Geisterspiel bei Lazio Rom

VfB vor schier unlösbaren Aufgaben

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Bruno Labbadia muss sich gegen Lazio etwas einfallen lassen

Stuttgart - Der VfB Stuttgart hat im Geisterspiel bei Lazio Rom kaum Chancen auf das Erreichen des Viertelfinals der Europa League. Die Schwaben aber plagen ohnehin andere Sorgen.

Bislang waren der VfB Stuttgart und seine Anhänger ziemlich traurig darüber, dass das Spiel bei Lazio Rom ein „Geisterspiel“ ist. Jetzt wird es wohl zumindest der Mannschaft und den Verantwortlichen eher entgegenkommen, dass das Achtelfinal-Rückspiel in der Europa League am Donnerstag (21.05 Uhr/Kabel1 und Sky) exklusiv den Zuschauern im Fernsehen vorbehalten bleibt: Pfiffe, Beschimpfungen oder Beleidigungen von der Tribüne werden dem VfB im Olympiastadion zu Rom erspart bleiben. Auch, wenn er verliert. Oder ausscheidet.

Allerdings glauben die Schwaben trotz des ernüchternden 0:2 im Hinspiel am vergangenen Donnerstag und trotz des niederschmetternden 0:1 am vergangenen Sonntag in der Bundesliga gegen den Hamburger SV tapfer an ein Wunder. „Wir fahren da nicht hin, um uns das Kolosseum oder das leere Olympiastadion anzuschauen“, sagt Sportdirektor Fredi Bobic, auch wenn er weiß, „dass es für uns sehr, sehr schwer wird“. Trainer Bruno Labbadia versichert: „Wir wollen keinen Wettbewerb abschenken.“ Das hat ihnen auch keiner vorgeworfen.

Allerdings hat der VfB mittlerweile ganz andere Sorgen als das wahrscheinliche Ausscheiden in der Europa League. In der Bundesliga sind die Stuttgarter die schlechteste Mannschaft der Rückrunde. Vom sechsten Rang, der zum Wiedereinstieg in die Europa League in der kommenden Saison berechtigt, trennen sie neun Punkte - acht sind es bis zum Relegationsplatz. Mehr Mittelmaß geht kaum. Mittelmaß aber mag in Stuttgart keiner akzeptieren, erst recht nicht das Publikum, das allerdings auch immer etwas zu nörgeln hat.

Der Zorn des zahlenden Volkes stößt beim VfB sogar auf Verständnis. „Natürlich“, sagt Bobic, „stimmen die Ergebnisse nicht, daher muss man das Umfeld auch verstehen.“ Er bekräftigt aber: Am Einsatz der Mannschaft könne es „nicht liegen, die Jungs haben Charakter und werden wieder aufstehen.“ Wenn die Mannschaft „versaut oder abgezockt wäre“, könnte auch Labbadia den Unmut erst recht verstehen: „Aber in Laufleistung und Sprints sind wir wieder top gewesen“, sagte der Coach achselzuckend nach der Niederlage gegen Hamburg.

Nein, versichert Bobic, die Mannschaft „gibt alle drei Tage Vollgas“, und wenn „die Jungs weiter Gas geben, dann werden die Ergebnisse auch wieder kommen.“ Ob das am Donnerstag schon so sein wird, darf ein wenig angezweifelt werden. „Egal was ist, wir werden nach Rom fahren und dort alles versuchen. Es gibt noch eine Chance, wenn sie auch klein ist, und wir werden um diese kämpfen“, beteuert der junge Antonio Rüdiger. Von fünf Europapokal-Spielen in Italien hat der VfB übrigens noch keines gewonnen.

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Im Grunde genommen aber ist das Spiel in Rom eine zusätzliche Belastung für eine Mannschaft, die nach 40 Pflichtspielen in dieser Saison längst auf dem Zahnfleisch daherkommt, weil der Kader keinem Tanz auf drei Hochzeiten gewachsen ist. Größte Hoffnung des VfB, die Saison noch zu retten, ist der Pokal: Sollten die Stuttgarter gegen den SC Freiburg das Finale in Berlin erreichen und dort auf den FC Bayern treffen, wären sie wieder in der Europa League. Ob sie nun wollen oder nicht.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Lazio Rom: Marchetti - Pereirinha, Cana, Dias, Radu - Hernanes, Gonzales, Ledesma, Onazi, Ederson - Floccari. - Trainer: Petkovic

VfB Stuttgart: Ulreich - Sakai, Tasci, Niedermeier, Boka (Molinaro) - Kvist, Gentner - Harnik (Macheda), Holzhauser (Okazaki), Traore - Ibisevic. - Trainer: Labbadia

Schiedsrichter: Tom Harald Hagen (Norwegen)

sid

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