Kaum Interesse für Real-Barça

Clásico diesmal ziemlich überflüssig?

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Real-Coach José Mourinho

Madrid - Vier Tage nach dem 3:1-Pokalsieg von Real Madrid beim FC Barcelona treffen die Erzrivalen in der Liga erneut aufeinander. Diesmal wird der Clásico nicht als Leckerbissen, sondern eher als ein Störfaktor empfunden.

Es steht kaum etwas auf dem Spiel, und auch der Zeitpunkt ist unpassend: Der Clásico der Erzrivalen Real Madrid und FC Barcelona, der sonst die Herzen der Fußballfans in Spanien höher schlagen lässt, mutet diesmal beinahe überflüssig und störend an. Selten war das Interesse an einem Schlagerspiel Real gegen Barça so gering wie bei der Partie an diesem Samstag im Bernabéu-Stadion.

Dies gilt besonders für Real Madrid. Das Team mit den deutschen Nationalspielern Mesut Özil und Sami Khedira hat bei einem Rückstand von 16 Punkten auf Tabellenführer Barça die Titelambitionen in der Primera División praktisch aufgegeben. Alle Gedanken sind auf das Achtelfinal-Rückspiel der Champions League am kommenden Dienstag bei Manchester United gerichtet (Hinspiel: 1:1).

Es gilt als wahrscheinlich, dass mehrere Cracks wie Xabi Alonso oder Özil für das Schlüsselspiel in Old Trafford geschont werden. Das Sportblatt „As“ glaubt zu wissen, dass auch Superstar Cristiano Ronaldo im Clásico auf der Ersatzbank sitzen wird, weil Trainer José Mourinho keine Verletzung des Torjägers riskieren möchte.

Bei den „Königlichen“ scheint nach dem 3:1-Pokalsieg am vorigen Dienstag beim FC Barcelona die Gefahr vorerst gebannt, dass die Saison zu einem Totalreinfall werden könnte. Vor dem Spiel im Camp-Nou-Stadion war bereits über die Möglichkeit eines Trainerwechsels im Falle eines Ausscheidens im Pokal und über mögliche Mourinho-Nachfolger spekuliert worden. Davon ist nach der Fußball-Gala in Barcelona keine Rede mehr. Der Portugiese ist nun wieder „The Special One“, wie er sich gerne bezeichnen lässt.

Auch der FC Barcelona wird seine Elf umstellen, allerdings aus anderen Gründen. Die Katalanen suchen im Clásico einen moralischen Schub für ihr Team, das in einen allzu schematischen und berechenbaren Fußball verfallen ist. Vor allem Lionel Messi dürfte dringend eine Aufmunterung nötig haben: Der Argentinier traf zwar in 15 Punktspielen hintereinander ins Schwarze, ging aber in entscheidenden Partien wie im Pokal-Halbfinale gegen Real oder in der Champions League beim AC Mailand weitgehend unter.

Barça-Präsident Sandro Rosell flog nach New York, um Trainer Tito Vilanova zu treffen, der sich in den USA einer Krebsbehandlung unterzieht. Dies löste Spekulationen aus, der Clubchef könnte den Coach zu einer vorzeitigen Rückkehr bewegen wollen. Rosell wies die Gerüchte strikt zurück: „Für uns hat die Gesundheit absolut Vorrang.“

Für Spaniens Fußballfans steht vor dem Clásico eine andere Frage im Mittelpunkt: Wo soll das Pokalfinale Real gegen Atlético Madrid stattfinden? Real ließ durchklingen, dass die „Königlichen“ am liebsten in einem neutralen Stadion antreten würden. Atlético betonte demgegenüber, in Zeiten der Krise könne man den Madrider Fans nicht zumuten, Hunderte Kilometer nach Barcelona oder in eine andere Stadt zu reisen.

„Es gibt ein altes Übereinkommen beider Clubs, dass Endspiele zwischen den Lokalrivalen abwechselnd im Stadion des einen und anderen Vereins ausgetragen“ werden“, erinnerte Atlético-Präsident Enrique Cerezo. Nun sei Atléticos Calderón-Stadion an der Reihe, weil das letzte Endspiel zwischen den Madrider Clubs 1992 im Bernabéu-Stadion stattgefunden habe. Allerdings würde sich Atlético auch damit abfinden, im Stadion des großen Nachbarn anzutreten. Dort hatten die Rot-Weißen ihre bisherigen drei Pokalendspiele gegen Real alle gewonnen.

dpa

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