Trotz Handbruch von Gomes

Wiese auch bei Gisdol ohne Chance

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Tim Wiese wird trotz des Handbruchs von Gomes keine neue Chance in Hoffenheim bekommen.

Sinsheim - Die TSG 1899 Hoffenheim feiert das 3:0 gegen Düsseldorf. Die drohende nächste Debatte um Ex-Nationaltorwart Wiese beendet der neue Trainer, bevor sie überhaupt aufkommen kann.

Erstmals seit langem wieder marschierte Mäzen Dietmar Hopp mit seiner Entourage in die Kabine von 1899 Hoffenheim. Am Ende einer turbulenten Woche mit der Entlassung von Trainer Marco Kurz und Manager Andreas Müller feierte der Tabellenvorletzte im Freitagabend-Spiel der Fußball-Bundesliga ein 3:0 (1:0) gegen Fortuna Düsseldorf - da wollte der 72 Jahre alte Milliardär seinen Profis schon persönlich gratulieren. Mit großem Wohlwollen sah Hopp, wie der neue Chefcoach Markus Gisdol innerhalb von nur drei Tagen die Mannschaft zum Leben erweckte.

Und die drohende Debatte um Tim Wiese beendete Gisdol am Tag nach seinem perfekten Einstand mit unmissverständlichen Worten. „Nummer 1 ist Koen Casteels. Nummer 2 Jens Grahl“, sagte Gisdol am Samstag dem TV-Sender Sky und begründete die Entscheidung, dass Ex-Nationalspieler Wiese weiter nur die Nummer 3 bleibt: „Koen ist ein junger Mann mit der größeren Perspektive.“ Wiese trainierte am Samstagmorgen ganz normal und engagiert mit der Mannschaft. Er habe die Entscheidung „sehr professionell“ aufgenommen, berichtete Gisdol.

Tags zuvor hatte Wiese auf der Tribüne miterlebt, wie Stammkeeper Heurelho Gomes in der 54. Minute für Koen Casteels ausgewechselt werden musste. Der Brasilianer hat sich die Mittelhand gebrochen und fällt acht bis zehn Wochen aus. Der 20 Jahre alte Casteels - vom Stadionsprecher mit einem „Kuhhhhhhhhhhhhn“ gefeiert - hielt tadellos, laut Gisdool sogar „bombensicher“. Damit machte der TSG-Trainer gleich klar, dass er dem Belgier den Rücken stärkt. „Fantastisch“ und „phänomenal“ habe Casteels gespielt.

„Im Zickzack geht's hinab“ hatten die Heimfans noch vor der Partie auf einem Plakat gespottet - jetzt schöpft die TSG wieder Hoffnung im Abstiegskampf und ließ sich nach dem Abpfiff feiern. Roberto Firmino (11. Minute), Düsseldorfs Kapitän Andreas Lambertz per Eigentor (75.) und Kevin Volland (90.+4) trafen vor 28 000 Zuschauern in der Rhein-Neckar-Arena. Nach dem vorentscheidenden 2:0 machte Gisdol wilde Freudensprünge auf dem Feld und ballte die Hände zur Faust.

Die Hoffenheimer boten zwar keine Glanzvorstellung, gingen diesmal aber aggressiv zu Werke und hatten endlich in der Offensive etwas zu bieten - auch dank Rückkehrer Sejad Salihovic und des unter Kurz verschmähten Sven Schipplock. „In erster Linie wollen wir unseren Fußball entwickeln“, betonte Gisdol nach seinem perfekten Einstand. „Ich kann nur sagen, dass wir versucht haben, in kleinen Schritten vorwärts zu kommen, den Druck von der Mannschaft zu nehmen, nicht ständig von Ergebnissen zu reden, ständig von Abstiegskampf zu reden.“ Das werde er auch in Zukunft nicht machen: „Sie können mich nach dem letzen Spiel noch mal fragen, wo wir gelandet sind.“

Unvergessene Torwart-Legenden

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Wieder bescheiden aufzutreten, das forderte der neue Cheftrainer zudem. „Auch wieder sympathischer zu werden, das ist ganz, ganz wichtig für uns.“ Tobias Weis fühlte sich sogar an die Spielweise unter Ralf Rangnick erinnert. Schließlich war Gisdol bei Rangnick Assistent bei Schalke 04 und vertritt eine ähnliche Spielphilosophie. „Es tut uns gut, noch mal neuen Wind reinzukriegen“, sagte der Mittelfeldspieler und lobte das Pressing unter Gisdol. Die Turbulenzen der vergangenen Tage kommentierte Weis mit einem Lächeln: „Das sind wir ja schon ein bisschen gewohnt in letzter Zeit.“

Während die Hoffenheimer wieder Morgenluft wittern, rutscht die Fortuna immer tiefer in den Schlamassel und wartet nun bereits seit sechs Partien auf einen Erfolg. „Das ist eine schwierige Situation für uns“, meinte Mittelfeldspieler Robert Tesche. „Wir müssen nächste Woche gegen Bremen gewinnen, alle andere ist egal.“

dpa

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