Tuchel kritisiert Babbels "Klub-Hopping"

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Thomas Tuchel.

Mainz - Trainer Thomas Tuchel vom FSV Mainz 05 hat seinen Kollegen Markus Babbel vor dem Duell bei 1899 Hoffenheim zumindest indirekt angegriffen. Dass ein Coach in einer Saison unterschiedliche Klubs trainiert, sieht Tuchel kritisch.

Wenn Markus Babbel seine Vereine weiter im Tempo der vergangenen Jahre wechselt, wird es mit dem Platz für Tätowierungen demnächst eng werden. Babbels Kollege Thomas Tuchel vom FSV Mainz 05 würde sich bei einem ähnlichen „Klub-Hopping“ jedenfalls nicht wohl in seiner Haut fühlen und hat den neuen Coach von 1899 Hoffenheim vor dessen Bundesliga-Heimdebüt am Freitag gegen den FSV (20.30 Uhr/Sky und Liga total!) indirekt angegriffen. „Man trifft mittlerweile mehrmals in einer Saison den gleichen Trainer - nur bei unterschiedlichen Vereinen. Das ist keine gute Entwicklung“, sagte Tuchel.

Gute Freunde dürften Tuchel und Babbel, der sich die Wappen seiner Klubs in der Vergangenheit immer in die Haut stechen ließ, nach dieser Spitze nicht mehr werden. Und obwohl Tuchel vielleicht nur sauer war, weil sein Weg nach Sinsheim zum Pokalspiel gegen die SpVgg Greuther Fürth (0:1) aufgrund der Entlassung von Holger Stanislawski umsonst war („Alles, was bis letzte Woche war, ist durch den Trainerwechsel hinfällig“), hat das Engagement Babbels im Kraichgau tatsächlich einen faden Beigeschmack.

Rund um das edle und hochmoderne TSG-Trainingsgelände in Zuzenhauen, das den Europameister und UEFA-Cup-Sieger von 1996 an einen seiner Ex-Klubs erinnert („Die Bedingungen bei 1899 Hoffenheim sind von der Infrastruktur her mit denen bei Bayern München vergleichbar“), liegt seit der Verpflichtung des 51-maligen Nationalspielers ein Hauch von Söldnertum in der Luft. Und das liegt nicht nur daran, dass Babbel bereits drei Tage vor dem Rauswurf seines Vorgängers mit den Hoffenheimern Kontakt aufgenommen hatte.

Schließlich hat Babbel, der bei Hertha BSC Berlin nach der Schlammschlacht mit Manager Michael Preetz im Anschluss an das 1:1 im letzten Hinrundenspiel in Hoffenheim entlassen worden war, seinen neuen Arbeitgeber vor wenigen Wochen noch heftig attackiert. „Hoffenheim ist in dieser Hinsicht besonders aggressiv. Es geht nicht, dass 14- oder 15-jährige Kinder aus ihrem Umfeld gerissen werden und weit weg ziehen“, sagte der frühere Innenverteidiger damals mit Blick auf die Verpflichtung eines 13-Jährigen aus Berlin.

Seit einer Woche singt Babbel, der im Dezember 2009 beim VfB Stuttgart gefeuert worden war, nun das Loblied auf den heftig kritisierten Hoffenheimer Mäzen Dietmar Hopp. Dass Hopp Stanislawski bereits vor dessen Entlassung öffentlich demontiert hatte, sieht der ehemalige Profi des FC Liverpool, der dort aufgrund einer lebensgefährlichen Nervenkrankheit zwischenzeitlich im Rollstuhl saß, alles andere als kritisch.

„Es ist doch vollkommen legitim, dass Dietmar Hopp sich einmischt. Es ist für mich nur wichtig, dass ich weiß, was Herr Hopp sehen will. Er muss sich nicht zurücknehmen, er soll wissen, was läuft“, sagte Babbel, der den Milliardär ganz im Stil eines unterwürfigen Angestellten bereits als „Mister Hoffenheim“ verehrt.

Ganz anders sehen das mittlerweile die immer spärlicher werdenden Fans. Sie wollen vor dem Spiel gegen Mainz unter dem markigen Motto „Eine Region fühlt sich verarscht“ vor der VIP-Tribüne gegen die Vereinspolitik demonstrieren. Die Anhänger werfen der Klubführung vor, dass diese nur Ja-Sager dulde und für die Distanz zu den Fans verantwortlich sei. Babbel sieht den Fan-Protest kritisch: „Ich verurteile die Aktionen nicht, aber hilfreich für die Spieler sind sie nicht.“

sid

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