Xabi Alonso: "ein sehr trauriger Tag"

Trainer-Legende Luis Aragonés ist tot

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Luis Aragonés ist im Alter von 75 Jahren gestorben.

Madrid - Luis Aragonés führte Spanien zum Gewinn der Europameisterschaft 2008. Damit leitete der Trainer eine Erfolgs-Ära im spanischen Fußball ein. Am Samstag starb der „weise Mann aus Hortaleza“ in seiner Heimatstadt Madrid.

Nationaltorhüter Iker Casillas würdigte Luis Aragonés als „gutmütige, ehrliche und aufrichtige Person“, für Nationaltrainer Vicente del Bosque war er „eine Schlüsselfigur des spanischen Sports“. Der spanische Fußball trauert um den Europameister-Coach von 2008. Aragonés verstarb am frühen Samstagmorgen im Alter von 75 Jahren in einer Klinik in seiner Heimatstadt Madrid. Das teilte der spanische Verband RFEF mit.

„Einer der Größten hat uns verlassen. Es ist ein sehr trauriger Tag“, sagte Nationalspieler Xabi Alonso von Real Madrid. Aragonés hatte es vor sechs Jahren geschafft, die goldene Generation der Spanier endlich zu einem Titel zu führen. Im EM-Finale in Wien gab es einen 1:0-Erfolg gegen die deutsche Nationalmannschaft. „Ich kann Ihnen nicht genug danken, was Sie für mich getan haben“, twitterte der damalige Siegtorschütze Fernando Torres.

Große Dankbarkeit und tiefe Trauer empfanden nach der Todesnachricht viele Spieler, die in ihrer Karriere mit Aragonés zusammengearbeitet haben. Als Vereinstrainer wurde Aragonés 1977 mit Atletico Madrid spanischer Meister, vier Pokalsiege (drei mit Atletico, einer mit Barcelona) kamen hinzu.

Als Spieler gewann Aragonés mit Atletico drei Meisterschaften (1966, 1970, 1973). Die Krönung blieb dem Rekordtorschützen von Atletico (172 Treffer) in seiner aktiven Karriere aber verwehrt. Im Endspiel des Europacups der Landesmeister 1974 schoss er Atletico in der Verlängerung gegen Bayern München in der 114. Minute zwar in Führung, doch Hans-Georg Schwarzenbeck erzielte Sekunden vor dem Abpfiff den Ausgleich. „Beim Ansehen des Videos schalte ich jedes Mal ab, sobald Schwarzenbeck kommt“, sagte Aragonés einmal. Das Wiederholungsspiel gewann der FC Bayern mit 4:0.

Danach beendete Aragonés seine Karriere und wurde Trainer. Höhepunkt war der EM-Titel 2008. „Er hat die Geschichte des spanischen Fußballs verändert. Er war eine Person, die die Spieler unserer Generation stark beeinflusst hat“, sagte Casillas.

Vicente del Bosque, der Aragonés nach dem EM-Triumph abgelöst hatte, dankte ihm „für sein Erbe“. Er sei es gewesen, der den Weg zur erfolgreichen Ära der Nationalelf eingeschlagen habe, so del Bosque, der mit den Iberern 2010 Weltmeister und 2012 erneut Europameister wurde.

Cesc Fabregas war bei allen drei Titeln dabei. „Ruhe in Frieden, Boss. Danke für alles“, sagte der Offensivspieler des FC Barcelona und sprach damit am Samstag vielen Spaniern aus dem Herzen.

sid

Porträt: Luis Aragonés - Erneuerer des spanischen Fußballs

In seinem Trainingsanzug an der Seitenlinie wirkte Luis Aragonés beinahe wie ein Überbleibsel aus vergangenen Zeiten. Der frühere Trainer der spanischen Fußball-Nationalmannschaft, der am Samstag im Alter von 75 Jahren in Madrid gestorben ist, wolle von Maßanzug und Krawatte nichts wissen. Für den modischen Schnickschnack seiner Kollegen hatte er wenig übrig. Aragonés war eher ein rauer Typ, ein Trainer alter Schule.

Ausgerechnet diesem Oldtimer gelang eine kleine Revolution in der Selección. Aragonés bootete Spaniens Fußball-Idol Raúl aus, verjüngte das Team und ließ die Nationalelf einen technisch versierten und attraktiven Kombinationsfußball spielen. 2008 führte er Spanien zum Gewinn der Europameisterschaft, dem ersten bedeutenden Titel seit 44 Jahren.

Diplomatie und Takt gehörten nicht zu den Stärken des Trainers. Die Reihe der Anekdoten über seine Fehltritte ist lang. Außerhalb Spaniens haftete dem Mann mit dem weißen Haar der Ruf eines Rabauken an. Aber das war er nicht. Aragonés war eher ein alter Kauz, dem das Gespür dafür fehlte, wie sein Verhalten in der Öffentlichkeit ankam.

Als er 2004 im Alter von 66 Jahren den Posten des Nationaltrainers erhielt, schien dies eine Art von Vorruhestandsprämie zu sein. Aragonés war damals der dienstälteste Trainer im spanischen Profi-Fußball. Er hatte zuvor für acht verschiedene Vereine gearbeitet, darunter Atlético Madrid und FC Barcelona, und in rund 700 Erstligaspielen auf der Bank gesessen.

dpa/sid

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