Türkischer Klub will nach Deutschland

Übernimmt Galatasaray deutschen Drittligisten?

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Galatasaray Istanbul hat am Dienstag gegen den FC Schalke 04 gespielt

Wiesbaden - Galatasaray Istanbul will sich mit einem Nachwuchszentrum auf deutschem Boden niederlassen. Die Türken haben sich Wiesbaden ausgeguckt. Dort gibt es Bedenken.

Zumindest kulinarisch hat Drittligist SV Wehen Wiesbaden eigentlich genug zu bieten. Chiliwurst mit heißem Zitronentee, die klassische Stadionwurst mit kaltem Bier - doch schon bald könnten in der Arena auch Döner und Apfeltee gereicht werden. Der türkische Meister Galatasaray Istanbul plant neben dem Bau einer Nachwuchs-Akademie in Wiesbaden offenbar auch die zumindest anteilige „feindliche“ Übernahme des SVWW.

An der Berliner Straße in Wiesbaden ist man allerdings nur unzureichend darüber informiert. Alles, was man wisse, habe man selbst auch nur aus der Zeitung erfahren, hieß es vom Verein. Es gab allerdings einen Austausch rund um das Spiel in der Champions League von Galatasaray am Dienstag bei Schalke 04.

Wiesbadens Vizepräsident Florian Rentsch und Ebru Köksal, Beraterin von Galatasaray-Präsident Ünal Aysal, setzten sich zusammen. „Der SVWW hat das Gespräch gesucht, um zunächst selbst in Erfahrung zu bringen, was es mit den Gerüchten um eine Zusammenarbeit auf sich hat“, teilte der Verein in einer Stellungnahme mit.

Sicherheitskonzept: Die beschlossenen Anträge

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Beide Seiten hätten sich „über die grundsätzlichen Möglichkeiten und Vorstellungen einer Kooperation im sportlichen Bereich ausgetauscht“. Rentsch spricht von Talentscouting für die Türken und wechselseitigem Austausch von Spielern. „Wobei das nur zwei der Optionen sind. Wir treffen uns nach den Osterferien in großer Runde, wo wir die möglichen Pläne konkretisieren wollen“, sagte er dem "Wiesbadener Kurier".

Die Zeitung hatte bereits in der vergangenen Woche von den Plänen der Türken berichtet. In einer knappen Presseerklärung stellte SVWW-Präsident Markus Hankammer kurz darauf klar, dass der Verkauf von Gesellschafter-Anteilen an der Fußball-GmbH „nicht zur Debatte“ stehe. „Wir sind finanziell gut aufgestellt. Die Angst vor einer Übernahme ist total unbegründet. Niemand muss befürchten, dass über der Brita-Arena bald der türkische Halbmond flattert“, erklärte Klubsprecher Daniel Mucha nun nochmals. Um den Anhängern diese Ängste zu nehmen, wird es am 22. März ein Treffen zwischen Verein und Fans geben.

Die Istanbuler wollen sich laut der türkischen Zeitung „Hürriyet“ mit einer Nachwuchsakademie in Deutschland niederlassen. Das zwölf Millionen Euro teure Konzept sehe vor, eine Fläche von 20 Hektar für 99 Jahre zu mieten. Galatasaray will am liebsten dahin, wo viele türkischstämmige Bürger leben. Dort sollen eine Akademie und ein Internat für 250 Fußballer entstehen. Der Klub möchte damit seine Nachwuchsarbeit und Talentförderung ausbauen. Durch den Erwerb von Anteilen an einem deutschen Drittligisten sollen die Nachwuchsspieler zudem Erfahrung im Profibereich sammeln.

Allerdings dürfen laut der Spielordnung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in der 3. Liga nicht mehr als drei Nicht-EU-Ausländer auf dem Spielbericht stehen. Wer die vergangenen fünf Jahre, davon mindestens drei Jahre als Juniorenspieler, ununterbrochen für deutsche Vereine spielberechtigt war, ist davon allerdings nicht betroffen.

Anfang des Jahres war eine Delegation Galatasarays um Präsident Aysal in Deutschland zu Gast, um Gespräche über Kooperationen zu führen. In Wiesbaden wurde daraufhin ein Arbeitskreis gegründet, dem unter anderem der jüngst abgewählte Oberbürgermeister Helmut Müller angehört. Den Drittligisten lässt das (noch) recht kalt. Es lägen keine Pläne in der Schublade, falls Chelsea, Arsenal oder Galatasaray vorbei kommen würden. Die Istanbuler sollten ein Stück Land kaufen, einen Zaun ziehen und loslegen, heißt es vonseiten des Vereins.

sid

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