Ukraine: Protest gegen Hundetöter zeigt Wirkung

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Zwei Hunde streunen in einer Küche in Hostomel vor Kiew

Köln - Die weltweiten Proteste gegen die grausame Tötung der ukrainischen Straßenhunde zeigen Wirkung. Nun haben auch die großen Sponsoren öffentlich ihre Besorgnis geäußert.

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Auf dem Foto kuscheln Boomy und Stevie, ein kleiner weißer Hund und ein blinder Kater. Darunter steht in blutroten Buchstaben: „Stop killing our friends in the Ukraine - hört auf, unsere Freunde in der Ukraine zu ermorden“. Hunderte dieser Fotos kann man dieser Tage im Internet finden, bildhafter Ausdruck der immer gewaltiger werdenden Protestwelle gegen die brutale Tötung der ukrainischen Straßentiere auf dem Weg zur Euro 2012.

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Und die Macht der Massen zeigt Wirkung. Nach Mahnwachen und Schweigemärschen in europäischen Metropolen wie Berlin, Wien und Zürich, dem via Facebook organisierten Aufschrei von einer halben Million Menschen auf dem Internetportal thepetitionsite.com und einem offenen Brief von Frankreichs prominentester Tierschützerin Brigitte Bardot an den ukrainischen Präsidenten Wiktor Janukowitsch gibt es endlich eine erste Reaktion. Der ukrainische Ministerpräsident Nikolai Asamow hat die Städte und Kommunen des Landes aufgefordert, die Tötungsaktionen zu beenden und Tierquäler hart zu bestrafen.

Damit diese Forderung auch umgesetzt wird, gehen die Protestaktionen im Internet weiter. Die Hauptsponsoren der Euro 2012, unter anderem adidas, McDonald's, Coca-Cola und Canon, werden aufgefordert, ihre Stimme für die ukrainischen Straßentiere zu erheben. Die Facebook-Gruppe „Zentrale Infostelle im Kampf gegen das Töten für die EM 2012 in Ukraine!“ hat die Tierschützer zu einer Demonstration vor dem adidas Flagship Store auf der Frankfurter Zeil aufgerufen, am 17. Dezember ist eine große Demonstration in der Kölner Innenstadt geplant.

Die Sponsoren haben reagiert. „Wir verfolgen die Berichterstattung über die Vorgehensweise in der Ukraine selbstverständlich mit großer Besorgnis und haben dies auch der UEFA gegenüber zum Ausdruck gebracht“, heißt es bei McDonald's: „Wir haben unsere Ansprechpartner mit Nachdruck gebeten, hier auf die Regierung der Ukraine Einfluss zu nehmen. Ich versichere Ihnen, dass wir in dieser Sache weiterhin mit Nachdruck Lösungen einfordern werden.“

Coca-Cola „setzt sich für den Tierschutz und eine rechtmäßige Behandlung von Tieren ein. Wir stehen im engen Austausch mit der UEFA.“ Bei Canon ist man „sehr betroffen über die Vorkommnisse in der Ukraine“ und hat „die UEFA bereits unmittelbar kontaktiert“. Adidas begrüßt die Ankündigung der ukrainischen Behörden, „die Tötung von Hunden sofort zu stoppen und gesetzlich zu verbieten. Wir freuen uns sehr darüber und hoffen auf erfolgreiche Umsetzung!“

Dass die Ukraine Wort hält und das Töten der Straßenhunde wirklich einstellt, glaubt die weltweit operierende Tierschutz-Organisation PETA (People for the Ethical Treatment of Animals) nicht. Gerade ist ein PETA-Team aus Kiew zurückgekehrt und hat von weiteren Gräueltaten berichtet. Trächtigen Hündinnen werden ihre Welpen aus dem Leib geschnitten, weil die Behörden nach wie vor eine Kopfprämie von 25 Euro pro getötetem Tier ausloben. Die zuckenden Hundeleiber werden in einer Strichliste erfasst und dann bei lebendigem Leib in ein mobiles Krematorium geworfen.

„Die Tötungen gehen weiter, jetzt in diesem Moment“, sagt Carola Schmitt, Kampagnenleiterin bei PETA. Dabei werde unter anderem ein Mittel namens Ditilin eingesetzt, das ähnlich wie das Pfeilgift Curare wirkt. Ditilin führt zur allmählichen Lähmung der Muskeln, was zur Bwegungsunfähigkeit führt. Die reglosen Körper werden dann ins Feuer geworfen, was die Tiere bei vollem Bewusstsein erleben.

In der Ukraine leben etwa eine halbe Million heimatloser Hunde. Die konsequente Umsetzung eines „Neuter and Release“-Programms, das unter anderem die UEFA finanziell unterstützt, kann die Population nachhaltig senken. Dieses Konzept beinhaltet die Kastration und tierärztliche Versorgung der Tiere sowie das anschließende Wiederaussetzen im vertrauten Revier. Unter anderem belegt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in ihrer vielbeachteten Studie „Guidelines for Dog Population Management“, dass nur diese Methode die Überbevölkerung von heimatlosen Tieren nachhaltig eindämmen kann.

sid

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