Trapattoni unter Druck: "Seine Zeit läuft ab"

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Giovanni Trapattoni

Dublin - Nach der Qualifikation für die EURO 2012 wurde Giovanni Trapattoni in Irland noch gefeiert. Doch der Wind hat sich gedreht.

Die irischen Fußball-Nationalspieler sind dieser Tage auf Image-Tour. Vier Spieler um Verteidiger John O'Shea von Manchester United besuchten am Dienstag Kinder im Temple Street Hospital in Dublin. Andere, wie Offensiv-Ass Shane Long, standen bei jugendlichen Fans auf der Matte und verschenkten Trikots. Die „Boys in green“ müssen nach der EM-Blamage einiges wiedergutmachen. Doch im Zentrum der Kritik stehen nicht die Spieler, sondern ihr Trainer.

Schon vor dem glücklichen 2:1-Sieg zum Start der WM-Qualifikation in Kasachstan wurden zweifelnde Stimmen laut. „Es reicht nicht mehr, wie Muhammad Ali damals gegen George Foreman passiv zu sein und am Ende auf einen glücklichen Treffer zu hoffen“, monierte der frühere Nationalspieler Paul McGrath. Doch die Iren taten genau das - und holten zumindest die fest eingeplanten drei Punkte. Leiser wurde die Kritik an „Trap“ damit nicht.

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TV-Experte Richard Sadlier, auch er trug früher das grüne Trikot, forderte den Verband FAI noch am selben Abend live im Fernsehsender RTE auf, sich zu überlegen, was es kosten würde, Trapattoni zu entlassen. Vor dem WM-Quali-Spiel am Freitag (20.45 Uhr MESZ/ZDF) in Dublin gegen Deutschland beschrieb Sadliers Kollege Eamon Dunphy die Gefühlslage der Fußball-Nation, als er meinte, er sei „vom Gäubigen zum Skeptiker geworden. Die Kampfmoral ist schlecht, Trapattonis Zeit läuft ab.“ Viel hänge vom Deutschland-Spiel ab.

Auch auf die Presse macht Trapattoni nicht den besten Eindruck. Der 73-Jährige fühle sich „den Elementen ausgeliefert, vielleicht stärker denn je“, schrieb der Independent angesichts des strömenden Regens in Dublin am Montag. Nach der Pressekonferenz des Italieners kommentierte das Blatt: „Einige seiner Aussagen hingen in der Luft, ohne eine sinnvolle Schlussfolgerung.“

Trapattoni, nach der ersten erfolgreichen EM-Qualifikation seit 1988 noch umjubelt und für sein skurriles Englisch („the cat is in the sack“) gefeiert, hat auch innerhalb des Teams Ärger. Verteidiger Kevin Foley schimpfte nach seiner Ausbootung für die EM, er werde „nie wieder“ unter Trapattoni spielen, weil der ihn „betrogen“ habe. Mittelfeldmann Darron Gibson weigerte sich aus demselben Grund, für das Kasachstan-Spiel nominiert zu werden.

In Astana beschwerte sich dann Mittelfeldspieler James McClean via Twitter, es sei ein „Witz“ gewesen, das Trapattoni ihn nicht eingewechselt habe. Dass Trapattoni wiederholt öffentlich dem wie Torwart Shay Given zurückgetretenen Damian Duff hinterhertrauert, kommt in der Mannschaft ebenso schlecht an. „Ich finde es seltsam, dass er das immer wieder aufbringt. Er sollte damit aufhören, das ist irrwitzig“, sagte Abwehrspieler Stephen Kelly.

„Trap“ wehrt sich nach Kräften. McClean musste sich öffentlich entschuldigen, Kelly bestellte er zum Rapport ein. Die Kritik an seinem Spielstil wies er zurück. „Wenn ich Spektakel haben will, gehe ich in die Scala“, sagte der Opernliebhaber, der noch immer in Mailand wohnt. Überhaupt dürften die Fans nicht zu viel von ihren geliebten Boys erwarten. „Wir müssen die Mannschaft verändern, aber langsam. Unseren jungen Spielern mangelt es an Erfahrung“, sagte er.

Ein weiteres Problem für Trapattoni sind derzeit die vielen Ausfälle, fünf wichtige Spieler fehlen verletzt. Mit der Umstellung auf ein 4-3-3 mit einer defensiven Dreier-Reihe vor der Abwehr will er Mesut Özil und Co. stoppen. „Deutschland ist ein starkes Team. Wir kennen ihre Qualität, ihr Offensiv-Potenzial“, sagte er: „Sie sind eines der besten Teams in Europa, vielleicht sogar der Welt.“ Dennoch habe er Hoffnung.

Dass die deutsche „Katze“ am Freitag im irischen „Sack“ landet, glaubt aber wohl selbst Trapattoni nicht.

sid

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