Rassismus, Bengalos, Schlägereien

UEFA greift durch - vor allem Kroatien muss zittern

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Kroatische Fans sind in das Visier der UEFA geraten.

Warschau - Die UEFA greift durch: Seit EM-Beginn hagelt es Strafen gegen die Verbände, weil sich die Fans in den Stadien danebenbenehmen. Am härtesten traf es bislang Russland, nun zittert vor allem Kroatien vor Sanktionen.

Hooligan-Terror, rassistische Fans und Feuerwerk auf den Rängen: Die dunklen Seiten der Fußball-EM halten die UEFA in Atem. Während der Verband die Prügeleien abseits der Stadien nur hilflos verurteilen kann, klagt er sich wegen zahlreicher Fan-Verfehlungen innerhalb der Arenen munter durch das Teilnehmerfeld. Zehn Verfahren gegen Nationalverbände strengte die UEFA bereits an, und seit Samstag läuft das erste, das einen konkreten Rassismusvorwurf beinhaltet.

Er trifft die kroatischen Fans, die im zweiten Gruppenspiel am Donnerstag in Posen gegen Italien den dunkelhäutigen Angreifer Mario Balotelli beleidigt haben sollen. Die UEFA prangerte in einer Pressemitteilung „ungebührliches Verhalten (rassistische Gesänge/rassistische Symbole)“ an. Die Disziplinarkommission wird sich mit dem Fall am kommenden Dienstag befassen.

Nicht ohne Grund distanzierte sich der kroatische Verband schnell und deutlich von seinen Problemfans, die bei der noch jungen EM bereits Wiederholungstäter sind und generell keinen guten Ruf genießen. Der Abzug von sechs Punkten auf Bewährung für die Qualifikation der EM 2016 gegen Russland wegen schweren Fan-Fehlverhaltens (Pyrotechnik, verbotene Fahnen, Angriffe gegen Stadion-Ordner) hat Eindruck hinterlassen. Die Kroaten appellierten vorsorglich an die UEFA, auf eine Strafe, die die Nationalmannschaft betrifft, zu verzichten.

Die Anti-Rassismus-Organisation FARE fordert ein deutliches Zeichen der UEFA. Man brauche Verantwortliche aus dem Fußball, die sagen, wenn eine Grenze überschritten sei, sagte FARE-Geschäftsführer Piara Powar in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters, „aber ich denke, nichts geht über die Botschaft, die eine Sanktion aussenden würde“.

Die UEFA ist wild entschlossen, Problemfans über die harte Bestrafung der Verbände zur Räson zu bringen. Am Sonntag wurde ein Disziplinarverfahren gegen den englischen Verband FA angestrengt: Anhänger der Three Lions hatten nach dem Abpfiff des Spiels gegen Schweden versucht, den Platz zu stürmen.

Auch das deutsche Lager ist betroffen. Gegen den DFB läuft derzeit bereits ein zweites Verfahren, weil am Mittwoch im zweiten EM-Gruppenspiel gegen die Niederlande in Charkow im deutschen Fanblock Feuerwerkskörper gezündet wurden.

Nun bittet der DFB den Übeltäter, der identifiziert werden konnte, zur Kasse. „Wir werden ihm eine mögliche Geldstrafe für den DFB konsequent in Rechnung stellen. Das kann richtig teuer werden“, sagte Mediendirektor Ralf Köttker. In der Tat. Bereits das Werfen von ein paar Papierrollen hatte dem DFB nach dem ersten Spiel gegen Portugal eine Geldbuße von 10.000 Euro eingebracht.

Quasi um die harte Linie noch zu unterstreichen, rief UEFA-Präsident Michel Platini die Fans in Polen vor den letzten Gruppenspieltagen zu einem „würdevollen und respektvollen Umgang“ auf.

Mit Spannung wird nun die Strafe gegen die Kroaten erwartet, weil sich die UEFA erstmals dazu durchgerungen hat, auch Rassismus konkret anzuklagen. Der bislang einzige durch die UEFA offiziell bestätigte Rassismus-Fall der EURO hatte sich während eines öffentlichen Trainings der Niederländer kurz vor Beginn der Endrunde in Krakau ereignet.

Die dunkelhäutigen Spieler der Oranje-Auswahl mussten Affenlaute ertragen. Der UEFA waren die Hände gebunden, weil das Training in Krakau und damit außerhalb ihres Hoheitsgebietes stattfand. Ihr blieb nichts anderes übrig, als verschärfte Sicherheitsvorkehrungen und harten Strafen gegen die Täter zu fordern.

SID

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