"Ich war nicht so schlecht"

Kroos agiert in einer neuen Dimension

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Toni Kroos wurde nach dem Halbfinale gegen Brasilien zum Spieler des Spiels gekürt.

Belo Horizonte - Toni Kroos hat bei seinem 50. Länderspiel überragt und seinen Marktwert noch einmal gesteigert. Real Madrid kann sich freuen.

Es ist nicht zu erwarten, dass Bayern München seine Entscheidung noch einmal überdenkt. Oder doch? Was Toni Kroos angeht, dürften sie sich in der Chefetage des deutschen Rekordmeisters zumindest grübelnd am Kopf kratzen. Spätestens beim unglaublichen 7:1 (5:0) gegen Brasilien muss auch dem letzten Beobachter aufgefallen sein: Der 24-Jährige spielt bei dieser WM außergewöhnlich gut. Und so einer geht jetzt zu Real Madrid?

Zwei Tore, eine direkte Vorlage, ein Traumpass, der einen Treffer einleitete - besser geht es kaum. Das 1:0, eine Art Dosenöffner in diesem Spiel, bereitete Kroos vor. Mit einem sehr präzise getretenen Eckball auf Thomas Müller. „Der Toni bringt den Ball jedes Mal dahin, wo er hin muss“, lobte ihn dafür Miroslav Klose. Klose war danach der Profiteur eines genialen Passes von Kroos auf Müller. Müller war der direkte Vorbereiter, den entscheidenden Geistesblitz hatte Kroos.

„Toni war in den letzten beiden Jahren schon jemand, der der Mannschaft spielerisch sehr viel bringt“, lobte Bundestrainer Joachim Löw, „er hat im Moment eine sehr gute Form, er hat zu unserem Erfolg entscheidend beigetragen.“ Vier Tore hat Kroos nun bereits direkt vorbereitet, und so ganz nebenbei gegen die Brasilianer auch das 3:0 und 4:0 erzielt (24./26.). Er wurde, logisch, nach diesem Spiel zum „Man of the Match“ gekürt.

Und was sagte Kroos? Der wollte die ganze Euphorie, die plötzlich auch um seine Person entstanden ist, nicht so ganz teilen. „Meine Leistung war auch nicht so schlecht. Ich habe aber auch schon andere gute Spiele gemacht“, sagte er beinahe aufreizend lässig. Auch auf die Frage, warum es derzeit so gut laufen würde bei ihm, antwortete er lapidar: „Weil ich gut drauf und fit bin.“

Ähnlich wortkarg kommentierte Kroos dann erneut auch seine sportliche Zukunft: „Ach ja. Ich werde nach dem Turnier dazu etwas sagen“, es sei allerdings viel Quatsch geschrieben worden. Geschrieben wurde vor dem Halbfinale, dass der Wechsel zu Real perfekt sei, dass die Bayern ihr Angebot zurückgezogen hätten, weil Kroos finanziell in eine Liga mit Lahm, Schweinsteiger, Ribery, Robben und Co. vorstoßen und zehn Millionen pro Jahr verdienen wollte.

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Offiziell bekannt ist einstweilen nur, dass der Vertrag des Nationalspielers beim FC Bayern noch bis Sommer 2015 läuft und Real bei einem Transfer eine stattliche Ablöse hinlegen müsste. Ein Gutes haben die überragenden Auftritte von Kroos bei der WM deshalb für die Münchner: Der Marktwert des Mittelfeldspielers steigt. Die 25 Millionen Euro, die als Ablösesumme aus Spanien kolportiert wurden, dürften sich längst überholt haben - erst recht nach Kroos' bärenstarker Darbietung im WM-Halbfinale.

Für seine Leistungen in Brasilien war Kroos zuvor schon von „König“ Johan Cruyff herausgestellt worden - und dies bereits vor dem überragenden Spiel gegen den WM-Gastgeber. Er genieße ganz besonders das Spiel von Kroos, sagte der niederländische Vize-Weltmeister von 1974: „Der Junge macht alles gut. Seine Ballbehandlung ist fast perfekt. Immer haben seine Pässe die richtige Geschwindigkeit. Schön zu sehen.“ Schön zu hören, dürfte Kroos gedacht haben.

SID

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