Aus der Traum! Japan beendet Sommermärchen

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Kerstin Garefrekes im Zweikampf mit zwei Japanerinnen

Wolfsburg - Japan schafft die große Überraschung und schießt Deutschland aus dem Heim-Turnier. In der Verlängerung gelingt den Asiatinnen das goldene Tor. Die DFB-Mädels sind konsterniert.

Für Deutschlands Fußball-Frauen ist der Traum vom Titel-Hattrick bei der Heim-Weltmeisterschaft geplatzt. Mit dem 0:1 (0:0) nach Verlängerung gegen Japan schied der Titelverteidiger am Samstag vor 26 067 Zuschauern in der ausverkauften Wolfsburger WM-Arena bereits im Viertelfinale aus dem Turnier aus. Karina Maruyama besiegelte mit ihrem Tor in der 108. Minute die erste deutsche WM-Niederlage seit dem 1. Juli 1999 und die erste Schlappe gegen Japan überhaupt.

“Wenn der Weltranglisten-Zweite gegen den Vierten spielt, geht es um Nuancen. Wir haben es einfach nicht geschafft, ein Tor zu machen", sagte Bundestrainerin Silvia Neid. "Dann muss man immer mit einem Konter rechnen, und das ist heute passiert. Das ist sehr schade und sehr traurig bei einer Heim-WM. Kim Kuligs Ausfall war wie ein Schock für uns. Wir hätten heute noch, keine Ahnung wie lange, spielen können, wir hätten wohl kein Tor geschossen.“

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Während für das Team von Neid jetzt Koffer packen angesagt ist, treffen die Asiatinnen am Mittwoch in Frankfurt in der Vorschlussrunde auf den Sieger des Duells zwischen Schweden und Australien.

Die flinken Asiatinnen erwiesen sich als äußerst unbequemer Gegner für die deutsche Mannschaft, die es einfach nicht verstand, aus ihrer spielerischen Überlegenheit Kapital zu schlagen und die Geduld ihrer Fans damit auf eine harte Probe stellte. An mangelnder Unterstützung lag es indes nicht: Die Anhänger feuerten ihr Team bis zum Schluss leidenschaftlich an. Doch auch ihre Vorteile in punkto Körpergröße konnten die WM-Gastgeberinnen gegen die im Schnitt deutlich kleineren Gegnerinnen nicht ausspielen.

Häufig stellten sich die deutschen Angreiferinnen einfach auch nur ungeschickt an. In der Schlussphase der zweiten 45 Minuten zogen die Hausherren ein regelrechtes Powerplay auf, doch ein Tor wollte nicht fallen. Ob Melanie Behringer, Celia Okoyino da Mbabi oder Inka Grings - immer fehlte es im Abschluss an Präzision und Entschlossenheit. Auch die in der Verlängerung für Grings ins Spiel gekommene Alexandra Popp fand den Schlüssel zum Erfolg nicht.

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Für Kim Kulig verlief der Abend in Wolfsburg besonders unglücklich. Die künftige Frankfurterin, die nach ihrer Pause gegen Frankreich in die Startelf zurückgekehrt war, verletzte sich bereits in der 4. Minute bei einem Kopfballduell ohne gegnerische Einwirkung und musste mit einer Verletzung am rechten Knie ausgewechselt werden. Mit Tränen in den Augen nahm die 21-Jährige auf der Bank Platz und wurde von den Teamkolleginnen getröstet.

Für die Angeschlagene kam Bianca Schmidt aufs Feld, die schon am Dienstag gegen “Les Bleues“ mit Übersicht verteidigt hatte. Kuligs Rolle neben Simone Laudehr im defensiven Mittelfeld übernahm Linda Bresonik, die ebenso wie Behringer ihr Comeback im Turnier feierte.

Die wieder ohne Rekordnationalspielerin Birgit Prinz beginnende DFB-Elf knüpfte mit ihrem schwungvollen Auftakt da an, wo sie in Mönchengladbach gegen Frankreich aufgehört hatte. In der 9. Minute rettete Yukari Kinga vor der einschussbereiten Behringer, die von Kerstin Garefrekes glänzend bedient worden war. Wenig später verpasste die zweifache Turnier-Torschützin Garefrekes nach Babett Peters Freistoßflanke die Gelegenheit zum Abschluss (23.).

Nachdem das erhoffte frühe Führungstor ausgeblieben war, machten auch die Japanerinnen in der Offensive erstmals auf sich aufmerksam. Ein leichtsinniger Ballverlust von Saskia Bartusiak eröffnete Yuki Nagasato die große Chance, doch die Stürmerin von Turbine Potsdam setzte ihren Schuss überhastet neben das Tor (30.). Ansonsten hatte die deutsche Abwehr den spielstarken Gegner um die dreifache WM-Torschützin Homare Sawa vor der Pause jedoch sicher im Griff.

Im zweiten Durchgang erhöhte das deutsche Team den Druck und erarbeitete sich weitere Möglichkeiten gegen die nun härter einsteigenden Asiatinnen - doch das erlösende 1:0 wollte nicht fallen. In der 56. Minute klärte Kinga bei Laudehrs Kopfball für ihre schon geschlagene Torhüterin Ayumi Kaihori auf der Linie.

Auch das Zusammenspiel zwischen Peter und Garefrekes, das gegen Frankreich zu einem Kopfballtor geführt hatte, klappte diesmal nicht. Die Freistoßflanken der Potsdamerin fanden in der Mitte keinen Abnehmer. Eine Koproduktion von Behringer und Garefrekes führte ebenso wenig zum Erfolg (77.).

dpa

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