Auch Timoschtschuk betroffen

"Unsere Spieler wurden in Deutschland vergiftet"

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Anatoli Timoschtschuk

Kiew - Der ukrainische Nationaltrainer Oleg Blochin hat eine Lebensmittelvergiftung für die Niederlage (0:2) im letzten EM-Test gegen die Türkei in Ingolstadt verantwortlich gemacht.

„Noch ist die Ukraine nicht gestorben“, heißt es in der Nationalhymne des Mitausrichters der EM-Endrunde. Glaubt man Oleg Blochin, hat dazu freilich nicht viel gefehlt. „Unsere Spieler sind in Deutschland vergiftet worden“, behauptete der Nationaltrainer nach dem blamablen 0:2 (0:1) gegen die Türkei bei der EM-Generalprobe allen Ernstes. „Wir hatten große Personalsorgen. Zehn Spieler haben unter einer Lebensmittelvergiftung gelitten“, rechtfertigte Blochin die erschütternde Leistung seiner Mannschaft in Ingolstadt - es klang wie eine billige Ausrede.

Auch Bayern Münchens Star Anatoli Timoschtschuk gehörte angeblich zu den Vergifteten, er lief beim letzten EM-Test nicht auf. Er habe, jammerte Blochin, wegen der Erkrankungen seine Aufstellung kurz vor dem Anpfiff verändern müssen und sei noch immer auf der Suche nach der Ursache für die Probleme. Verteidiger Bogdan Butko und Mittelfeldspieler Denis Garmasch, erklärte er weiter, hätten sogar trotz der Vergiftung spielen müssen. „Wir wissen noch nicht, was der Grund ist. Alle, die betroffen sind, haben unterschiedliche Dinge gegessen“, sagte Blochin.

Der Wahrheitsgehalt dieser Vorwürfe ließ sich allerdings nicht überprüfen, denn sowohl Timoschtschuk als auch seine Mannschaftskollegen bevorzugten den Gang durch die Hintertür der Ingolstädter Arena. Schnell weg, ab zum Flieger. Um 3:05 Uhr am Mittwochmorgen landeten die Blau-Gelben planmäßig in Kiew. Es ist nicht bekannt, dass ein Spieler den Flug aus gesundheitlichen Gründen nicht hatte antreten können. Auch Timoschtschuk sah keineswegs krank aus, als er im Stadion im Vorbeigehen Interviewanfragen ablehnte. Vor dem Spiel hatten die Ukrainer noch mitgeteilt: „Alles in Ordnung, kein Problem. Er wird geschont.“

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Nach dem Spiel soll es dem 33 Jahre alte Kapitän auf einmal schlecht gegangen sein. Vermutlich war der Grund für das plötzliche Unwohlsein aber eher die Leistung der Ukrainer, wer zusehen musste, was sie bei ihrer Generalprobe ablieferten, dem konnte schon übel werden: fahrig im Offensivspiel, nachlässig in der Defensive; weder eine Struktur, noch eine Spielidee waren auszumachen. Blochin sah das nach den türkischen Treffern von Caner Erkin (30.) und Mustafa Pektemek (70.) anders. „Die erste Halbzeit war ausgeglichen, nach der Pause haben wir eine Reihe von Chancen verschwendet“, sagte er.

Bis zum ersten Vorrundenspiel in der Gruppe D am 11. Juni in Kiew gegen Schweden hat Blochin noch Zeit, seiner Elf wieder Leben einzuhauchen. Nur ein Auftaktsieg dürfte überhaupt Hoffnung auf das Viertelfinale machen, die weiteren Gegner bis dorthin sind Ex-Weltmeister Frankreich und England. „Unsere Elf kann den ganzen Weg bis zum Titel gehen, auch wenn dafür viele günstige Umstände zusammenkommen müssen. Alles ist möglich, auch unser Sieg ist möglich. Wer hat geglaubt, dass die Griechen 2004 Portugal schlagen würden“, sagte die einstige Spieler-Legende unverdrossen optimistisch. Maximal 13 Millionen Euro an Prämien würde das Team für den EM-Titel kassieren.

Zunächst aber wollen die Ukrainer die angeblich so teuflischen deutschen Viren loswerden. „Wir haben jetzt eine Hauptaufgabe“, sagte Blochin: „Die Spieler zu kurieren.“

sid

 

 

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