BVB vermeidet immer noch das böse "V-Wort"

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Die Dortmunder jubeln - und wollen trotzdem noch nichts von einer Vorentscheidung wissen

Dortmund - Mit einem Vorsprung von sechs Punkten vor Verfolger Bayern München geht Titelverteidiger Borussia Dortmund in die letzten vier Saisonspiele. Doch das böse "V-Wort" benutzt immer noch keiner.

Der „Kaiser“ höchstpersönlich krönte schon vorzeitig den Meister. „Borussia Dortmund holt den Titel. Sie lassen jetzt nichts mehr anbrennen“, prophezeite Franz Beckenbauer angesichts des Sechs-Punkte-Vorsprungs des Titelverteidigers vor seinem Klub Bayern München. BVB-Trainer Jürgen Klopp war nach dem „außergewöhnlichen Erlebnis“ im Tollhaus der Dortmunder Arena schnell wieder auf dem Boden der Realität gelandet und lehnte vorzeitige Glückwünsche vehement ab.

„Wir bleiben schön in der Spur. Am Samstag erwartet uns ein nicht minder intensives Spiel. Das spielen wir in Schalke, und die wollen sich die Teilnahme an der Champions League sichern und uns ein bisschen in die Suppe spucken“, sagte der Coach mit einem spitzbübischen Lächeln. Die Genugtuung über den 1:0 (0:0)-Sieg im emotionsgeladenen Giganten-Gipfel über den Erzrivalen und Verfolger aus München konnte er nicht verbergen.

In den Kneipen in Dortmund floss das Pils in der Nacht zum Donnerstag in Strömen, denn für die Fans ist die Sache klar: „Deutscher Meister wird nur der BVB!“ Der große Schritt in Richtung achte Meisterschaft war geschafft, die Genugtuung nach dem vierten Sieg in Folge über das Starensemble von der Isar kaum zu überbieten.

Doch kaum einen Erfolg gegen die Bayern genossen die Borussen so wie diesen. „Das war ein überragendes Fußballspiel. Ich habe im Überschwang der Gefühle ein Spektakel angekündigt. Da war ich mir nicht sicher, ob wir das hinkriegen. Aber was die Mannschaft aus diesem Spiel gemacht hat, war einfach großartig“, schwärmte Klopp nach einer meisterlichen Vorstellung seiner Youngsters, die niemanden kalt ließ - und einer hochdramatischen Schlussphase, die an den Nerven zehrte.

Am Ende siegte wieder einmal der Spaß- und Vollgas-Fußball über die kontrollierte Offensive der Bayern, die zumeist in der Nähe des Strafraums verpuffte, weil das Klopp-Konzept erneut aufging. Die Superstars Frank Ribery und Mario Gomez fanden quasi nicht statt. Arjen Robben trat zumindest in den letzten Minuten in Erscheinung. Mit einem Foulelfmeter (85.) scheiterte der Niederländer zunächst an BVB-Keeper Roman Weidenfeller und verpasste in der Nachspielzeit erneut den Ausgleichstreffer, als er den Ball aus drei Metern über das Tor auf die Tribüne drosch.

Der zweite gefeierte BVB-Held neben Weidenfeller hieß Robert Lewandowski. Mit seinem Saisontor Nummer 20 per Hackentrick (77.) wies Polens Fußballer des Jahres seiner Mannschaft den Weg auf den Bundesliga-Thron. „Das war vielleicht das wichtigste Tor meiner Karriere“, sagte der 23-Jährige. Die Bestätigung wird er jedoch frühestens in zehn Tagen erhalten, „denn wir haben noch schwere Spiele vor uns. Wir müssen weiter Vollgas geben“, forderte der Torjäger.

„Erst müssen wir die beiden Spiele in Schalke und gegen Mönchengladbach hinter uns haben, dann wissen wir mehr“, ergänzte Nationalspieler Mats Hummels unter dem Eindruck einer einzigartigen Atmosphäre in dem mit 80.720 Zuschauern ausverkauften Stadion. „Es hat schon vor dem Anpfiff geknistert. Was sich auf den Ränge abgespielt hat, war schon brutal. Das war wirklich faszinierend“, meinte der Innenverteidiger.

Im Vorfeld hatte Hummels das böse "V-Wort" von der "Vorentscheidung" benutzt und dafür Ärger bekommen. Jetzt vermied es der 23-Jährige ebenso wie Coach Klopp. „Wir brauchen keine Vorentscheidung, wir denken nur an das nächste Spiel. Drei Tage haben wir jetzt, um diesen Sieg zu genießen.“ Und die Borussen werden ihn genießen, weil er in Anbetracht der Mehrzahl der herausgespielten Großchancen vollauf verdient war. „Ob er verdient war, ist für mich nicht wichtig, weil ich heute auch gern unverdient gewonnen hätte“, flachste Klopp.

Beckenbauer hatte dem BVB sogar schon vorzeitig eine „verdiente Meisterschaft“ bescheinigt - nicht nur weil die Borussia seit nunmehr 24 Spielen ohne Niederlage ist. Nur zähneknirschend schloss sich Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge der Meinung seines Ehrenpräsidenten an. „Dortmund wird zu 99 Prozent Meister. Aber wir gratulieren trotzdem erst, wenn es auch mathematisch feststeht. Die paar Wochen werden die Borussen jetzt auch noch warten können.“

sid

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