Stevens lacht über Krise, Hannover in Angst

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Huub Stevens will von einer Krise nichts wissen

Gelsenkirchen - Während Hannover 96 vor dem Duell mit Christoph Daum und dem FC Brügge Ausschreitungen befürchtet, will Schalke 04 in der Europa League bei Viktoria Pilsen Wiedergutmachung betreiben.

Trainer Huub Stevens demonstrierte trotz der jüngsten Schlappe in Mönchengladbach vor dem Abflug ins Ungewisse Gelassenheit. „Wir haben eine ganz große Krise“, sagte Stevens, ehe der Flieger Richtung Tschechien abhob, und lachte lauthals los. „Ich schlage jeden Morgen eine neue Zeitung auf, dann steht wieder was anderes drin.“

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Die 0:3-Pleite ist abgehakt, die Wut verraucht, alles Krisengerede Unsinn, so die Botschaft des Niederländers. Doch ganz so leicht ließ sich vor dem Hinspiel in der Zwischenrunde beim weitgehend unbekannten tschechischen Meister am Donnerstag (19.00 Uhr/Kabel eins und Sky) nicht zur Tagesordnung übergehen.

Der Coach hatte nach dem vorläufigen Abschied aus der Bundesliga-Spitzengruppe Konsequenzen angedroht. Wie sie aussehen, wollte er noch nicht verraten, deutete aber einige Umstellungen an: „Einige haben es schon erfahren.“ Schließlich muss er im Team Platz machen für Rückkehrer Jermaine Jones, der im Europapokal spielberechtigt ist. „Er ist wenigstens einer, der redet“, sagte Stevens über den US-Nationalspieler, auf den er in der Bundesliga nach dessen Tritt auf den gebrochenen Fuß von Marco Reus noch zwei Spiele verzichten muss.

Die klaren Worte des Trainers, der am Montag die Mannschaft auf dem Trainingsplatz regelrecht zusammenfaltete, sind bei den Spielern angekommen. „Wir müssen zurück zur Basis“, sagte Torjäger Klaas-Jan Huntelaar, für den die Europa League erst jetzt „richtig los geht. Unser Ziel ist natürlich das Finale.“

In der Europa League ist der Bundesliga-Vierte seit sieben Spielen ungeschlagen und hat in den letzten drei Auswärtsspielen kein einziges Tor kassiert. Der Gegner aus der Bierstadt sei „eine große Unbekannte“, sagte Innenverteidiger Christoph Metzelder, warnte allerdings: „Sie haben in der Champions League ganz ordentlich gespielt. Das wird so oder so ein unangenehmer Gegner.“ Der tschechische Meister erreichte in der Königsklasse gegen den AC Mailand immerhin ein 2:2.

Bei Hannover 96 hat sich in die Freude über das Überwintern in der Europa League längst Angst vor gewalttätigen Auseinandersetzungen rivalisierender Fans gemischt. Denn zum Zwischenrunden-Hinspiel gegen den Daum-Klub am Donnerstag (21.05 Uhr/Sky und kabel eins) reisen rund 3200 zum Teil unberechenbare Anhänger des 13-maligen belgischen Meisters mit nach Hannover. Die Partie ist längst als „besonderes Risikospiel“ klassifiziert, schon die Begegnungen der Norddeutschen in der Gruppenphase mit Standard Lüttich waren speziell in Belgien nicht ganz unproblematisch. „Es wird schon anders aussehen als an einem normalen Bundesliga-Spieltag. Wir werden sehr, sehr stark aufgestellt sein“, kündigt Einsatzleiter Guido von Cyrson an.

Es drohen also hässliche Bilder, die 96-Sportdirektor Jörg Schmadtke bei seinen Bemühungen, die „Roten“ auffälliger als bisher im europäischen Vereinsfußball zu verankern, spürbar behindern könnten: „Mittlerweile weiß Europa, wo Hannover liegt. Man kennt 96, der Klub wird deutlich stärker wahrgenommen, als das noch in der Vergangenheit war. Es gibt viele, die überrascht sind über unsere souveränen und auch guten Leistungen.“

Daum gehört ganz sicher nicht dazu. Der 58-Jährige ist nach Engagements in Deutschland, der Türkei und Österreich nun in Belgien angekommen und will seinen neuen Arbeitgeber sportlich besser als zuletzt positionieren - auch schon gegen den Bundesliga-Siebten. „Ich denke, es ist ein offenes Spiel. Hannover hat sich toll entwickelt und den Vorteil, dass es in einer stärkeren Liga regelmäßiger auf hohem Niveau gefordert wird“, sagte Daum.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Pilsen: Cech - Rajtoral, Cisovsky, Sevinsky, Limbersky - Horvath, Darida - Perzela, Kolar, Pilar - Bakos. - Trainer: Vrba

Schalke: Unnerstall - Höwedes, Papadopoulos, Matip, Fuchs - Höger, Jones - Obasi, Raul, Draxler - Huntelaar. - Trainer: Stevens

Schiedsrichter: Stephane Lannoy (Frankreich)

Hannover: Zieler - Cherundolo, Pogatetz, Haggui, Schulz - Pinto, Stindl - Schlaudraff, Pander (Rausch) - Diouf, Abdellaoue. - Trainer: Slomka.

Brügge: Kujovic - Hoefkens, Donk, Figueras, Stenman - Zimling, van Acker, Vazquez - Meunier, Akpala, Refaelov. - Trainer: Daum.

Schiedsrichter: Manuel de Sousa (Portugal)

sid

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