WM-Nominierung in den FIFA-Tenor ein: "Wir sind sehr optimistisch, dass dieses System bei der WM gut funktionieren wird."

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Transparenz soll helfen

Dazu beitragen soll ein transparenter Ablauf. Für die Zuschauer innerhalb und außerhalb der Stadien sollen keine Fragen offen bleiben. Laut der FIFA werden Wiederholungen und Grafiken auf den Anzeigetafeln zu sehen sein. Zudem sollen die relevanten Informationen aus den Gesprächen zwischen Schiedsrichtern und Video-Assistenten an die TV- sowie Radio-Kommentatoren weitergeleitet werden. Erklärungen soll es auch auf der FIFA-Internetseite geben.

Beim Blick auf die Besetzung des sogenannten "Video Operations Room" in Moskau droht allerdings mehr Konfusion als Aufklärung - obwohl die Teams nach Sprachkenntnissen gebildet werden sollen. Pro Spiel werden neben dem Video-Assistenten ein weiterer Schiedsrichter und ein weiterer Assistent im Studio zum Einsatz kommen, Letzterer speziell für die Bewertung von Abseits-Situationen. Unterstützt wird dieses Trio außerdem von einem sogenannten "Support" - einem Offiziellen, der das Spiel im Fernsehen beobachtet und gegebenenfalls auch noch zusätzlich eingreifen kann.

Felix Brych ist dabei

Nach dem Ausschluss des saudi-arabischen Schiedsrichters Fahad al-Mirdasi sind bei der Fußball-WM in Russland (14. Juni bis 15. Juli) nur noch 35 statt der ursprünglich nominierten 36 Unparteiischen am Start. Dazu kommen 63 Assistenten und 13 Video-Assistenten. Der 32 Jahre alte al-Mirdasi hatte in seiner Heimat Bestechungsgeld von einem Klubchef gefordert und wurde daraufhin lebenslang gesperrt.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) schickt Felix Brych (München) sowie dessen Assistenten Stefan Lupp (Zossen) und Mark Borsch (Mönchengladbach) nach Russland. Dazu kommen Bastian Dankert (Rostock) und Felix Zwayer (Berlin) als Video-Assistenten. Auch die WM-Schiedsrichter und deren Assistenten können als Video-Assistenten eingesetzt werden.

sid

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