Vidal wechselt nach Turin - Hoeneß tritt nach

Santiago de Chile/München - Arturo Vidal hat seinen Wechsel vom Bayer Leverkusen zu Juventus Turin bestätigt. Bayern Münchens Trainer Jupp Heynckes muss damit auf seinen Wunschspieler verzichten.

Für Bayern München und Jupp Heynckes ist es ein Rückschlag, für Arturo Vidal „ein großer und wichtiger Schritt“ in seiner noch jungen Karriere: Der vom deutschen Fußball-Rekordmeister heftig umworbene Chilene, der als Wunschspieler von Heynckes galt, wechselt von Bayer Leverkusen zu Juventus Turin. Dies bestätigte der 24 Jahre alte Chilene vor dem Abflug aus seiner Heimat in Richtung Turin, wo er am Donnerstagabend erwartet wurde.

Die Ablöse für Vidal, dessen Vertrag in Leverkusen 2012 ausgelaufen wäre, soll bei 10,5 Millionen Euro liegen und könnte erfolgsbedingt bis auf 12 Millionen Euro steigen. „Ich möchte unter Beweis stellen, dass ich das viele Geld wert bin“, sagte der Defensivspezialist, der bei der „alten Dame“ einen Fünfjahresvertrag und rund 2,5 Millionen Euro plus Boni pro Saison erhält.

Aus Deutschland nehme er „viel Erfahrung mit. Ich weiß, dass ich mit Juventus viel erreichen kann. Ich habe jetzt das Alter, um bei einem der größten Klubs Europas anzuheuern. Ich bin mehr als zufrieden mit der Möglichkeit, die mir gegeben wird“, führte Vidal aus. Er sei von einigen Klubs umworben worden, „Bayern München gehörte dabei von Anfang an dazu, aber Leverkusen wollte mich nicht innerhalb Deutschlands verkaufen. Mit Juve gab es aber kein Problem.

Bis zuletzt hatte Bayern-Trainer Heynckes intensiv um seinen Lieblingsschüler gekämpft und sich sehr zuversichtlich gezeigt, ihn nach München lotsen zu können. Ein Telefonat mit Vidal in der Nacht zum Sonntag brachte dann aber die Ernüchterung: „Da hat er mir von seinem Angebot von Juventus Turin erzählt. Und auch von seiner großen Sorge, aufgrund des schriftlichen Beschlusses von Bayer 04 nicht nach München wechseln zu dürfen und noch ein Jahr in Leverkusen spielen zu müssen“, sagte Heynckes auf SID-Nachfrage: „Insofern ist die Entscheidung für mich keine Überrauschung.“

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Ebenso gelassen reagierte Präsident Uli Hoeneß am Donnerstag auf die Nachricht aus Chile. „Das Wohl und Wehe des FC Bayern hängt nicht von Arturo Vidal ab“, sagte Hoeneß und äußerte in gewisser Weise sogar Verständnis für dessen Entscheidung: „Man braucht schon ein großes Rückgrat, um ein Jahr bei Bayer Leverkusen zu spielen mit der Aussage: Ich gehe zum FC Bayern. Und dieses Rückgrat habe ich dem Spieler nicht zugetraut.“

Nach der Absage von Vidal wollen die Bayern zunächst einmal nicht mehr auf dem Transfermarkt tätig werden. Im defensiven Mittelfeld gibt es laut Heynckes in Bastian Schweinsteiger, Toni Kroos, David Alaba, Luiz Gustavo und Anatoli Timoschtschuk ohnehin genügend Alternativen.

Vidal, der am Sonntag mit Chile im Viertelfinale der Copa America an Venezuela gescheitert war, wird nach Angaben aus Italien am Freitag in Turin den obligatorischen Medizin-Check absolvieren und anschließend seinen Vertrag unterschreiben. 30 Prozent der Ablöse (bis zu 3,6 Millionen Euro) gehen an Vidals früheren Arbeitgeber Colo Colo aus Santiago de Chile.

Vidal will nach dem wochenlangen Poker um seine Zukunft „mit Ruhe an die Sache herangehen. Es ist ein großes Team, das noch weiter wachsen wird mit den Spielern, die kommen“, sagte er und sprach von einer „neuen Mannschaft, die sich im Aufbau befindet, um Meister zu werden und sich für internationale Wettbewerbe zu qualifizieren.“ In der vergangenen Saison war Juve nur enttäuschender Siebter der Serie A geworden.

Vidal spielte seit 2007 in Leverkusen und absolvierte 117 Bundesligaspiele. Begehrlichkeiten nicht nur beim FC Bayern und bei Juve hatte der Chilene vor allem durch seine starken Leistungen in der vergangenen Spielzeit geweckt, in der ihm zehn seiner insgesamt 15 Bundesliga-Tore gelangen.

sid

Rubriklistenbild: © ap

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