"Hat leider nicht hingehauen"

Stimmen: Watzke-Seitenhieb gegen Hoeneß

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Hans Joachim Watzke

München/Dortmund - Wie haben der FC Bayern und Borussia Dortmund die Halbfinal-Auslosung der Champions League aufgenommen? BVB-Boss Watzke kann sich einen kleinen Seitenhieb nicht verkneifen.

Der FC Bayern München bekommt es in der Vorschlussrunde mit dem FC Barcelona zu tun. Borussia Dortmund fordert im Kampf um die Finalteilnahme Real Madrid. Der frühere Bundesliga-Profi Ruud van Nistelrooy sorgte am Freitag mit seinem Los für den brisanten Ländervergleich und verhinderte gleichzeitig ein direktes Aufeinandertreffen der deutschen Spitzenteams schon in der Vorschlussrunde der Fußball-Königsklasse.

Barcelona ist die Benchmark in Europa. In den letzten sechs Jahren haben sie mehrfach die Champions League gewonnen. Ich glaube, dass Barça von Kontinuität und Qualität das Beste in Europa ist“, sagte Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge.

Ich glaube nicht, dass sie Angst haben, sie haben Respekt und den haben wir auch“, sagte Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke beim TV-Sender Sky über den Gegner Real. Erleichtert war der BVB-Boss über den internationalen Aspekt des Halbfinales. „Wir sind mit dem Los zufrieden. Wir wollten einen internationalen Gegner“, ergänzte er.

"Es tut mir leid, dass Uli Hoeneß' Wunsch, gegen uns zu spielen, nicht hingehauen hat.", erklärte Watzke weiter. Der Bayern-Präsident hielt den BVB für den schlagbarsten Gegner.

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Am 23. oder 24. April empfangen die Münchner den FC Barcelona. Am 30. April oder 1. Mai kommt es zum Rückspiel in der katalanischen Metropole. Auch Dortmund muss zunächst zu Hause antreten, dann kommt es eine Woche später zum zweiten Duell in Madrid. Die Sieger treffen am 25. Mai im Finale im legendären Londoner Wembleystadion aufeinander.

Erstmals stehen zwei deutsche Clubs im Halbfinale der Champions League. Für die Bayern weckt das Duell mit Barça um Superstar Lionel Messi unschöne Erinnerungen. 2009 gab es beim 0:4 im Camp Nou eine bittere Lehrstunde, die das Ende der kurzen Ära unter Trainer Jürgen Klinsmann einläutete. „Es ist eine wunderbare Gelegenheit zu zeigen, dass Bayern München seit 2009 einiges besser geworden ist“, sagte Rummenigge. Barcelonas Superstar Lionel Messi auszuschalten bezeichnete er als „Herkulesaufgabe“.

Borussia Dortmund kann gegen Real Madrid selbstbewusst antreten. In der Gruppenphase gab es im vergangenen Herbst gegen das Team der deutschen Nationalspieler Mesut Özil und Sami Khedira einen 2:1-Heimerfolg und ein ebenfalls hochgelobtes 2:2 in Madrid. Diese Spiele sind in Spanien nicht vergessen. Özil jedenfalls freut sich offenbar auf die Chance zur Revanche. „Es ist Dortmund. Freue mich auf diese Spiele. Wir wollen nach London“, twitterte er.

1998 scheiterte der BVB als Titelverteidiger in der Champions League im Halbfinale an den Königlichen, die danach unter dem heutigen Bayern-Trainer Jupp Heynckes den begehrten Henkelpokal gewannen.

dpa

Reaktionen im Überblick

Karl-Heinz Rummenigge (Vorstandsvoritzender Bayern München): „Ich freue mich auf die Spiele. Das ist die Mannschaft, die in den letzten Jahren am erfolgreichsten war. Das wird extrem schwer und hoch spannend. Jetzt kann und muss unsere Mannschaft zeigen, ob sie sich mit Barcelona messen kann. Ich kann mich an die beiden letzten beiden Spiele erinnern, da haben wir in Barcelona unser Waterloo erlebt. Das ist eine Chance zu zeigen, dass Bayern München seit 2009 besser geworden ist und wir uns mit der besten Mannschaft messen können. Das wird ein interessanter Vergleich zwischen der Bundesliga und der Primera Division. Es gibt in keinem Spiel einen klaren Favoriten.“

