Stevens: Raúl-Gerede "ärgert mich sehr"

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Huub Stevens (l.) mit seinem größten Star, Raúl.

Gelsenkirchen - Nach dem Sieg über den FC Augsburg bleibt Raúl das große Thema beim FC Schalke 04. Der Spanier hat konkrete Vertragswünsche. Trainer Huub Stevens ist von diesem Thema genervt.

Bei diesem Thema schlüpfte Huub Stevens doch wieder in seine alte Rolle des “Knurrers aus Kerkrade“. Mit einem Brummton aus tiefer niederländischer Kehle drückte der Schalke-Trainer seine ganze Missstimmung aus. “Das ärgert mich sehr. Jetzt wird nicht über das Spiel, sondern nur darüber gesprochen“, sagte Stevens. Mit dem 3:1 (1:0) gegen den FC Augsburg war der FC Schalke 04 wieder auf einen Champions-League-Platz gerückt, nur drei Punkte von Spitzenreiter FC Bayern entfernt, aber der interessantere Gesprächsstoff schien wieder einmal Raúl zu sein - oder besser gesagt, die ungewisse Zukunft des Spaniers in Gelsenkirchen.

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Seinen Wert für die Schalker hatte Raúl mit einer kämpferisch vorbildlichen Leistung und seinem siebten Saisontor zum erlösenden 3:1 (84.) erneut unter Beweis gestellt. Die Fans liegen diesem Mann, der trotz seiner großen Vergangenheit mit seiner Arbeitseinstellung ideal zu diesem Malocherverein passt, zu Füßen. In spanischen Medien, die recht eng mit Raúl verbunden sind, heißt es, dass sich der Routinier vorstellt, seinen zum Saisonende auslaufenden Vertrag um zwei Jahre zu verlängern - ansonsten liege ein höchst attraktives Angebot aus Katar vor. Stevens reagierte ungewöhnlich genervt: “Wenn er meint, bei einem anderen Verein besser aufgehoben zu sein, dann ist das seine Sache.“

Verhandlungen um Vertragsverlängerung im Januar

Nebenbei verriet der Niederländer eine nette Kleinigkeit, die zeigt, wie gut der langjährige Kapitän von Real Madrid im Team integriert ist. Die Mitspieler haben dem charismatischen Superstar einen Spitznamen verpasst. “Rullo“ wird er genannt. “Das war von Anfang an so. Ich weiß nicht, ob er ihn schon vorher schon hatte“, sagte Manager Horst Heldt. “Wenn man ihn jedenfalls so ruft, dreht er sich um. Er weiß, dass er so heißt.“ Diesen “Rullo“ würde Heldt sehr gerne auch 2012/13 bei Schalke spielen sehen.

Bisher drehten sich die Diskussionen darum, ob Raúl nach seinem zweiten Jahr in Gelsenkirchen seine 1994 begonnene Profikarriere noch um ein Jährchen verlängern würde. Er würde dies genießen, hieß es. Fraglich ist jedoch, ob sich die Schalker sich dies wirklich leisten können. Raúl ist Spitzenverdiener in dem mit 170 Millionen Euro verschuldeten Klub. Doch in den vergangenen Tagen hieß es plötzlich, der 34-Jährige strebe nun eine Vertragsverlängerung um zwei Jahre an. Katar, das seine Liga vor der WM 2022 populär machen will, wäre sehr interessiert. Sieben Millionen Euro als Jahresgehalt könnten aufgerufen werden. “Das ist alles eine große Spekulationsblase“, sagte Heldt.

Er betonte, dass mit Raúl fest vereinbart ist, im Januar über einen neuen Vertrag zu sprechen. Auch der Spanier habe immer gesagt, Schalke sei sein erster Ansprechpartner. Fest steht aber wohl auch, dass der Verein kaum zwölf bis 14 Millionen Euro Gehalt für zwei Jahre auszugeben möchte für einen Spieler, der bei Vertragsende fast 37 wäre. Jeder weiß zudem, dass Raúl nicht der Schnellste ist und das von Dortmund in der Liga vorgegebene Tempo bei bestem Willen nicht mehr erfüllen kann. Aber dieser “Rullo“ hat eben andere Qualitäten.

“Dass andere Vereine an diesem Weltklassespieler interessiert sind, wundert mich nicht“, sagt Heldt. “Aber wir können einen gemeinsamen Nenner finden. Raúl ist ein Familienmensch, er hat fünf Kinder, die Familie fühlt sich in Düsseldorf sehr wohl.“ Er sehe eine Chance, dass der Vertrag verlängert wird, aber die Entscheidung werde Raúl nicht leicht fallen, erklärte Heldt. Die Einigung sollte am besten schnell, kurz und schmerzlos erfolgen. Sonst könnte Knurrer Stevens, der doch eigentlich so sanftmütig geworden ist, wieder unangenehm werden.

dapd

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