Trainersuche: Brasilianer besessen von Guardiola

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Pep Guardiola

Brasilia - Nach der Entlassung von Nationaltrainer Mano Menezes sucht Brasiliens Nationalmannschaft nach dem neuen Heilsbringer. Dabei gewinnt der Name des Spaniers Pep Guardiola vor allem bei den Fans an Gewicht.

Volkes Stimme hat bereits entscheiden: Der Spanier Pep Guardiola soll Brasiliens Fußball-Selecao als Nachfolger des am Freitag geschassten Mano Menezes zum Triumph bei der Heim-WM in eineinhalb Jahren führen. In einer Internet-Umfrage der Sportzeitung Lance sprachen sich 62 Prozent der 20.226 abgegebenen Stimmen für den langjährigen Erfolgscoach des FC Barcelona aus.

„Er ist heute der beste Trainer der Welt. Er hat eine super Arbeit bei Barcelona geleistet und wäre ein großer Name. Man muss jetzt sehen, ob die Fans ihn akzeptieren“, kommentierte Brasiliens Idol Ronaldo am Rande des Formel-1-Laufs in Sao Paulo. Bei der Blitzumfrage des Pay-TV-Senders SporTV bekam 41-Jährige immerhin gar 68,5 Prozent an Zuspruch.

Guardiola, der in vier Jahren mit den Katalanen dreimal Meister und zweimal Champions League-Sieger geworden war, nimmt sich derzeit eine einjährige Auszeit vom Fußball und ist in New York untergetaucht. Doch Lance will aus zuverlässigen Quellen erfahren haben, dass Brasilien „das einzige Team der Welt sei, bei dem er schon morgen die Arbeit aufnehmen würde“.

Ob Guardiola oder doch die derzeit noch wahrscheinlichere nationale Lösung, die beiden starken Männer im Verband CBF, Präsident Jose Maria Marin und sein „Vize“ Marco Polo Del Nero, wollen erst im Januar eine Entscheidung verkünden. Was wiederum Ronaldo nicht gefällt. „Dieses Klima der Instabilität in der Selecao ist für keinen gut“, so der 36-Jährige, der im Lokalen Organisationskomitee längst zum Promoter der WM 2014 geworden ist.

Die Menezes-Entlassung lässt sich sicher mit schlechten Resultaten begründen, schließlich wurden bei der Copa America 2011 und im Olympiaturnier 2012 die Titel verpasst. Zudem blieben Siege gegen Top-10-Teams des FIFA-Rankings aus. Doch Marin entledigt sich so vornehmlich einer weiteren Altlast von Ex-Präsident Ricardo Teixeira, der in Korruptionsskandalen zermürbt im März sein Amt abgeben hatte.

Die fehlende Eile bei der Trainersuche macht beim CBF vor allem den Coach des SC Corinthians zum Favoriten Nummer eins. Ob Zufall oder nicht, Marin reist auf Einladung des Libertadores-Cup-Sieger im Dezember als Delegationschef mit zur Klub-WM und wird dort Tite, mit bürgerlichem Namen Adenor Leonardo Bacchi, genau unter die Lupe nehmen. Und im Erfolgsfall vielleicht vor Ort schon engagieren.

Luiz Felipe Scolari, ein weiterer starker Name im Gespräch, bringt gleich zwei Trümpfe mit. Auf dem Weg zum WM-Titel 2002 hatte der heute 64-Jährige die Selecao auch erst knapp ein Jahr vor der Endrunde als Feuerwehrmann übernommen. Zudem ist „General Felipao“ seit seiner Entlassung im September bei Palmeiras für die brasilianische Regierung als Berater aktiv. Und Marin sucht seit langem händeringend Zugang zur Staatspräsidentin Dilma Rousseff.

Bleibt abzuwarten, ob Marin die eigene Macht oder die Zukunft der Nationalelf bei der Entscheidung im Auge hat. „Die Selecao muss wieder auf Kurs kommen“, forderte dann auch Ronaldo. Spätestens am 6. Februar, wenn mit dem Prestigeduell in London gegen England die heiße Phase auf den Confed Cup (Juni 2013) beginnt.

sid

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