Hans-Joachim Watzke (Geschäftsführer Borussia Dortmund): „Wir sind mit dem Los zufrieden, denn wir wollten einen internationalen Gegner haben. Es tut mir leid, dass Uli Hoeneß' Wunsch, gegen uns zu spielen, nicht hingehauen hat. Das Heimrecht ist nicht entscheidend, im Viertelfinale ist je zwei Mal die Mannschaft weiter gekommen, die im Hin- und im Rückspiel Heimrecht hatte. Wenn wir das Hinspiel halbwegs ordentlich beenden, werden wir im Rückspiel Räume haben, von daher sehe ich das gar nicht so problematisch. Wir können jetzt sowieso nur noch viel gewinnen und nichts mehr verlieren. Von daher ist das eine komfortabele Situation. Ich glaube nicht, das Real nach den Duellen nach den Spielen in der Vorrunde Angst hat. Sie werden Respekt haben, das haben wir auch.„

Jan-Christian Dreesen (Finanzvorstand Bayern München): "Wir haben uns Barcelona erst im Finale gewünscht, aber ich denke, die Mannschaft ist so gut drauf, dass sie Barcelona Paroli bieten kann. Von der Konstellation her, dass wir Pep Guardiola im neuen Jahr als Trainer haben, bietet das Duell noch einmal Extra-Pfeffer.“

Joachim Löw (Fußball-Bundestrainer): „Ein Champions-League-Halbfinale ist wie ein großes Entscheidungsspiel einer WM oder EM, also eine riesige Herausforderung und großes Erlebnis für jeden einzelnen Spieler. Da ist alles möglich, auf diesem Niveau entscheiden Kleinigkeiten. Solche Erfahrungen sind gut und wichtig für unsere Nationalspieler. Bayern und Dortmund haben in dieser Saison bewiesen, wozu sie in der Lage sind. Sie werden mit dem nötigen Respekt und bestens vorbereitet in die Spiele gegen Barcelona und Madrid gehen, auf die wir uns alle nur freuen können. Jupp Heynckes und Jürgen Klopp, denen ich alles Gute wünsche, kennen ihre Kontrahenten genau.“

Jürgen Klopp (Trainer Borussia Dortmund): „Ich freue mich, dass jetzt klar ist, auf wen wir treffen. Jetzt wird Fußball gespielt! Dass Real Madrid ein schwerer Gegner ist, muss ich nicht betonen - er ist von den drei möglichen Kontrahenten aber der einzige, den wir in dieser Saison schon einmal geschlagen haben.“

Matthias Sammer (Sport-Vorstand Bayern München): "Es ist ein nettes Los. Das ist eine wunderbare Mannschaft. Es ist ein langer Zeitraum gewesen, in der diese Mannschaft den Fußball beherrscht hat. Aber Bayern München hat sich entwickelt, ich bin total optimistisch. Dass wir zuerst zu Hause spielen, sehe ich nicht als Nachteil. Wir sollten versuchen, die Null zu halten, und alles nach vorne nehmen wir mit. Wir brauchen zweimal einen guten Plan. Barcelona ist stark, aber wir sind immer stärker geworden.“

Michael Zorc (Sportdirektor Borussia Dortmund): „Das ist ein gutes Los, beide Paarungen sind optimal für den europäischen Fußball. Wir gehen als leichter Außenseiter in die Paarung, aber einmal haben wir sie ja diese Saison schon geschlagen. Da haben wir uns schon viel Respekt erspielt. Das werden zwei absolute Highlight-Spiele. Natürlich hätten wir uns gewünscht, zuerst auswärts antreten zu dürfen.“

sid

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