Fabregas ist "voller Gefühle"

Trotz Spanien-Sieg: Del Bosque grantig

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Vicente del Bosque (l.) gestikuliert während der Halbzeit der Verlängerung

Donezk - Spanien ist nur noch einen Schritt vom historischen Titel-Triple entfernt. In der Kabine, im ganzen Land war Feierstimmung angesagt. Nur Trainer Vicente del Bosque murrte.

Cesc Fabregas und die spanischen Glücksritter twitterten Jubel-Fotos aus der Kabine, die Zeitungen huldigten bereits den „Helden und Legenden“ der Furia Roja. Nach dem Finaleinzug träumt das ganze Land von einem einmaligen Titel - Europawelteuropameister. Es wäre die Bestätigung der spanischen Herrschaft über den Weltfußball, wenn auch ohne majestätischen Glanz.

„Ich bin voller Gefühle, so glücklich, dreimal in so kurzer Zeit ins Finale einzuziehen. Das war ein historischer Moment“, sagte Fabregas und ließ seinen Tränen freien Lauf. Kurz zuvor hatte er den entscheidenden Schuss zum 4:2 im Elfmeterschießen des EM-Viertelfinales gegen Portugal verwandelt. Nun ist es nur noch ein Schritt bis zum Triple: EM, WM und EM in direkter Folge hat noch keine Nation gewonnen. Am 1. Juli in Kiew könnte es so weit sein.

Zwar hat es drei Final-Einzüge in Folge schon gegeben, durch Deutschland 1972, 1974 und 1976, doch Sergio Ramos behauptete euphorisch, die „ganze Welt“ werde sich daran erinnern, wie Spanien „gewonnen und Geschichte geschrieben“ habe. Mit Blick auf seinen Elfmeter-Löffler a la Panenka oder Pirlo ergänzte er schmunzelnd: „Und es ist schön, dass meine Kinder in ein paar Jahren auch noch etwas über mich zu erzählen haben.“

Keeper Iker Casillas, nach seiner Elfmeter-Parade gegen Joao Moutinho von Ramos als „bester Torhüter der Welt“ geadelt, dachte vor dem Endspiel gegen Deutschland oder Italien in größeren Dimensionen. „In diesen schweren Krisenzeiten ist der Fußball eine Oase, der alle Probleme ein wenig vergessen lässt“, sagte der 31-Jährige.

Nur Trainer Vicente del Bosque sah aus, als sei sein Team nach einer zermürbenden Saison soeben abgestiegen. Der 61-Jährige grummelte und grantelte. Er wusste: Entscheidend für das 19. Pflichtspiel in Folge ohne Niederlage war nicht „Tiki-Taka“, das berühmte spanische Passspiel, sondern einfach nur „mucha suerte“, eine Menge Glück. Auf warme Worte hatte er deshalb keine Lust. Als ihn ein UEFA-Mitarbeiter verabschieden und ihm viel Glück für das Finale wünschen wollte, stand del Bosque beim ersten Wort auf und verließ ohne einen Blick zurück die Pressekonferenz.

Der erfahrene Coach schien im kollektiven Freudentaumel der einzige zu sein, der auch die Realität im Blick hatte. Portugal war zumindest über 90 Minuten mindestens ebenbürtig gewesen. Portugal hatte nach dem Fehlschuss von Xabi Alonso im Elfmeterschießen schon den Sieg vor Augen, doch dann schienen der Pfosten, die Latte, ja selbst der Ball Spanien-Fans zu sein.

lbst der Ball Spanien-Fans zu sein. „Ich habe dem Ball gesagt, dass wir Geschichte schreiben müssen. Und er hat mich nicht im Stich gelassen“, sagte Fabregas, der unbedingt den letzten Elfmeter schießen wollte - weil das schon 2008 im EM-Viertelfinale gegen Italien Glück gebracht hatte. Doch nachdem der Portugiese Bruno Alves den Ball an die Latte geschossen hatte, traf der 25-Jährige nur den Innenpfosten, ähnlich wie Bastian Schweinsteiger bei seinem folgenschweren Fehlschuss im Champions-League-Finale gegen den FC Chelsea. Diesmal aber sprang der Ball ins Tor, der Welt- und Europameister steht wieder im Endspiel.

Doch der Finalgegner am Sonntag darf sich gegen die einst unschlagbar scheinenden Spanier ungewohnt große Chancen ausrechnen. Portugal zeigte wie zuvor in diesem Turnier auch Italien und mit Abstrichen Kroatien, dass man den Spaniern mit engagiertem Pressing den Zahn ziehen kann. Zudem wirkt die Furia Roja zwar noch hungrig auf Titel, aber auch müde und ausgelaugt.

Del Bosque schwante schon Böses, bevor der Gegner feststand („Das ist mir völlig egal“). „Wir wollen mehr angreifen“, sagte er angespannt: „Wir haben unsere Defensive verbessert. Das freut uns. Aber das reicht nicht, um den Titel zu holen.“

Fans und Medien schien das gleich zu sein. In Madrid knallten nach dem erlösenden Siegschuss Sektkorken und Feuerwerkskörper, „Viva Espana“ klang bis in die frühen Morgenstunden durch die Hauptstadt. Und auch die Zeitungen huldigten ihrem Team, das vor der ersten erfolgreichen Titelverteidigung der EM-Geschichte steht. „Auf dem Weg zur Legende“, titelte Marca: „La Roja ist nur noch einen Meter vom Ruhm entfernt.“ AS schrieb: „Vielen Dank für diesen tollen Herzinfarkt. Es hätte nicht dramatischer, aber auch nicht schöner sein können.“ El Pais schließlich kommentierte: „Spanien bleibt im Paradies.“

Damit dies so bleibt und auch del Bosque zufrieden ist, muss sich bis Sonntag aber einiges ändern.

sid

Wegen ihr freuen wir uns über Spaniens Finaleinzug: Sexy Sara Carbonero bei der EM

Wegen ihr freuen wir uns über Spaniens Titel: Sexy Sara Carbonero bei der EM

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