Trochowski und der FC Sevilla mit Problemen

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Piotr Trochowski steckt mit dem FC Sevilla im Abstiegskampf.

Sevilla - Noch vor wenigen Jahren galt der zweimalige FC Sevilla als Spitzenklub, doch der Verein des Ex-Nationalspielers Piotr Trochowski kämpft in Spanien um den Abstieg. Und das ist nicht die einzige schlechte Nachricht.

35 Rampen sind es bis zur Turmspitze der Giralda, und weil der Aufstieg ein mühsames Unterfangen ist, erklomm der Muezzin zur Zeit der maurischen Herrschaft in Sevilla zu Pferd das damalige Minarett. Heute blickt man vom Glockenturm der Kathedrale Santa Maria de la Sede auf eine der schönsten Städte der Welt hinab. Das Fußball-Stadion des FC Sevilla ist jedoch nicht zu sehen. Ähnlich ergeht es auch Ex-Nationalspieler Piotr Trochowski mit den Rot-Weißen: Der einstige Spitzenklub verschwindet im Niemandsland der Tabelle. „Wir haben hohe Ansprüche. Mit dem 13. Platz ist niemand zufrieden. Da besteht auf jeden Fall Verbesserungsbedarf“, sagte Trochowski dem Sport-Informations-Dienst (SID): „Fans und Mannschaft sind unzufrieden, weil wir acht Spiele nicht gewonnen und ganz andere Ambitionen haben.“ Erst im Sommer war der 27-Jährige vom Hamburger SV an den Guadalquivir gewechselt. Sportlich gesehen (noch) keine Verbesserung. Neben der Talfahrt in der Liga scheiterte Sevilla auch vorzeitig in der Europa League und im Pokal. Zudem wurde im Dezember 2011 Klubboss Jose Maria del Nido wegen Betrugs und Korruption zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Anfang Februar flog dann Trainer Marcelino, und der neue Coach Michel setzte sein Debüt in San Sebastian mit 0:2 in den Sand. In der Tabelle hat das Gründungsmitglied der Primera Division, das noch vor einiger Zeit von der ersten Meisterschaft seit 1946 träumte, sechs Punkte Rückstand auf Platz vier. Das ist machbar, aber bis zum ersten Abstiegsplatz sind es nur drei Zähler. Man sei zwar in einer „schwierigen Situation“, sagt Trochowski. Aber der Abstieg? Kein Thema. Das Ziel bleibt die Königsklasse. Mit „drei, vier Siegen in Serie“ sei man wieder dabei, „dann haben wir diese Diskussion nicht mehr“, sagt Trochowski: „Jetzt sind wir gefordert. Wir müssen zusehen, dass wir wieder nach vorne kommen.“ Die Frage ist nur: Wie? „Das Problem ist nicht der Kader“, versicherte Michel bei seiner Vorstellung, sehr zur Freude von Del Nido. Aber was dann? Vielleicht der Coach? „Michel ist für die Sevillistas schon jetzt der beste Trainer der Welt“, sagte der Jurist Del Nido - ein Urteil über den Neuen, noch bevor der seine erste Arbeitsprobe abgegeben hatte. An Sportdirektor Monchi, zusammen mit Del Nido seit zehn Jahren in der Verantwortung, kann es auch nicht liegen. Der frühere Torwart sei der „beste Sportdirektor der Klubgeschichte“ (Del Nido). Und der Klubboss selbst? „Einer der besten Präsidenten im spanischen Fußball“ (Sporttageszeitung Marca). Vielleicht liegt's also doch am Kader. In San Sebastian seien die Spieler über das Feld gewandelt, als seien sie „in einer Art sportlichem Fegefeuer“ zurückgelassen worden, schrieb das Fanzine sevillismo.com. In Wahrheit dürften die Gründe für den Niedergang des Klubs, der jahrelang die dritte Kraft hinter den Großmächten FC Barcelona und Real Madrid war, vielfältig sein. Zum einen wilderte die Konkurrenz - vor allem Barcelona - immer wieder beim Ex-Klub von Spielern wie Diego Maradona, Davor Suker oder Toni Polster. Zum anderen versäumte man einen geplanten, allmählichen Umbau des in die Jahre gekommenen Kaders. Und zum Dritten gaben sich die Trainer bei den „Palanganas“ (Waschbecken) die Klinke in die Hand. Seit der Amtszeit von Juande Ramos, der zwischen 2005 und 2007 zweimal den UEFA-Cup sowie je einmal den europäischen Supercup, den spanischen Pokal und den spanischen Supercup holte, kamen fünf Trainer, vier davon in den letzten beiden Jahren. „Heute ist eine Etappe zu Ende gegangen, und eine andere hat angefangen“, kommentierte Del Nido lapidar das bislang letzte Stühlerücken. Sollten Trochowski und Co. die Champions League verpassen, kommt im Sommer halt Sevillas nächster „bester Trainer der Welt“.

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SID

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