Ein Idol wird 75 - alle feiern Uwe Seeler

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Herzlichen Glückwunsch, Uwe Seeler!

Hamburg - Er gehört zu Hamburg wie der Hafen: Uwe Seeler. Am Samstag feiert das Idol seinen 75. Geburtstag. Seine bescheidene Art, sein Einsatz und ein „Nein“ machten aus dem Fußballer ein Denkmal.

Grund zum Feiern gab es zuletzt nur sehr selten in der Arena des Hamburger SV. Am Samstag aber wird das nun ganz anders. Das Vereinsidol schlechthin begeht seinen Geburtstag, Uwe Seeler wird 75 Jahre. Eine derartige Ansammlung prominenter Stars und Superstars des Fußballs, die dann ihre Aufwartung machen werden, gibt es nur äußerst selten zu sehen. Schon gar nicht aus privatem Anlass. Ehre, wem Ehre gebührt, “Uns Uwe“ hat sie verdient. Etwa 320 Gäste werden erwartet.

Natürlich wollen die Freunde alle dabei sein. Franz Beckenbauer, Wolfgang Overath, Max Lorenz und Berti Vogts haben sich angesagt. Die Funktionäre Theo Zwanziger, Reinhard Rauball, Carl Jarchow. Seeler wird sie alle ab 12.00 Uhr auf dem Roten Teppich vor dem HSV-Stadion empfangen und umarmen. “Uwe war immer in vielen Dingen ein Vorbild für mich“, sagt Franz Beckenbauer, “Ich wünsche ihm viele weitere glückliche, erfolgreiche und gesunde Jahre - unsterblich ist er ohnehin schon.“

“Viel Glück, dass ich überhaupt noch lebe.“

Am wichtigsten aber, das ist ganz sicher, ist Uwe Seeler, dass seine Familie da ist. Ehefrau Ilka, mit der er seit 1959 verheiratet ist, und die drei Töchter Kerstin, Helle und Frauke, sieben Enkel. Der ganze Seeler-Clan. Alle wohlauf. Sein persönlicher Halt, die Lebensbasis, Fußball hin und her. “Familie ist schon was Schönes“, sagt der Jubilar, “wir freuen uns, dass es so harmonisch läuft und dass es mir wieder ganz gut geht.“

Es war nicht so einfach im letzten Jahr. Der Autounfall im Sommer 2010 hat doch größere Spuren hinterlassen, als sich Seeler zunächst selbst eingestehen wollte. Noch im Januar musste er sich einer Nachoperation am Halswirbel unterziehen, auf dem rechten Ohr hört er nur noch wenig. Zwei junge Leute hatten den Wagen seines Freundes mit Beifahrer Seeler mit 220 Sachen vor dem Elbtunnel gerammt. Alkohol und Cannabis waren im Spiel, Seeler redet nicht gerne darüber: “Ich habe viel Glück gehabt, dass ich überhaupt noch lebe.“

Glückwünsche von Helmut Schmidt

Am Mittwoch noch übergab er persönlich im Hamburger Rathaus einen nach ihm benannten Jugendfußball-Preis des Senats. Die anwesenden Kinder holten sich Autogramme von dem älteren Herren, den sie nie haben spielen sehen. Von dem aber ganz bestimmt die Eltern erzählt haben oder die Opas. “Sie gehören zu den bekanntesten und beliebtesten Hamburgern aller Zeiten“, sagte der Erste Bürgermeister Olaf Scholz.

Die Lobeshymnen reißen nicht ab anlässlich des besonderen Geburtstages. Sogar Altkanzler Helmut Schmidt schickte über die Nachrichtenagentur dapd seine Glückwünsche: “Ich möchte anlässlich seines runden Geburtstages hervorheben, dass Uwe Seeler ein Vorbild war und auch heute noch ist: ein charakterstarker Mann, der trotz seines großen nationalen und internationalen Erfolgs auf dem Teppich geblieben ist.

"Uns Uwe" - Ein Star zum Anfassen für jedermann

Jeder hat wohl seine persönlichen Seeler-Momente. Sei es das entscheidende Tor 1965 in Schweden auf dem Weg zur Fußball-WM in England kurz nach einem Achillessehnenriss, das Hinterkopftor 1970 in Mexiko gegen England. Sei es der “Sitz-Rückzieher“ gegen Westfalia Herne 1960, die deutsche Meisterschaft mit dem HSV 1960, die drei Tore zum Sieg im Pokalfinale 1963 gegen Dortmund oder die Verhandlungen mit Inter Mailand 1961 als Seeler entschied, in Hamburg zu bleiben.

Eine Million Mark sollte es allein als Prämie für die Vertragsunterschrift geben - das Handgeld lag in einem Aktenkoffer unter dem Tisch. Dazu 500.000 Mark Jahresgehalt netto, eine Villa, ein Auto, die deutsche Schule für die Kinder. „Das Angebot war sensationell“, sagt Seeler im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (SID) vor seinem 75. Geburtstag, „aber Herrera wäre sicher noch höher gegangen.“ Er hätte nur seinen Namen kritzeln müssen und wäre ein gemachter Mann gewesen, mit 25 Jahren. Zwei Tage lang wurde verhandelt - doch am Ende schüttelte Uwe den Kopf und schickte den Mann mit dem schicken italienischen Anzug und dem Geldkoffer nach Hause.

Hamburg stand kopf, Deutschland feierte Seeler. Den Star, der allen gehörte. Den man anfassen konnte. Der auf traumhaften Reichtum verzichtete und damit zum Idol aufstieg. „Uns Uwe“ war jetzt nationales Eigentum, Vorbild und moralischer Kompass. „Beim HSV habe ich nur einen Bruchteil von dem verdient, was ich in Mailand bekommen hätte. Aber wer weiß, ob ich glücklich geworden wäre“, sagt Seeler. „Mehr als ein Steak am Tag kann man nicht essen. Und wenn ich heute Bilanz ziehe, war diese Entscheidung goldrichtig.“

“Die Raute ist immer in meinem Herzen“

“Uwe ist ein Vorbild als Sportler und Mensch. Er steht für viele Werte, etwa Identifikation mit der Nationalmannschaft und optimaler Einsatz für den Erfolg“, sagt Bundestrainer Joachim Löw.

HSV-Chef Jarchow, DFB-Präsident Zwanziger, Hamburgs Sportsenator Michael Neumann und Uwe Seelers Biograf und Freund Roman Köster werden bei der Feier Reden halten. Es gibt etwas zu essen und eine große Geburtstagstorte. Der HSV hat seine Mitglieder und Fans aufgerufen, ihre persönlichen Erinnerungen an Uwe Seeler zu senden. So ist eine gewaltige Sammlung an Fotos, Videos und sonstigen Souvenirs entstanden. Das Geburtstagsgeschenk “seines“ Vereins, in dem er 1946 von seinem Vater Erwin angemeldet wurde, und dem er trotz gelegentlicher Differenzen selbstverständlich immer die Treue gehalten hat: “Die Raute ist immer in meinem Herzen.“

dapd/SID

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