Tschechen spielen für einen toten Freund

Breslau - Die tschechischen Fußballer spielen bei der EM auch für ihren toten Freund Lukas Pribyl. Der Vize-Präsident von Sparta Prag starb im Februar mit nur 33 Jahren plötzlich in seinem Büro.

Auf dem weißen T-Shirt ist das Foto eines jungen Mannes zu sehen. Darunter steht: „Lukas, niemals vergessen!“ Der tschechische Nationalspieler Michal Kadlec gedachte damit seines toten Freundes Lukas Pribyl. Der Vize-Präsident von Sparta Prag war im Februar im Alter von nur 33 Jahren tot in seinem Büro aufgefunden worden. Auch für ihn will die „Narodny Tym“ am Samstag (20.45 Uhr/ZDF) gegen Polen siegen und in das Viertelfinale der EM einziehen.

„Es gibt viele Dinge, die schlimmer sind, als ein Fußballspiel zu verlieren“, sagte Kadlec, „dessen muss sich jeder immer bewusst sein.“ Der Profi des Bundesligisten Bayer Leverkusen weiß, wovon er spricht. Als Pribyl, ein früherer Sportjournalist und enger Vertrauter vieler Nationalspieler, im Februar anscheinend an einem Herzfehler starb, riss es Kadlec aus allen Wolken. „Es war so traurig. Aber wir werden ihn nie vergessen und seine Familie weiter unterstützen“, sagte Kadlec.

Deswegen seien die Tschechen nach dem Sieg gegen Griechenland (2: 1) mit den T-Shirts in die Fankurve gegangen. Für den toten Freund zu spielen, soll eine weitere Motivation sein, nach der herben Auftaktpleite gegen Russland (1:4) doch noch die nächste Runde zu erreichen.

„Für uns ist es ein Finale“, sagt Kadlec vor der Begegnung mit dem Co-Gastgeber in Breslau. Die Polen müssten unbedingt gewinnen, „uns reicht eventuell auch ein Unentschieden bei einer gewissen Konstellation. Von ihnen muss was kommen, sie sind die Heimmannschaft. Diese Rolle wird uns entgegenkommen.“ Tschechien sei nicht gezwungen, selbst das Spiel zu machen. „Eine gute Situation“, sagt Kadlec.

Weniger gut sieht es dagegen personell aus. Die Stars Petr Cech (Schulterprobleme) und Tomas Rosicky (Achillessehnenschmerzen) sind angeschlagen und sollen noch bis einschließlich Freitag mit dem Training aussetzen. Ein Einsatz könnte trotzdem möglich sein, wenn auch vielleicht ganz ohne Training. „Wenn sie nicht spielen könnten, wären das herbe Ausfälle für uns. Wir hoffen das Beste“, sagte Kadlec.

Die ganze Nation sorgt sich um ihre Stars. „Bitte heilt den Kapitän!“, schrieb die Tageszeitung Blesk. Und wenn man „einen Schamanen“ einfliegen lassen müsse. Auch die Tageszeitung DNES nannte die Situation sehr besorgniserregend. „Wir beten für sie, denn beide machen auf dem Platz den Unterschied“, sagte Abwehrspieler Tomas Sivok.

Weder Champions-League-Sieger Cech vom FC Chelsea im Tor - für ihn würde wohl Jaroslav Drobny vom Hamburger SV spielen - noch der geniale Mittelfeldstratege Rosicky vom FC Arsenal könnten von Trainer Michal Bilek annähernd adäquat ersetzt werden. Das zeigte schon die zweite Hälfte gegen Griechenland, in der Rosicky verletzungsbedingt fehlte.

Die Mannschaft stünde momentan genauso unter Druck wie vor dem Spiel gegen Griechenland, betonte Kadlec derweil. Das „Spiel ihres Lebens“, wie es die Polen schon genannt haben, sei es für die Nachbarn jedoch nicht. „Natürlich wird es ein heißer Kampf, aber das haben wir in anderen Spielen auch schon erlebt“, sagte der 27-Jährige: „Wir machen unser Ding, dann geht es positiv für uns aus.“

sid

Rubriklistenbild: © dpa

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