Herzschlag-Finale

VfL-Frauen schnappen Frankfurt den Titel weg

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Die Wolfsburgerinnen beim Feiern.

Wolfsburg - Bis zwei Minuten vor dem Saisonende war Frankfurt deutscher Meister. Dann hatte Fußball-Nationalspielerin Alexandra Popp ihren großen Auftritt, und Champions-League-Gewinner VfL Wolfsburg konnte eine Double-Party starten.

Eine Stahl-Bühne vor dem Rathaus ersetzte den fehlenden Balkon. Doch das störte die Partylaune der feierwütigen Fußball-Frauen des alten und neuen deutschen Meisters VfL Wolfsburg überhaupt nicht. „Wow, was für ein Finale. Das ist der totale Wahnsinn, jetzt geht die Party richtig los“, schrie die begeisterte Siegtorschützin Alexandra Popp ausgelassen ins Mikrofon. „Es ist scheißegal, wer dieses Tor gemacht hat. Wir sind eine komplette Mannschaft und ich bin stolz, hier zu sein.“

Auch ihre Mitspielerinnen waren nach dem dramatischen 2:1 (1:0) im letzten Saisonspiel gegen den 1. FFC Frankfurt aus dem Häuschen. Ein Remis hätte Frankfurt zum Titel gereicht, doch ein Tor von Popp in der 89. Minute entschied am Pfingstsonntag die Hitzeschlacht vor der Bundesliga-Rekordkulisse von 12 464 Zuschauern für den Gewinner der Champions League. Der Jubel von VfL-Urgestein Martin Müller kannte keine Grenzen. „Double-Sieger, Double-Sieger - hey, hey, hey“, sang die Stürmerin und stimmte euphorisch das Lied an: „Wolfsburg ist die geilste Stadt der Welt!“.

Das freute vor allem Oberbürgermeister Klaus Mohrs. „Ich fühle mich vor allem als Fan dieser Frauen und habe in dieser Saison kein Spiel verpasst. Für das Image der Stadt seid ihr ganz toll“, sagte Mohrs. Das Team von Erfolgstrainer Ralf Kellermann feierte mit fast 5000 Fans die Double-Party. „Wir wollten am Ende oben stehen. Das ist uns gelungen“, jubelte Kellermann über die Punktlandung. Sein Team stand nach dem 22. und letzten Spieltag erstmals an der Spitze. Der Meistermacher gestand aber auch: „Wir waren eigentlich schon mausetot nach dem Ausgleich.“

Vor den Augen von Bundestrainerin Silvia Neid hatte in der spannenden Schlussphase Kozue Ando (82.) die frühe VfL-Führung durch Verena Faißt (16.) ausgeglichen. Die Hessinnen durften sich aber nur sieben Minuten als Meister fühlen. „Wolfsburg hat die ganze Saison über eine hervorragende Moral gezeigt und immer an sich geglaubt. Das hat sich in den letzten, entscheidenden Wochen ausgezahlt“, lobte Neid das Team um die überragende Kapitänin Nadine Keßler.

Neben Popp sowie der ehrgeizigen und selbstkritischen Keßler genoss vor allem Publikumsliebling Conny Pohlers das Bad in der Menge. Die Ex-Nationalspielerin beendete mit 35 Jahren ihre außergewöhnliche Karriere und witzelte: „Das war ein super organisiertes Abschiedsspiel für mich. Danke!“

Die Enttäuschung beim 1. FFC Frankfurt war nach der ersten Niederlage im 22. Saisonspiel riesengroß. Es flossen Tränen. Nationalspielerin Simone Laudehr, die in Abwesenheit der am Knie verletzten Saskia Bartusiak in der Abwehr aushalf, lag schluchzend am Boden und konnte sich nicht mehr einkriegen. „Wir hätten nach dem Ausgleich die Partie konzentriert zu Ende bringen müssen“, klagte Nationalspielerin Celia Sasic.

Als kleines Trostpflaster darf Vizemeister und DFB-Pokalsieger Frankfurt mit Wolfsburg in der nächsten Saison in der Champions League spielen. Manager Siegfried Dietrich muss allerdings mit Trainer Colin Bell erneut ein neues Team aufbauen. In Lira Alushi (Paris St. Germain) Melanie Behringer (Bayern München) und Babett Peter, die nach Wolfsburg wechselt, verlassen gleich mehrere Leistungsträgerinnen den Verein.

dpa

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