Nach Kopfballtor

Crash-Keeper Tschauner wird "Fußball-Gott"

+
Philipp Tschauner (l.) lässt sich feiern

Hamburg - Nach seinem sensationellen Kopfballtor fahren die Emotionen mit St.-Pauli-Torwart Philipp Tschauner Achterbahn. Noch vor zwei Wochen hat er einen kuriosen Unfall verursacht.

Weinen, lachen, hüpfen und zwischendurch immer wieder die Arme hochreißen - nach seinem sensationellen Kopfballtor am Abend eines eiskalten Ostermontags fuhren die Emotionen mit Philipp Tschauner Achterbahn. Passend dazu flackerte die Lightshow vom benachbarten Volksfest Hamburger Dom über das schweißnasse Gesicht des fassungslosen St. Pauli-Keepers.

„Im Training habe ich so schon mal die Latte getroffen, aber dass ich es nun erleben darf, vor diesen Fans ein Tor zu erzielen, ist irre“, sagte der frühere U21-Nationaltorhüter nach seinem Treffer zum 2:2 (0:0) des FC St. Pauli gegen den SC Paderborn . 28. 278 Fans priesen Tschauner lautstark als „Fußball-Gott“ und drängten ihn zu nicht enden wollenden Ehrenrunden.

Noch vor zwei Wochen hatte Tschauner seinen Trainer Michael Frontzeck bei einem Zusammenprall mit einem dreifachen Rippenbruch ins Krankenhaus und anschließend in den Operationssaal befördert. Spätestens am Montagabend hatte der Coach dem 27-Jährigen verziehen. „Wenn er immer ein Tor macht, darf er mir jede Woche eine Rippe brechen“, scherzte der ehemalige Bundesliga-Verteidiger und fügte fachmännisch hinzu: „Philipp ist eben ein Klotz, der schwer zu verteidigen ist.“

Nachdem die ersten Freudentränen weggedrückt waren, kam auch der Dank an den Teamkollegen nicht zu kurz. „Die Ecke von Dennis Daube war sehr gut geschossen. Ich habe geschrien und bin dann einfach durchgelaufen“, berichtete Tschauner. Von der Torraumlinie aus ließ der 1,96 m lange Keeper, der bis 2015 beim Kiezklub unter Vertrag steht, seinem Paderborner Kollegen Lukas Kruse keine Abwehrmöglichkeit. Dabei brillierte Tschauner mit einer durchaus soliden Kopfballtechnik.

Unvergessene Torwart-Legenden

Unvergessene Torwart-Legenden

In der zweiten Liga war das Tor des Torwarts ein Novum, doch in höheren Ligen gibt es für Tschauners Husarenstück durchaus Vorbilder. So war der ehemalige Nationalkeeper Jens Lehmann zu Schalker Zeiten in der Bundesliga ebenso per Kopf erfolgreich wie seine Kollegen Sinan Bolat für Standard Lüttich in der Champions League und Andres Palop im früheren UEFA-Pokal für den FC Sevilla. In der dritten dänischen Liga traf Jakob Hansen für BK Frem Kopenhagen sogar per Fallrückzieher.

Nach Tschauners großer Show, mit der er die vierte Heimniederlage der Hanseaten gerade noch abwenden konnte, ist nun wieder geerdete Fußballarbeit gefragt, um die Norddeutschen endgültig ins gesicherte Fahrwasser zu bringen. Dafür muss am Samstag (13.00 Uhr/Sky und Liga total!) bei Dynamo Dresden bei „Crash-Keeper“ Tschauner nach sechs Gegentoren in den letzten drei Spielen möglichst wieder die Null stehen - im eigenen Kasten, versteht sich.

sid

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare