Frühes EM-Aus

UEFA zeigt Stark die Rote Karte

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Für Wolfgang Stark (Mitte) ist die EM beendet

Warschau - Für den deutschen Schiedsrichter Wolfgang Stark ist die Fußball-EM vorzeitig beendet. Die UEFA zeigt dem 42-Jährigen die Rote Karte.

Rote Karte für Wolfgang Stark: Für den deutschen Schiedsrichter ist die Fußball-EM nach seinem Patzer im Gruppenspiel zwischen Kroatien und Titelverteidiger Spanien (0: 1) schon nach der Vorrunde beendet. Der 42 Jahre alte Bankkaufmann aus Ergolding gehört nicht zu den acht Unparteiischen, die am Mittwoch von der UEFA für die K.o-Runde nominiert wurden und muss die vorzeitige Heimreise antreten.

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„Für ihn ist das natürlich schade. Auf der anderen Seite hat er eine sehr gute EM gehabt. Er und sein Team sind bei zwei brisanten Spielen eingesetzt worden, das zeigt seine Wertschätzung“, sagte der deutsche Schiedsrichter-Chef Herbert Fandel dem SID. Man solle und werde die Qualität eines Schiedsrichters nicht nach einer Einzelsituation beurteilen.

Stark war nach einer Fehlentscheidung gegen die Kroaten, denen er einen klaren Foulelfmeter verweigert hatte, in die Kritik geraten. „Der ist blind! Der kommt aus Deutschland, oder? Das war richtig schlecht“, sagte unter anderem Danijel Pranjic von Bayern München dem sid nach der Niederlage, die für Kroatien das EM-Aus bedeutet hatte.

Gegen den deutschen Schiedsrichter sprach allerdings auch die Viertelfinal-Qualifikation der DFB-Mannschaft. „Da wären für ihn ohnehin nicht viele Spiele übrig geblieben“, sagte Fandel. Für ihren ersten Einsatz bei der Partie zwischen Polen und Russland (1: 1) hatten Stark und seine Assistenten Jan-Hendrik Salver, Mike Pickel, Deniz Aytekin und Florian Meyer noch viel Lob erhalten. Hohe Wellen schlug am Mittwoch beim Pressetermin der Referees zudem der Torklau gegen die Ukraine im Spiel gegen England (0:1). UEFA-Schiedsrichterchef Pierluigi Collina musste sich viel Kritik anhören, da Torrichter Istvan Vad einen Schuss fälschlicherweise nicht hinter der Linie gesehen hatte. „Ja, es war ein Fehler. Aber Menschen machen nun einmal Fehler“, sagte Collina, der besonders von ukrainischen Journalisten hart angegangen wurde. Der ungarische Spitzen-Referee Viktor Kassai wurde von der UEFA aufgrund der Szene in Donezk ebenfalls vorzeitig nach Hause geschickt.

Auch Fandel forderte erneut die Einführung einer Torlinien-Technologie. „Das wäre eine sichere Variante. Das hat die deutsche Schiedsrichter-Kommission schon immer gesagt. Dem Auge passieren Fehler, selbst wenn der Torrichter noch so gut steht“, so Fandel.

UEFA-Generalsekretär Gianni Infantino verwies auf die nächste Sitzung des International Football Association Board (IFAB): „Es ist nicht an der UEFA, eine Entscheidung zu treffen.“ Am 5. Juli tagen die Regelhüter in Zürich, um über die Einführung einer Torlinien-Technik zu entscheiden. UEFA-Präsident Michel Platini ist allerdings strikt dagegen und favorisiert nach wie vor zwei Torrichter.

Auch Collina verteidigte den Einsatz der Torrichter, die in Polen und der Ukraine erstmals bei einem großen Turnier zum Einsatz kommen. „Die Szene am Dienstag war nahezu das einzige Problem, das wir in gut 1000 Spielen mit dem fünften Schiedsrichter hatten. Und wenn man liest, dass der Ball einen halben Meter im Tor war, dann stimmt das einfach nicht. Es waren nur ein paar Zentimeter. Das ist menschlich.“ Insgesamt hätten die Schiedsrichter-Gespanne in der EM-Vorrunde eine sehr gute Leistung gezeigt, so Collina. „Es gab 296 richtige und 13 falsche Entscheidungen. Das entspricht einer Genauigkeit von 95,7 Prozent.“ Zum Schluss hatte Collina auch einen kleinen Trost für Wolfgang Stark übrig: „Ich musste das erste Mal eine Auswahlliste bekannt geben, das war nicht leicht für mich. Alle zwölf Schiedsrichter, die hier waren, haben hart gearbeitet und ihr Bestes gegeben. Alle hätten es verdient gehabt."

sid

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