Broich auf dem Höhepunkt: "Geiles Leben"

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Thomas Broich hat in Australien sein Glück gefunden.

Brisbane - Vom Sündenbock zum gefeierten Helden: Thomas Broich hat in Australien zum zweiten Mal in Folge den Titel gewonnen. Darüber hinaus wurde er zum „Fußballer des Jahres“ gewählt.

In der Fußball-Bundesliga einst aufs Abstellgleis geschoben, im Auswanderer-Paradies Australien in die Erfolgsspur gewechselt: Thomas Broich lebt seinen Traum - Down Under ist der 31-Jährige auf dem Höhepunkt seiner Karriere angekommen. Am Sonntag verteidigte Broich mit Brisbane Roar erfolgreich den Meistertitel in der australischen A-League. „Es ist unglaublich und fühlt sich gar nicht so schlecht an. Unser Stadion war ausverkauft und die Stimmung war überragend“, sagte Broich dem Sport-Informations-Dienst (SID) nach dem 2:1-Finalsieg gegen Perth Glory: „Mein Leben ist total geil und entspannt.“

Bereits zwei Wochen zuvor war der frühere deutsche U21-Nationalspieler in Sydney von seinen Profi-Kollegen als erster Deutscher mit großer Mehrheit zu Australiens Fußballer des Jahres gekürt worden. „Das macht mich sehr stolz. Es ist toll, von den Kollegen gewählt zu werden. Für mich ist das der Höhepunkt, das ist nicht mehr zu toppen“, äußerte der Mittelfeldregisseur, der 2011 in seiner Debüt-Saison im Rennen um die begehrte Johnny-Warren-Medaille noch den zweiten Platz belegt hatte. Die Tatsache, dass Broich zur Saisonmitte verletzungsbedingt sechs Wochen pausieren musste und trotzdem ausgezeichnet wurde, unterstreicht seinen immensen Stellenwert innerhalb der Liga.

Sie bringen die Würze: Reizfiguren des Fußballs

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In einem dramatischen Endspiel gegen Perth verwandelten Broich und Co. wie im Vorjahr (4:2 n.E. gegen Central Coast Mariners) einen Rückstand in einen Sieg. Vor 50.334 Zuschauern erzielte der ehemalige Hamburger und Bielefelder Profi Besart Berisha beide Tore. Broich, der die Vorlage zum Ausgleich gab, wurde anschließend irrtümlich als „Man of the Match“ ausgezeichnet.

Die Verantwortlichen hatten sich offenbar frühzeitig auf Perths Kapitän Jacob Burns festgelegt und in der turbulenten Schlussphase ein wenig die Übersicht verloren. Später in der Kabine klärte Brisbanes Trainer Ange Postecoglou, der den Klub verlassen wird, seinen Schützling über den peinlichen Irrtum auf. Broich nahms sportlich: „Ich habe den Trainer zunächst nicht für voll genommen und dachte, er wolle mich auf den Arm nehmen. Egal, der Meistertitel war mir wichtiger. Außerdem hat Burns auch ein gutes Spiel gemacht.“

Mit dem Titelgewinn ist die Saison für Brisbane allerdings noch nicht beendet. Im nächsten Monat stehen noch die beiden abschließenden Gruppenspiele in der asiatischen Champions League beim FC Tokio (2. Mai) und daheim gegen den FC Guoan aus Peking (16. Mai) auf dem Programm. Mit lediglich zwei Punkten hat Brisbane nur noch theoretische Chancen auf den Einzug ins Achtelfinale.

Anschließend wird Broich im Juni seine Familie in Deutschland besuchen. In seiner Heimat war er damals fast an der Erwartungshaltung zerbrochen. Bei Borussia Mönchengladbach feierte man ihn einst als „neuen Netzer“, in den Medien wurde er als „Mozart mit der Kugel“ verehrt. Auch in Köln und Nürnberg weckte der klassische Spielmacher zunächst große Hoffnungen, bevor er anschließend erneut an sich selbst scheiterte.

Die Bundesliga hat Broich dennoch nie aus den Augen verloren. „Dortmund hat den Titel in beeindruckender Manier verteidigt. Sie haben eine ganz starke Bayern-Mannschaft in Schach gehalten. Das hatte ich so nicht erwartet“, bekannte der gebürtige Münchner, dessen Herz allerdings noch immer für die abstiegsbedrohten Kölner Geißböcke schlägt: „Der FC ist ein geiler Verein, so chaotisch er auch sein mag. Ich hoffe, dass sie den Klassenerhalt schaffen und erstklassig bleiben.“

Seine eigene Zukunft lässt Broich, der noch ein Jahr Vertrag in Brisbane hat, derweil noch offen: „Ich kann mir durchaus vorstellen, nochmal ein neues Land und eine andere Kultur kennenzulernen. Aber auch fünf weitere Jahre in Brisbane wären sicher schön.“

Anfragen aus Japan und China sollen vorliegen. Ein mögliches Karriereende ist zurzeit kein Thema. „Ich habe in Deutschland die Schattenseiten kennengelernt. Meine Karriere war eigentlich schon vorbei, als ich nach Australien kam. So lange es Spaß macht und die Füße tragen, will ich mir kein Limit setzen“, sagt der Spielgestalter.

Broich, dessen persönliche Geschichte im Sommer 2011 unter dem Titel „Tom meets Zizou“ in den deutschen Kinos zu sehen war, hat auf dem fünften Kontinent sein „kleines Paradies gefunden“.

sid

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