"Unglaublicher" Podolski populär wie nie

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Doppeltorschütze Lukas Podolski

Köln - Beim 1. FC Köln schwärmen mal wieder alle von Lukas Podolski. Viele Kollegen sehen in ihm den besten Bundesliga-Spieler. So populär wie nach diesem Wochenende war der Kölner wohl noch nie.

Stadionsprecher Michael Trippel lobte nach der erneuten Poldi-Gala über die Lautsprecher „unsere unglaubliche Nummer 10“, die Fans feierten ihren fahnenschwenkenden Liebling wie einen Superhelden, die Kollegen überboten sich gegenseitig vor Lob: Rund zwei Monate nach dem Entzug des Kapitänamtes ist Lukas Podolski beim Fußball-Bundesligisten 1. FC Köln auf dem Gipfel seiner Popularität angekommen.

„Poldi ist einfach Wahnsinn. Wir müssen hinten einfach nur die Null halten Er macht das dann vorne schon“, sagte der slowenische Nationalspieler Miso Brecko nach den beiden Weltklasse-Toren beim 2: 0 (1:0) gegen Hannover 96 dem SID. Und sein Abwehr-Kollege Christian Eichner ergänzte: „Deshalb ist er einer der besten Spieler Deutschlands - wenn nicht gar der beste Spieler.“

Schon Trainer Stale Solbakken hatte Podolski zuvor als den „vielleicht besten Bundesligaspieler“ bezeichnet. Zu seinem sensiblen Superstar hat der Norweger trotz der für Podolski extrem schmerzhaften Kapitäns-Entscheidung inzwischen ein vertrauensvolles, freundschaftliches Verhältnis aufgebaut. Nach seinem zweiten Tor gegen 96-Keeper Ron-Robert Zieler - dem Sohn seines früheren B-Jugend-Trainers Raimunt Zieler - lief der 26-Jährige dann auch auf seinen Trainer zu und sprang ihm direkt in die Arme.

Es war die endgültige Versöhnung der beiden Personen, die rund ums Geißbockheim als die größten Hoffnungsträger gelten. Zu hoch hängen wollten beide das Bild mit Symbolcharakter aber nicht. „Ich denke, in dem Moment haben alle einfach nur gedacht: Das war ein schöner Sonntagabend“, sagte Solbakken schmunzelnd. Und Podolski ergänzte: „Ich bin einfach zum Trainer hingesprintet. Er stand da so und hat die Fäuste geballt, da dachte ich, das ist ein schönes Bild.“

Podolskis Erfolgsrezept klingt wie immer ganz einfach. „Jedes Spiel macht Bock, deshalb ist man Fußballer“, meinte der Stürmer, den der Konkurrenzkampf in der Nationalelf zusätzlich zu beflügeln scheint. Nur den Übermut im wieder einmal euphorischen Kölner Umfeld möchte er gerne bremsen. „Viele erwarten Wunderdinge von uns“, meinte er: „Das geht mir immer alles zu schnell.“

Im Hype um seine Person vergaß Podolski, um dessen Vertragsverlängerung im Winter gefeilscht werden soll, aber auch die Kollegen nicht. „Ich habe hohen Respekt vor unserer Abwehr“, sagte er. Zurecht. Denn am Ende des Zu-Null-Spiels bildeten neben Linksverteidiger Eichner in Ammar Jemal und Henrique Sereno zwei nachverpflichtete Profis aus Tunesien und Portugal nach erst wenigen gemeinsamen Trainingseinheiten die Innenverteidigung. Und in Tomoaki Makino verteidigte ein japanischer Linksverteidiger rechts. „Unsere Abwehr war wie ein Schmelztigel, multikulti, die haben sich mit Händen und Füßen verständigt“, stellte Torhüter Michael Rensing fest.

Dass Hannover dennoch kein Tor gelang, lag an der schwachen Leistung der Niedersachsen - und an Schiedsrichter Jochen Drees. Der hatte dem Tor von Sergio Pinto zum 1:1 (70.) die Anerkennung verweigert, weil Didier Ya Konan in Abseitsstellung Rensing irritiert haben soll. „Ich habe ihn nicht einmal gesehen“, entgegnete der Kölner Schlussmann: „Das Tor war regulär. Ich habe mich schon während des Spiels gefragt, warum er das pfeift.“

Auch wenn die Regel des passiven Abseits verwirrend ist, „so ein klares Tor muss man geben“, sagte Mirko Slomka. Hannovers Trainer ärgerte sich besonders, weil sein Team im Falle eines Sieges als Zweiter Tabellenführer Bayern München zu einem absoluten Liga-Gipfel hätte empfangen können.

Dass dies in den Köpfen seiner Spieler eine Rolle spielte, war für den 96-Coach augenscheinlich. „Jeder einzelne Spieler hat die Ergebnisse verfolgt und konnte einschätzen, welche Möglichkeit wir gehabt hätten, gegen die Bayern ein echtes Spitzenspiel zu haben“, meinte er: „Leider haben wir uns nicht wie eine Spitzenmannschaft präsentiert.“

Die ganz großen Schlagzeilen gibt es vor dem Duell nächsten Sonntag also nicht. „Im Gespräch sind wir ja auch so“, meinte Sportdirektor Jörg Schmadtke ironisch: „Zumindest in der Hinsicht hat der Schiedsrichter uns geholfen.“

sid

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