Streit um Schlaudraff-Tor: Kinhöfer contra Merk

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Jan Schlaudraff, der in der Saison 2007/2008 acht Mal für die Bayern auflief, erzielte gegen Hoffenheim ein umstrittenes Freistoßtor

Hannover - Nach dem umstrittenen Freistoßtor des Hannoveraners Jan Schlaudraff, kommt es nun zu einer heftigen Auseinandersetzung über die Spielregeln. Doch was besagen diese wirklich?

Schlitzohr Jan Schlaudraff hat mit einem kaltschnäuzig verwandelten Freistoß einen Schiedsrichter-Streit beim Bundesliga-Start ausgelöst. Nach einem kurzen Plausch mit dem Unparteiischen Thorsten Kinhöfer schlenzte der beste Spieler von Hannover 96 beim 2:1 (2:1) gegen 1899 Hoffenheim den Ball über die verdutzten Gäste-Spieler ins Tor. Die stellten noch die Mauer auf. Kinhöfer hatte seine Pfeife kurz hochgehalten, den Freistoß aber nicht extra angepfiffen. Das bescherte dem FIFA-Referee Hoffenheimer Proteste und einen “Anpfiff“ seines Ex-Kollegen Markus Merk. “Die Regel sagt nicht, dass man beim Freistoß pfeifen muss. Wenn er den Ball blockiert und dem Spieler die Pfeife zeigt, dann muss er den Freistoß auch anpfeifen. Er hat den Freistoß zu schnell ausführen lassen. Es war eine Fehlentscheidung, ein Managementfehler, eine Unkonzentriertheit“, kritisierte Merk als neuer Experte des TV-Senders Sky den Mann aus Herne. “Das war alles regelkonform“, entgegnete Kinhöfer und kanzelte in den Stadion-Katakomben den zweimaligen Welt-Schiedsrichter Merk ziemlich barsch ab: “Man muss nicht alles glauben, was die sogenannten Experten sagen.“

Herbert Fandel, Vorsitzender der DFB-Schiedsrichter-Kommission, hielt sich zunächst bedeckt. “Ich war im Ausland und muss mir das in aller Ruhe anschauen“, erklärte Fandel am Sonntagmorgen auf Anfrage, “Bei Strafstoß, Auswechslungen und Gelben Karten muss das Spiel durch Pfiff fortgesetzt werden“, erläuterte Kinhöfer seinen Standpunkt. Die Hoffenheimer fühlten sich “verarscht“. Torwart Tom Starke schimpfte: “Wenn der Schiedsrichter den Ball freigibt, dann muss er das auch uns signalisieren. So sehe ich aus wie ein Trottel.“ Kinhöfer ungerührt: “Ich kann nicht wissen, was die Hoffenheimer Spieler denken.“

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Torschütze Schlaudraff spielte in seinem 100. Bundesligaspiel seine ganze Routine aus. “Der Schiedsrichter hat mich gefragt, ob er die Mauer auf Abstand stellen soll. Ich habe Nein gesagt und erklärt, wir brauchen keine Mauer. Damit war das Spiel freigegeben. Dann habe ich meinem Mitspieler Rausch gesagt, er soll mir schnell den Ball hinlegen und habe geschossen. Kein Hoffenheimer hat sich vorgestellt“, schilderte der Ex-Nationalspieler die umstritten Szene in der 15. Minute. “Die haben da geschlafen. Bei Freistößen gegen uns habe ich die Aufgabe, mich vor den Ball zu stellen“, fügte er hinzu.

“Das hat Schlaudraff clever gemacht“, lobte 96-Trainer Mirko Slomka den agilen Stürmer. Der holte auch den Foulelfmeter von Mohammed Abdellaoue (30.) heraus und hatte großen Anteil daran, dass sein Team vor 40 135 Zuschauern nahtlos an die Erfolge der vorigen Saison anknüpfte. Die Hoffenheimer trafen ebenfalls per Foulelfmeter durch Sejad Salihovic (18.).

Der neue Trainer Holger Stanislawski flüchtete sich in Sarkasmus. “Es ist ja schön, wenn der Schiedsrichter mit Herrn Schlaudraff ein Pläuschchen führt, wie er die Mauer haben möchte“, kritisierte er das ungewöhnliche Zwiegespräch. Trotz der Niederlage sah er “einige gute Dinge“ bei seinem Team. Das kombinierte gefällig, kämpfte im zweiten Durchgang verbissen um den Ausgleich, war aber in Sachen konsequenter Abschluss und Cleverness einen Tick schlechter als der Europa-League-Teilnehmer aus Niedersachsen.

dpa

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