Müller seit fast 500 Minuten ohne Tor

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Platzt am Freitag der Knoten? Thomas Müller hat seit 464 Minuten nicht mehr für die DFB-Elf getroffen.

Danzig - Thomas Müller war WM-Torschützenkönig - als Torjäger sieht sich der Münchner aber nicht. Trotzdem wird der Mann mit dem großen Namen auch an Toren gemessen.

Es ist ein bisschen der Fluch der guten Tat, der Thomas Müller in diesen EM-Tagen verfolgt. Vor zwei Jahren hatte der Oberbayer in Südafrika im Eiltempo die Fußball-Welt erobert - mit Toren der Marke Müller. Wie Gerd Müller, der einstige „Bomber der Nation„, war Thomas Müller plötzlich ein Torjäger, ein Knipser, ein Held. „Da wurde so etwas aufgebaut: Der Müller schießt Tore“, bemerkte der Bayern-Profi nicht ganz glücklich jetzt beim EM-Turnier in Polen und der Ukraine, bei dem er noch nicht getroffen hat.

Der WM-Torschützenkönig von Südafrika war 2010 selbst überrascht: „Dass ich fünf Tore in so wenigen Spielen mache, das hätte ich nicht erwartet.“ Bei der Europameisterschaft läuft Müller dem persönlichen Erfolgserlebnis noch hinterher. Seit inzwischen 464 Minuten wartet er im deutschen Nationalteam auf einen Treffer - 2012 ging nichts. „Klar“, sagte Müller, „werde ich nun an Toren gemessen.“

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Diese Beurteilung findet der 22-Jährige nicht ganz fair. Bei diesem Turnier hatte Müller bisher vorrangig andere Aufgaben zu lösen: Rennen, antreiben, stören, hinter den Ball kommen. Müller habe auf rechts wie Lukas Podolski auf links „wahnsinnig gut nach hinten gearbeitet“, lobte Joachim Löw. Allerdings hat der Bundestrainer beiden Flügelspielern auch mitgegeben, es würde ihnen gut tun, „wenn sie mal ein Tor machen könnten, klar“.

Podolski konnte Löws Auftrag beim 2:1 gegen Dänemark mit seinem 44. Treffer im 100. Länderspiel schon erfüllen. Müller vergab eine riesige Möglichkeit frei aus fünf Metern. „Natürlich kann man sagen, bei der WM hätte er den gemacht“, meinte Müller. „Doch dass man die Situationen nicht ganz vergleichen kann, ist hoffentlich auch jedem bewusst“, ergänzte der inzwischen 30-malige Nationalspieler.

Vor seiner Gala-WM in Südafrika hatte Müller gerade mal zwei Länderspiele bestritten. Der große Diego Maradona, damals Coach der Argentinier, hatte den deutschen Shooting-Star bei einem Testspiel sogar noch für einen Balljungen gehalten und sich geweigert, mit Müller zusammen bei der Pressekonferenz zu sprechen. Spätestens nach Müllers Führungstreffer beim 4:0 in Kapstadt gegen die Argentinier kannte auch Maradona den jungen Mann aus München, der ihn mit aus seinem Job katapultierte. „Dass da jetzt einiges erwartet wird, ist mir klar“, sagte Müller zwei Jahre danach.

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Am Freitag im EM-Viertelfinale gegen Griechenland soll es endlich wieder „müllern“ - wie es auch auf seiner eigenen Homepage heißt, auch wenn Müller darin nicht seine Hauptaufgabe sieht. „Grundsätzlich ist für mein Spiel wichtig, dass ich der Mannschaft helfe. Ich habe mich eher als Torevorbereiter gezeigt, wobei ich natürlich gern Tore mache“, betonte Müller.

Für den FC Bayern hat er in der abgelaufenen Saison in 50 Spielen elfmal getroffen - und 20 Treffer vorbereitet. Wobei die vergangenen Monate in München nicht ganz leicht waren für den Jungstar, gerade die Endphase. Die rechte Seite, seine Position im DFB-Team, war bei Bayern meist für Arjen Robben reserviert. Müller saß auf der Bank oder spielte auf der Position, die übrig war. Oder gar nicht.

Zehn Treffer im Adlertrikot stehen auf seinem Konto, das bisher letzte im November des Vorjahres beim 3:0 gegen Holland. Der Plan, wie Müller und seine Kollegen das griechische Abwehrbollwerk knacken wollen, steht. „Wir wissen, was wir zu tun haben. Es wird sicher auch Geduld erfordern“, sagte der WM-Held.

dpa

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