Bilic geht im Donnergrollen

UEFA bestraft Kroatien

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Ein Teil der kroatischen Fans wusste sich nicht zu benehmen.

Warschau - Nach dem Ärger um Schiri Stark und dem unglücklichen Vorrunden-Aus bei der EM gab es für Kroatien gute Nachrichten: Die UEFA verzichtet auf drakonische Strafen wegen des Fan-Fehlverhaltens.

Als Gitarrist der Rockband Rawbau steht Slaven Bilic auf die lauten Töne, also dürfte ihm sein Abgang gefallen haben. Wenige Sekunden nach seiner emotionalen Abschiedsrede als kroatischer Nationaltrainer brach in Danzig mit Donnergrollen ein heftiges Gewitter los. Das Unwetter verzog sich schnell, und auch der Sturm, der sich hinter den Kulissen zusammengebraut hatte, entpuppte sich nur als laues Lüftchen.

Die Disziplinarkommission der Europäischen Fußball-Union (UEFA) verurteilte den kroatischen Verband HNS am Dienstag nur zu einer Geldstrafe von 80.000 Euro wegen des Zündens von Feuerwerkskörpern und „ungebührlichen Verhaltens der Anhänger (rassistische Sprechchöre, rassistische Symbole)“. Weitere Strafen wie etwa eine Sperre auf Bewährung wurden nicht verhängt.

Die UEFA reagierte damit vergleichsweise milde auf die Vorfälle im zweiten Gruppenspiel am vergangenen Donnerstag in Posen gegen Italien, als der dunkelhäutigen Angreifer Mario Balotelli rassistisch beleidigt worden war. Die Meinung von UEFA-Präsident Michel Platini hatte ein weitaus härteres Urteil vermuten lassen: „Ich war vor einem Jahr in Kroatien, und ich bin nicht glücklich über Kroatien. Sie haben ein Team, das guten Fußball spielt, aber wenn du ein paar hundert Arschlöcher im Stadion hast - dann ist nicht akzeptabel.“

Dass sich die kroatischen Fans auch beim 0:1 (0:0) in ihrem letzten EM-Spiel gegen Welt- und Europameister Spanien daneben benahmen, dürfte den UEFA-Verantwortlichen aber nicht gefallen haben. Während der 90 Minuten wurden im Fanblock der „Feurigen“ immer wieder Bengalos gezündet, was beim deutschen Schiedsrichter Wolfgang Stark böse Erinnerungen an das Relegations-Skandalspiel zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC weckte. Der Ergoldinger unterbrach die Partie deswegen bereits in der 7. Minute für etwa 30 Sekunden.

Stark war nach dem intensiven Spiel für die Kroaten der Sündenbock. „Der ist blind! Der kommt aus Deutschland, oder? Das war richtig schlecht“, sagte Bundesligaprofi Danijel Pranjic von Bayern München dem SID. Auch Vedran Corluka von Bayer Leverkusen wetterte: „Wir wurden bestohlen! Der Blinde hat den Elfmeter nicht gesehen. Aber als wir erfahren haben, dass er der Schiedsrichter ist, haben wir nichts Besseres erwartet.“ Besonders der zu Unrecht verweigerte Strafstoß nach einem Foul von Sergio Ramos an Mario Mandzukic (27.) brachte die Gemüter zum Kochen.

Slaven Bilic wollte sich nicht über den Schiedsrichter aufregen, er hatte ein anderes Anliegen. Nach sechs überwiegend erfolgreichen Jahren als Nationalcoach sagte der 43-Jährige mit viel Herzschmerz „Do videnja“. „Es ist nicht meine Art, aber ich muss jetzt wohl so eine Rede halten“, sagte Bilic: „Ich möchte dem Verband danken, dass er mir eine Chance gegeben hat. Ich war jung und unerfahren, aber wir hatten viel Erfolg. Ich habe jeden Tag in den sechs Jahren genossen.“

Einmal in Fahrt, lobte Bilic auch seine Spieler über den grünen Klee. Es habe in all den Jahren „nie ein Problem“ gegeben, behauptete der ehemalige Nationalverteidiger und prophezeite dem Team eine goldene Zukunft: „Sie ist phänomenal. Hier hat es nicht ganz gereicht, aber für die Zukunft hat diese Mannschaft ihr letztes Wort noch nicht gesprochen.“ Bilic dagegen schon, zumindest als Nationalcoach. Bereits in ein paar Tagen tritt der ehemalige Bundesligaprofi, der Kroatien vor vier Jahren als jüngster Trainer der EM-Geschichte ins Viertelfinale geführt hatte, seinen neuen Job beim zweimaligen russischen Meisters Lokomotive Moskau an.

dpa

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