Bayern-Präsident ist "sehr überrascht"

Uli Hoeneß muss vor Gericht - Anklage zugelassen

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Uli Hoeneß hat sich selbst wegen Steuerhinterziehung angezeigt und hofft auf Straffreiheit.

München - Lange blieb es ruhig um die Vorwürfe gegen Uli Hoeneß, er habe Steuern in großem Stil hinterzogen. Nun muss sich der Bayern-Präsident aber vor Gericht verantworten - und zeigt sich überrascht von der Entscheidung.

Die Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts München II hat die Klage wegen Steuerhinterziehung im vollen Umfang zugelassen. Das Oberlandesgericht München teilte am Montag diese Entscheidung mit. Der Prozess startet im März 2014.

Aufsichtsrat legt Hoeneß keinen Amt-Verzicht nahe

Nach Bekanntgabe der Entscheidung hat auch der Aufsichtsrat des FC Bayern Stellung genommen: Man habe ein eigenes Rechtsgutachten eingeholt. Dieses komme zu dem Ergebnis, dass man Hoeneß keinen Verzicht auf das Präsidenten-Amt nahelegen müsse. "Die für den Aufsichtsrat maßgeblichen Gesichtspunkte, dass sich Uli Hoeneß über 30 Jahre lang hervorragende Verdienste um den FC Bayern München erworben habe, dass er für den FC Bayern München eine wichtige Führungspersönlichkeit sei und dass er nach dem Ergebnis zweier vom FC Bayern München in Auftrag gegebener öffentlicher Umfragen von einer überwältigenden Mehrheit der Mitglieder des FC Bayerns München eV unterstützt werde, seien sachgerechte Gesichtspunkte, die ohne Zweifel geeignet seien, die getroffene Entscheidung zu stützen", heißt es auf der Homepage des Rekordmeisters. Auch die Vorstellung, die im Aufsichtsrat vertetenen Vorstandsmitglieder deutscher Groß-Unternehmen wie Telekom oder Audi müssten dafür sorgen, eine "zero-tolerance"-Politik gegenüber Hoeneß zu betreiben, sei falsch.

Folgendes schreibt das OLG in seiner Pressemitteilung: "Die 5. Strafkammer (Wirtschaftsstrafkammer) des Landgerichts München II hat mit Beschluss vom 31.10.2013 die Anklage der Staatsanwaltschaft München II vom 30.07.2013 gegen Ulrich H. wegen Steuerhinterziehung unverändert zur Hauptverhandlung zugelassen. Darüber hinaus hat die Strafkammer folgende Hauptverhandlungstermine bestimmt: Montag, den 10.03.2014, Dienstag, den 11.03.2014, Mittwoch, den 12.03.2014 und Donnerstag, den 13.03.2014. (...) In der Anklage legt die Staatsanwaltschaft München II dem 61jährigen Präsidenten des FC Bayern München Einkommensteuerhinterziehung zur Last."

In einer ersten Reaktion gab sich Hoeneß kämpferisch. „Ich werde in den nächsten vier Monaten sehr hart daran arbeiten, dass unsere Argumente das Gericht überzeugen“, sagte er Sport Bild. Er sei „sehr überrascht, dass unsere Selbstanzeige von den Behörden nicht für wirksam erklärt wird“.

Steuer-Affäre Hoeneß - eine Chronologie

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Eigentlich wollte Uli Hoeneß durch seine Selbstanzeige einem Prozess und einer damit drohenden Strafe entgehen. Anfang des Jahres meldete Hoeneß den Finanzbehörden seine nicht legalen Aktivitäten, räumte ein, Geldgewinne auf einem Konto bei der Zürcher Privatbank Vontobel nicht versteuert zu haben. Doch offenbar waren seine Angaben nicht ausreichend.

Der Bayern-Präsident reichte eine zweite Selbstanzeige ein, da ermittelte die Staatsanwaltschaft aber bereits. Im März hatte die Staatsanwaltschaft das Privathaus sowie Büroräume von Hoeneß untersucht und Haftbefehl erlassen. Dieser wurde gegen Zahlung einer Kaution in Millionenhöhe außer Kraft gesetzt.

Hoeneß gab sein Fehlverhalten öffentlich zu: „Ich habe Riesenmist gebaut, aber ich bin kein schlechter Mensch“, sagte er einmal in einem Interview. Noch Ende Juli zeigte sich der Bayern-Präsident optimistisch in seiner schwierigen Steuer-Causa. „Ich bin zuversichtlich, dass es eine gute Lösung gibt.“ Verbindungen seines Steuerfalls zum FC Bayern schloss Hoeneß übrigens stets kategorisch aus. Sein Schweizer Konto sei „ganz allein Uli Hoeneß“ gewesen, beteuerte er.

Was droht dem Bayern-Präsidenten im Falle einer Verurteilung? Das Strafmaß variiert zwischen einer Geldstrafe, einer Verurteilung auf Bewährung oder sogar Gefängnis bis zu fünf, in besonders schweren Fällen gar bis zu zehn Jahren.

Hoeneß: Die Steuer-Affäre in Zitaten

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dh/dpa/sid

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