100 Tage vor EM: Deutschland strauchelt gegen Frankreich

+
Jerome Boateng strauchelt im Zweikampf mit Olivier Giroud.

Bremen - 100 Tage vor dem EM-Auftakt haben Joachim Löws Titeljäger einen kräftigen Schuss vor den Bug erhalten. 100 Tage vor Turnierbeginn unterlag das Team von Bundestrainer Joachim Löw am Mittwochabend im Testspiel Frankreich .

Ohne ein halbes Dutzend Stammkräfte unterlag die deutsche Nationalmannschaft am Mittwoch in Bremen Frankreich mit 1:2 (0:1) und wartet weiter auf den ersten Sieg gegen den wiedererstarkten Ex-Weltmeister seit 25 Jahren. Olivier Giroud (21.) und Florent Malouda (69.) erzielten vor 37 800 Zuschauern im ausverkauften Weserstadion die Tore für die jetzt 18 Mal ungeschlagene “Equipe tricolore“ und dämpften damit zugleich die große Euphorie um Mesut Özil und Co. Dem eingewechselten Cacau gelang in der Nachspielzeit noch der Anschluss, doch das erste Länderspieltor gegen die Franzosen seit 22 Jahren war zu wenig.

Löw setzte trotz der prominenten Ausfälle von Leistungsträgern wie Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger oder Lukas Podolski seine Experimente fort, doch ohne die Etablierten konnte die DFB-Auswahl nicht an die Fußball-Gala beim 3:0 gegen die Niederlande im November vorigen Jahres anknüpfen. Gegen die taktisch hervorragend eingestellten “Bleus“ kamen die Deutschen lange Zeit nicht recht auf Touren, auch wenn das Bemühen um Spaßfußball unverkennbar war.

Deutschland verliert gegen Frankreich: Die Bilder

DFB-Elf verliert gegen Frankreich: Bilder und Einzelkritik

Auch Marco Reus, dem Löw als Belohnung für seine starken Leistungen in Mönchengladbach im rechten Mittelfeld den Vorzug vor WM-Torschützenkönig Thomas Müller gegeben hatte, fand keine rechte Bindung zum Spiel. Für Andre Schürrle auf der linken Seite war die Partie schon kurz vor der Halbzeit beendet. Dann musste der Leverkusener nach einem Foul von Mathieu Debuchy mit einer Knorpelverletzung an der Nase vom Feld. Seinen Platz im Team nahm Müller ein. Auch für Franck Ribéry dauerte die Begegnung nur 45 Minuten, dann musste der nach einem Zusammenprall mit Reus früh gehandicapte Bayern-Star seinen Platz räumen.

In der Spielzentrale war Özil zwar stets anspielbar, fand aber für seine Pässe nicht immer den richtigen Abnehmer. Als echter Kapitän erwies sich in seinem 114. Länderspiel Miroslav Klose. Der Wahl-Römer holte sich bei seinem 45-minütigen Einsatz die Bälle schon in der Hälfte des Gegners und gab auf dem Spielfeld lautstarke Anweisungen, im Abschluss war er aber glücklos. Zwei Mal verhinderte Frankreichs Torwart Hugo Lloris das 64. Länderspiel-Tor des 33-Jährigen. Auf der Gegenseite bot der Bremer Tim Wiese in seinem Heimspiel eine tadellose Leistung - und ging dennoch auch in seinem sechsten Länderspiel nicht als Sieger vom Platz.

Unsere EM-Gegner: Es warten Robben, Ronaldo und Kvist

Unsere EM-Gegner: Es warten Robben, Ronaldo und Kvist

Erstmals seit dem 1:5 gegen England im September 2001 lief die DFB-Elf zu Hause wieder in Grün auf, und wie damals erwies sich die Farbe auch beim letzten Test vor der Nominierung des EM-Aufgebots nicht als Glücksbringer. Mit viel Tempo versuchte Löws Auswahl zwar sofort das Heft in die Hand zu nehmen, die erste Chance des Spiels eröffnete sich allerdings den Gästen. Beim Kopfball von Yohan Cabaye (16.) tauchte Wiese aber reaktionsschnell nach unten und verhinderte das drohende 0:1. Fünf Minuten später konnte auch der Werder-Keeper den Rückstand durch Giroud nicht verhindern. Der zögernde Dennis Aogo hatte Debuchy ungehindert flanken lassen.

Ein Beispiel ihrer spielerischen Klasse lieferte die deutsche Elf in der 11. Minute bei einer schnellen Kombination zwischen Sami Khedira, Özil und Klose. Doch davon bekamen die Fans im Weserstadion vor der Pause nur wenige Kostproben zu sehen. Erst in der Schlussphase der ersten Halbzeit kam mehr Zug in die Aktionen der Hausherren. In der 33. Minute vergab der emsige Klose frei vor Frankreichs Keeper Lloris das 1:1, 60 Sekunden später verhinderte der Pfosten beim Kopfball von Holger Badstuber den möglichen Ausgleich. Vier Minuten vor der Pause vereitelte Lloris mit der nächsten Rettungstat erneut einen Klose-Treffer.

Nach der Pause rückte Mario Gomez auf Kloses Position. Benedikt Höwedes ersetzte an seinem 24. Geburtstag Badstuber. Die technisch beschlagenen Franzosen zeigten weiter das effizientere Offensivspiel, während sich bei den Deutschen die Ungenauigkeiten häuften. In der 58. Minute verhinderte Wiese beim Schuss von Giroud einen weiteren Gegentreffer, wenig später vergab Mathieu Valbuena freistehend die mögliche Entscheidung (63.). Doch mit dem 0:2 durch den eingewechselten Malouda war die erste deutsche Länderspiel-Niederlage seit dem 1:2 gegen Australien im März 2011 endgültig besiegelt.

Von Arne Richter und Jens Mende

Kommentare