"Verbotene Stadt": 96-Fans unerwünscht

Hannover - Vor dem Spiel bei Standard Lüttich wird bei Hannover 96 über die Niederlage in der Gruppenphase und die erneuten Reisebeschränkungen für die Fans diskutiert. Die Erinnerungen sind unschön.

Die Rückkehr in die “verbotene Stadt“ weckt keine schönen Erinnerungen. Die Profis von Hannover 96 denken vor dem Achtelfinal-Hinspiel am Donnerstag (21.05/Kabel eins) bei Standard Lüttich an die bisher einzige Niederlage in zehn Europa-League-Spielen, das 0:2 am 30. November vergangenen Jahres. Die Fans des Bundesligisten erinnern sich vor allem an die rigiden Reisebeschränkungen und den Polizei-Einsatz mit Wasserwerfern, Pfefferspray und Schlagstöcken.

Von der UEFA ist die Begegnung wieder als Hochsicherheitsspiel eingestuft worden, die Innenstadt ist für 96-Anhänger erneut tabu. “Ich bedauere das sehr“, kommentierte Clubchef Martin Kind: “Formal entspricht die Entscheidung wohl belgischem Recht.“ Dass das Einreiseverbot “mit EU-Recht kompatibel ist, bezweifle ich, lässt sich aber kurzfristig nicht klären“.

Personen mit 96-Schals oder 96-Trikots sind in der “verbotenen Stadt“, wie Hannovers Zeitungen spotteten, nicht erwünscht. Die belgische Polizei droht bei Zuwiderhandlung mit einem 24-Stunden-Arrest. Die Fan-Busse dürfen das Maurice-Dufrasne-Stadion am Donnerstag frühestens um 19.30 Uhr anfahren. “Hannover 96 rät dringend davon ab, individuell und ohne Eintrittskarten anzureisen“, schrieb der Verein an seine Fans.

Die gleichen Einschränkungen galten bereits im November, und die Polizei sah sich nach der Partie bestätigt, als Flaschen flogen. Die belgischen Beamten reagierten mit überraschender Härte. “50 Rowdys sind aus dem Stadion rausgekommen, haben die Polizei provoziert und angegriffen“, berichtete der Einsatzleiter damals: “Wir mussten Wasserwerfer einsetzen. Es ist in Belgien so, dass wir eher einen Wasserwerfer einsetzen als einen verletzten Kollegen zu haben.“

Vor zwei Wochen beim 96-Spiel in Brügge “war es sehr friedlich, weil die Polizei defensiver war“, sagte Clubchef Kind. Das unterschiedliche Vorgehen in den beiden belgischen Städten kann er nicht verstehen. Kind wundert sich über “den schlechten Ruf unserer Fans in Lüttich“ und appellierte zugleich an die Anhänger, “Hannover positiv zu vertreten“.

Es war daher ungewollt doppeldeutig, als 96-Manager Jörg Schmadtke sagte: “Lüttich kennen wir ja - da haben wir noch etwas gutzumachen.“ Vor allem die Stürmer Mohammed Tchite und Gohi Bi Cyriac waren von der 96-Defensive damals nicht zu halten. “Das wird ein brutal schweres Spiel, das wissen wir aus der Gruppenphase“, meinte auch Trainer Mirko Slomka. Ein erneutes 0:2 wäre eine denkbar schlechte Ausgangsposition für das Rückspiel in einer Woche in Hannover.

“Gegen Lüttich haben wir noch eine Rechnung offen, und wir wollen am Donnerstag anfangen, dies geradezubiegen“, sagte Linksverteidiger Christian Schulz. Verzichten muss 96 auf den gelb-gesperrten Spielmacher Jan Schlaudraff, den kranken Toptorjäger Mohammed Abdellaoue und den verletzten Manuel Schmiedebach.

“Solche Ausfälle wie Jan Schlaudraff sind nie ein Vorteil, aber wir haben das die ganze Saison gut ersetzt“, sagte Schulz. Der Profi bedauerte zudem: “Es ist schade für die Fans, dass ihnen ein solches Erlebnis genommen wird, und für uns als Mannschaft, dass nicht ganz so viele mitreisen werden.“ Die Einschränkungen und der Polizei-Einsatz haben offensichtlich abschreckende Wirkung: Nur 900 statt der möglichen 1400 Anhänger reisen nach Lüttich.

dpa

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