DFL verzichtet auf Torlinien-Technik

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Die DFL verzichtet vorerst auf die Einführung der Torlinien-Technik.

Frankfurt - War der Ball hinter der Torlinie oder nicht? Diese Entscheidung müssen Schiedsrichter in der 1. und 2. Bundesliga auch in Zukunft ohne technische Hilfsmittel fällen.

Die größte Revolution des modernen Fußballs wird die 1. und 2. Bundesliga zumindest vorerst nicht erreichen. Der Vorstand der Deutschen Fußball Liga beschloss überraschend, die neue Torlinien-Technologie nicht wie geplant schon im kommenden Jahr einzuführen und zunächst die Tests bei der Club-WM im Dezember in Japan und beim Confed-Cup im Sommer in Brasilien abzuwarten. „Eine Einführung für die Saison 2013/2014 ist daher ausgeschlossen“, hieß es in einer am Mittwoch veröffentlichten Mitteilung der DFL.

Diese Entscheidung des Ligaverbands hat gleich mehrere Gründe. Die hohen Kosten, die Uneinigkeit der großen Verbände - vor allem aber sind die beiden zugelassenen Verfahren der Torlinien-Technik den deutschen Proficlubs noch viel zu ungenau. Laut „Sport Bild“ soll der Weltverband FIFA dem in Deutschland favorisierten „GoalRef“-System (Chip im Ball) eine Fehlertoleranz von zwei bis drei Zentimetern einräumen. „Ich befürchte, dass die technische Fehlerquote die gleiche sein wird wie die menschliche“, sagte Eintracht Frankfurts Vorstandsvorsitzender Heribert Bruchhagen.

Hinzu kommt, dass sich die beiden wichtigsten Dachorganisationen FIFA und UEFA in der Torlinien-Frage nicht einig sind. Der europäische Verband und sein Präsident Michel Platini treten mit Vehemenz gegen eine technische Lösung und für den Einsatz von Torrichtern ein. Die FIFA setzt ganz auf die Technik und hat deshalb bereits das „GoalRef“-System und die Torkamera „Hawk Eye“ erlaubt.

Dieser Streit verunsichert die Vereine zusätzlich. Unmittelbar nach der Entscheidung des FIFA-Regelkomitees IFAB im Juli, die neue Torlinien-Technologie zuzulassen, hatte noch eine klare Mehrheit der Bundesliga-Vertreter diesen Schritt begrüßt. „Das ist eine gute Entscheidung und sie war längst fällig. Ich hoffe, dass dem Profi-Fußball künftig so manche Fehlentscheidung erspart bleibt“, sagte Bayern Münchens Trainer Jupp Heynckes damals.

Ein Vierteljahr später spricht die DFL aber nur noch von einem „unentschiedenen Meinungsbild“ unter den Vereinen, die alle bis Mitte Oktober zu einer konkreten Stellungnahme aufgefordert waren.

„Wenn Forderungen im Detail untersucht werden, wird aus einer emotionalen Ansicht eine rationale Erkenntnis“, meinte Bruchhagen. „Schon die 2. Liga kann sich die Einführung einer Technologie kaum leisten, die Folgekosten sind noch gar nicht abzusehen. Und das alles nur wegen drei bis fünf strittiger Entscheidungen pro Saison? In der Gesamtbetrachtung sind wir bei Eintracht Frankfurt deshalb dagegen.“

Endgültig vom Tisch ist die Tortechnik in Deutschland damit aber noch nicht. Bereits bei der Club-WM im Dezember und auch beim Confed Cup im kommenden Jahr wird die FIFA sowohl den Chip im Ball als auch die Torkamera erstmals bei großen Wettbewerben testen. Die DFL behält sich ausdrücklich vor, diese Tests abzuwarten und zu bewerten.

Auch die Schiedsrichter sprechen sich eindeutig für die Einführung technischer Hilfsmittel aus. „Das hilft dem Schiedsrichter und dem Fußball, weil es Schiedsrichter bei der Frage "War der Ball im Tor: Ja oder nein?" nur entlasten kann“, sagte Herbert Fandel, der Vorsitzende der DFB-Schiedsrichterkommission, im Sommer dazu. Aktuell war jedoch noch kein deutscher Spitzen-Referee für eine Stellungnahme zu der DFL-Entscheidung zu erreichen.

dpa

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