"Täuschungsmanöver" zu viel für den FC Augsburg

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Michael Ballack spielte in augsburg von Beginn an

Augsburg - Der FC Augsburg muss feststellen, dass Michael Ballack und Simon Rolfes bei Bayer Leverkusen eben doch miteinander können. Andreas Rettig bringt das FCA-Gefühl auf den Punkt.

Michael Ballack hatte sich soeben wortlos davongestohlen, und so blieb es Simon Rolfes überlassen, das unerwartete Startelf-Debüt des Duos von Bayer Leverkusen beim 4:1 (2:1) beim FC Augsburg zu erklären. „Das hat gut geklappt“, sagte Rolfes über die Stunde, in der er und Ballack das Mittelfeld zusammen beackert hatten. Dass Coach Robin Dutt das gemeinschaftliche Wirken beider Spieler immer wieder kategorisch ausgeschlossen hatte, deutete Rolfes clever um. „Das war ein Täuschungsmanöver, damit Augsburg nicht damit rechnet“, sagte er breit lächelnd.

Der FC Chelsea, am Dienstag bei Leverkusens Rückkehr auf die große Bühne Champions League nach siebenjähriger Abstinenz nächster Bayer-Gegner, dürfte also gewarnt sein: Ballack mit Rolfes - das hat funktioniert, zumindest am Freitag in Augsburg. „Ich war mit Michael Ballack sehr zufrieden“, sagte Dutt über den 34-Jährigen, der erstmals seit dem zweiten Spieltag von Beginn an ran durfte: „Er hat ein richtig gutes Spiel gemacht, war besonders läuferisch sehr stark.“ 8,24 km Laufstrecke maßen Statistiker. Für die 60 Minuten, die Ballack vor seiner Auswechslung spielen durfte, ist das tatsächlich weit.

Ballack gewann außerdem sieben seiner elf Zweikämpfe, gab mit fünf Schüssen die meisten aller Leverkusener Spieler ab, und von seinen 30 Pässen fanden 26 einen Mitspieler - eine ordentliche Bilanz. Dennoch wollte Dutt dem ehemaligen „Capitano“ der DFB-Elf für dessen Rückkehr an die Stamford Bridge, wo er vier Jahre aktiv war, nichts versprechen. „Ob er am Dienstag spielen wird, weiß ich noch nicht. Es sind viele Spieler fit“, sagte er. Gut möglich dass Ballack für den in Augsburg zunächst geschonten Andre Schürrle weichen muss.

Ballack freut sich jedenfalls aufs Wiedersehen mit alten Freunden. Weniger gut ist er weiterhin auf Bundestrainer Joachim Löw zu sprechen. „Es tut immer noch weh, dass ich nicht mehr für Deutschland spiele“, sagte er der Times und ergänzte: „Das wirklich Frustrierende ist, dass ich nie eine echte Chance bekommen habe. Deshalb bin ich immer noch sehr unglücklich.“

Ballacks Bayer indes hatte in Augsburg Glück, dass Schiedsrichter Felix Zwayer (Berlin) beim Stand von 1:2 nicht Daniel Schwaab für dessen Notbremse gegen Sascha Mölders vom Platz schickte. Einzig Schwaab selbst hatte „auf dem Platz nicht das Gefühl“, dass sein Einsteigen mit Rot hätte geahndet werden müssen. Nach Ansicht der TV-Bilder räumte er ein, dass man „vielleicht darüber diskutieren kann“, Sportdirektor Rudi Völler jedoch gab unumwunden zu: „Dafür hätte man Rot geben können.“

Schwaab blieb aber auf dem Platz. Dort durfte er nach dem Rückstand durch Bayer-Leihgabe Hajime Hosogai (5.), dem Ausgleich von Sidney Sam (6.) und der Führung durch Stefan Kießling (23.) noch den zweiten Treffer von Sam (72.) und das Tor zum Endstand von Eren Derdiyok (79.) mit ansehen. „Mit breiter Brust“ fahre die Werkself nach London, sagte Schwaab angesichts des recht souveränen Auftritts. Kapitän Rolfes blickte schon weiter und meinte: „Ich bin überzeugt, dass wir in der Champions League überwintern werden.“

Im nächsten Frühjahr wird der FCA sicher noch in der Bundesliga spielen. Angesichts des fünften Spiels im Oberhaus ohne Sieg und nach der höchsten Niederlage wachsen jedoch die Zweifel an einer langfristigen Zukunft unter den besten 18 Klubs. „Unerfahrenheit, mangelnde Cleverness und Abgezocktheit des Gegners“ machte Axel Bellinghausen für die Pleite verantwortlich. Leverkusen, das betonten alle, sei aber nicht der Gradmesser. Am kommenden Samstag gastieren die Schwaben beim Mitaufsteiger Hertha BSC Berlin, „und da müssen wir angreifen“, forderte Bellinghausen.

Doch auch die Hertha hat Augsburg einiges voraus. Manager Andreas Rettig machte „die Millionen“ für die Überlegenheit von Bayer verantwortlich - und das könnte in Berlin ähnlich aussehen. Der Etat der Hertha liegt um fast zehn Millionen Euro über dem des FCA. Für den bleibt die Bundesliga ein Abenteuer, was die Reaktion der Fans bewies, die ihr Team mit Applaus verabschiedeten. Rettig brachte das FCA-Gefühl auf den Punkt: „Letztes Jahr haben wir gegen Paderborn und Aue gespielt, jetzt spielen wir gegen Mannschaften mit Spielern wie Michael Ballack.“

sid

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