DFB-Präsident freut sich

UEFA: Nations League kommt 2018

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DFB-Präsident Wolfgang Niersbach.

Astana - Die Europäische Fußball-Union (UEFA) hat die Einführung der sogenannten Nations League beschlossen. Der neue Modus wirkt auf den ersten Blick etwas unübersichtlich.

Die Europäische Fußball-Union (UEFA) hat die Einführung der sogenannten Nations League beschlossen. Ab 2018 werden die Freundschaftsspiele der Nationalmannschaften als eigenes Turnier ausgetragen. Beim DFB sorgte das Projekt zunächst nicht für Begeisterung.

Astana (SID) Die Revolution für die „Kleinen“ stieß beim großen Deutschen Fußball-Bund (DFB) zunächst nicht auf sonderlich viel Gegenliebe. In der Nations League, dem neuen Nationalmannschafts-Wettbewerb der Europäischen Fußball-Union (UEFA), geben sich die europäischen Top-Nationen künftig in einem deutlich strafferen Programm die Klinke in die Hand - und spielen um einen Titel, für den es noch nicht einmal eine Trophäe gibt.

„Es war ein langer Prozess, und ich verhehle nicht, dass der DFB und auch ich persönlich ganz offen Bedenken geäußert haben“, sagte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach (63), auch Vorsitzender des UEFA-Komitees für Nationalmannschaftswettbewerbe, dem Sport-Informations-Dienst (SID): „Die Skepsis ist sicherlich auch noch nicht total verschwunden. Aber wir müssen akzeptieren und respektieren, dass die Mehrheit der Verbände ganz einfach etwas ändern möchte.“

Auch Bundestrainer Joachim Löw äußerte sich eher verhalten: „Wir wollen am liebsten immer gegen die großen Nationen im Weltfußball spielen. Wenn dies innerhalb der Nations League für uns gewährleistet wird, können wir aus rein sportlicher Sicht damit leben“, sagte Löw bei dfb.de. Manager Oliver Bierhoff ergänzte: „Ich bin ein Freund davon, Neuerungen offen entgegenzutreten. Aber wir alle stehen in der Verantwortung, die Schraube nicht zu überdrehen.“

Den grundlegenden Plan für die Liga verabschiedete die UEFA am Donnerstag in Astana: Nach der WM in Russland treten die 54 UEFA-Mitgliedsverbände zwischen September und November 2018 eingeteilt nach dem Länder-Koeffizienten in vier Divisionen mit je vier Untergruppen gegeneinander an, ein Final-Four-Turnier der vier Gruppensieger der höchsten Division ermittelt den „Nations League Champion“. Zudem geht es um Auf- und Abstieg für die nächste Liga 2021. Die eigentlichen Gewinner sind aber die eher schwachen Teams, für die mit dem neuen Format eine Hintertür zur ersten paneuropäischen EURO 2020 geöffnet wird.

Je einer pro Division darf trotz verpasster Qualifikation 2019 doch noch zur EM fahren, ausgespielt werden die Sieger in einem Play-off-System innerhalb der Divisionen. So weit, so kompliziert - in den kommenden Monaten will die UEFA mit Präsident Michel Platini (58) weiter an dem Format feilen und wahrscheinlich auch die Form, Farbe und Größe der Trophäe festlegen.

„Für mich bleiben die Finalturniere der WM und EM immer das absolute Highlight. Da kann und darf auch nicht dran gerüttelt werden“, sagte Niersbach: „Aber in den ungeraden Jahren den Gewinner der Nations League nach einem Final-Four-Turnier zu haben - das kann etwas werden, auch wenn es dafür keine Garantie gibt.“

Für die DFB-Elf dürfte der neue Modus - wie ohnehin schon praktiziert - ein Abo auf Fußball-Klassiker bedeuten. In Gruppe A (zwölf Teams) werden sich die Altbekannten um Deutschland, Italien, Spanien und England wiederfinden, die anderen Divisionen gleichen den zweiten, dritten und vierten Ligen der Verbände.

„In unserem speziellen Fall war das ohnehin unsere Politik. Wir fangen die neue Saison gegen Argentinien an und sprechen auch gerade mit den Spaniern“, sagte Niersbach: „Die großen Nationen haben sich direkt nach der Quali-Auslosung in Nizza zusammengesetzt. ` Der DFB habe zudem `immer noch ein bisschen Freiraum für attraktive Freundschaftsspiele“ gegen nicht-europäische Nationen.

Die kleinen Verbände hätten eben genau damit „große Probleme“, sagte Platini. Auch wenn Aserbaidschan, Kasachstan, wo der 38. UEFA-Kongress stattfand, und Co. auch in Gruppe C und D keine großen, attraktiven Gegner finden werden, so verspricht das zentral vermarktete Format mit Wettkampfcharakter wirtschaftliche Stabilität. „Der Wunsch kam auch deshalb auf, weil die UEFA über die Jahre unheimlich viel für die Klubs entwickelt hat - besonders die Champions League ist eine Erfolgsgeschichte sondergleichen - und dann gefragt wurde: Was macht ihr für die Nationalmannschaften? `, sagte Niersbach.

Platini meinte in Richtung der Verbände, die Nations League sei `ein Wettbewerb, der Ihren Wünschen und Erwartungen gerecht werden wird, denn wir haben Ihre Anregungen und Klagen aus den diversen Zusammenkünften der vergangenen Monate aufgegriffen“. Das Votum für den Wettbewerb erfolgte ohne Gegenstimme.

SID

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