Transfer-Hick-Hack um BVB-Star

Heynckes-Aussage zu Lewa - Watzke erbost

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London - Da hat er wohl mehr verraten als gewollt. Nach dem CL-Sieg in Wembley hat Bayern-Trainer Jupp Heynckes die Verpflichtung von BVB-Star Robert Lewandowski indirekt bestätigt.

Die Szene bei der Pressekonferenz im Wembley-Stadion war kurios. Der scheidende Bayern-Trainer Jupp Heynckes plauderte nach seinem Champions-League-Triumph über den Münchner Kader in der kommenden Saison unter Nachfolger Pep Guardiola. „Mario Götze wird noch dazukommen, Robert Lewandowski wird auch nicht mehr lange auf sich warten lassen. Das sind noch zwei Top-Offensivspieler mehr“, sagte der 68-Jährige, ließ die internationale Journalisten-Schar aufhorchen und den entsetzten Münchner Mediendirektor Markus Hörwick spontan erblassen.

„Das ist nicht sein Thema“, sagte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke am Sonntag vor dem Heimflug nach Dortmund, „Heynckes soll sich auf nächsten Samstag und die Mannschaftsaufstellung gegen den VfB Stuttgart im DFB-Pokalfinale oder Ähnliches konzentrieren.“ Der Borussia-Boss versicherte, dass noch niemand des Champions-League-Siegers wegen des umworbenen Torjägers bei ihm vorgesprochen habe.

„Ich weiß nicht, wie nah Jupp Heynckes am Management des FC Bayern ist. Aber wenn die Bayern Lewandowski wirklich haben wollen, wäre es gut, wenn auch wir davon erfahren", echauffierte sich Watzke am Sonntag.

Eigentlich pfeifen es die Spatzen von den Dächern, dass der Pole bereits Einigkeit mit den Bayern erzielt hat und möglichst schnell wechseln möchte, nur bestätigt hat es noch niemand. Aber so konkret hat es auch noch niemand formuliert, allerdings ließ Heynckes weiterhin offen, ob der polnische Nationalspieler schon im Sommer oder erst nach Ablauf seines Vertrages 2014 gehen wird.

Ohnehin war über polnische Medien kolportiert worden, der Torjäger wolle sich nach dem Finale bezüglich seiner Zukunft äußern. „Ich? Heute? Das habe ich nicht gesagt. Jetzt mache ich erst einmal vier oder fünf Tage Pause, und dann fahre ich zur Nationalmannschaft.“

Man müsse noch in der WM-Qualifikation spielen, ergänzte der 24-Jährige nach der bitteren 1:2 (1:1)-Niederlage gegen seinen vermeintlich künftigen Arbeitgeber. Ob er denn beim Trainingsauftakt des BVB erscheine? „In Dortmund beginne ich ein bisschen später, weil ich noch beim Nationalteam war“, sagte der zweiterfolgreichste Torschütze der angelaufenen Bundesliga-Saison (24 Treffer) und ließ erneut alle Fragen offen.

In Dortmund warten sie angeblich noch immer auf das Angebot oder ein Gespräch mit einem interessierten Klub. Doch bisher hat sich offenbar noch niemand gemeldet. Und eine Klausel, die Götze den sofortigen Wechsel für festgeschriebene 37 Millionen Euro zu den Bayern ermöglichte, besitzt Polens „Fußballer des Jahres“ nicht.

Wer Lewandowski im Endspiel der Königsklasse beobachtete, konnte kaum glauben, dass die Bayern seine künftigen Teamkollegen werden sollen. Mit Haken und Ösen, manchmal auch mit Worten und grenzwertiger Härte bestritt Lewandowski die Zweikämpfe, die in jene Szene gipfelten, als er Jerome Boateng absichtlich auf das Sprunggelenk stieg. Glück hatte Lewandowski, dass der italienische Schiedsrichter Nicola Rizzoli keine Rote Karte zückte.

Sollte Wembley tatsächlich der Ort des Abschiedsspiels gewesen sein, ein Abgang mit einem Platzverweis wären den Leistungen des Polen in der Bundesliga und Champions League nicht gerecht geworden. Nach dem Schlusspfiff sank Lewandowski frustriert zu Boden und zog sich sein Trikot über sein Gesicht. Ob er die Tränen der Enttäuschung oder des Abschieds verbergen wollte - niemand weiß es.

Mit leerem Blick verfolgte er die Siegerehrung. So greifbar nahe war der „Henkelpott“, doch feiern durften am Ende die Bayern. Vermutlich auch, weil Lewandowski in der ersten Halbzeit, als der BVB das Geschehen dominierte, gleich zweimal aussichtsreich an Nationaltorhüter Manuel Neuer scheiterte.

Lewandowski wirkte auch bei der Party noch tief enttäuscht. Ein Europacup-Triumph mit dem BVB wäre eigentlich die logische Folge seiner steten Entwicklung mit zuletzt zwei Meisterschaften und dem Pokalsieg gewesen. Klopp ist sich sicher, es wird für diese Mannschaft nicht das letzte Champions-League-Finale gewesen sein - ob mit oder ohne Lewandowski.

Schon vor dem Anpfiff des Endspiels in London hatte der ehemalige Bayern- und Dortmund-Trainer Ottmar Hitzfeld den Münchnern eine Verpflichtung nahe gelegt. "Sein Weg führt zu den Bayern", sagte er bei Sky. "Die Frage ist wann? Ob Bayern jetzt das Geld hinlegt oder noch ein Jahr abwartet."

SID/dpa/fw

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