Nach Münchner Gala gegen Manchester

Kießling sicher: "Bayern nicht unschlagbar"

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Stefan Kießling (hinten) im Gespräch mit Philipp Lahm.

Manchester/Leverkusen - Viele fragten sich nach der Gala gegen Manchester City: Wer soll die Bayern eigentlich schlagen? Geht es nach Stefan Kießling, kann das Bayer Leverkusen.

Uli Hoeneß schwärmte von „Fußball, wie ich ihn in meinem Leben fast noch nie gesehen habe“ und vergab Höchstnoten an Trainer wie Mannschaft, und Karl-Heinz Rummenigge träumte schon von der Wiederholung des Coups von London: Nach der 80-minütigen Gala bei Manchester City schwebte der FC Bayern auf einer Wolke. Die Unruhe nach den Aussagen von Kapitän Philipp Lahm, die plötzlich gar nicht an Matthias Sammer gerichtet gewesen sein sollen? Vergessen! Die heiße Schlussphase beim 3:1 (1:0)-Erfolg mit Gegentor und Roter Karte gegen Jerome Boateng? Untergegangen im Fußball-Rausch.

„Das war summa cum laude“, schwärmte Präsident Hoeneß von der in der Tat betörenden Vorstellung des Champions-League-Siegers beim härtesten Rivalen in der Gruppe D der Königsklasse. „Letzte Saison“, fuhr er fort, „hatten wir ein super Team. Jetzt haben wir ein super, super Team.“

Viele fragten sich nach der erneuten Gala: Wer soll die Bayern eigentlich schlagen? Den nächsten Anlauf startet am Samstag Bayer Leverkusen, das den Münchnern im Vorjahr die einzige Niederlage zugefügt hat. Durch das 2:1 (1:0) gegen Real Sociedad San Sebastian komplettierten die Rheinländer am Mittwoch den erfolgreichsten deutschen Spieltag der Champions-League-Geschichte: Alle vier Bundesligisten gewannen.

Nach dem erlösenden Millionen-Schuss von Joker Jens Hegeler in der Nachspielzeit schrie Rudi Völler seine Freude lauthals heraus, der neue Geschäftsführer Michael Schade sank erleichtert in den Stuhl und die Zuschauer feierten wie lange nicht in der BayArena. Doch der Blick ging gleich schon nach vorne.

„Ich glaube nicht, dass die Bayern unschlagbar sind“, sagte Bundesliga-Torschützenkönig Stefan Kießling: „An guten Tagen können wir das schaffen.“ Dafür müsse Bayer nur selbstbewusster auftreten als zum Beispiel beim 2:4 in der Königsklasse bei Manchester United: „Das können wir uns auch erlauben. Wir können ein echtes Ausrufezeichen setzen. Wir gehen in dieses Spiel und wollen es gewinnen.“

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Auch Torhüter Bernd Leno trug das gesteigerte Selbstbewusstsein Bayers zur Schau, das neun von elf Pflichtspielen in dieser Saison gewann. „Man muss Respekt zollen, aber man muss keine Angst vor ihnen haben“, sagte Leno: „Wir haben sie im letzten Jahr geschlagen, das muss man erst einmal schaffen. Wir müssen uns nicht kleiner machen als wir sind.“

Bei den Bayern mahnte Trainer Pep Guardiola im allgemeinen Siegestaumel fast ungehört: „Es ist noch nicht zu Ende. Es war nicht das Finale.“ Doch wer Vorstandschef Rummenigge im eher schlichten „Function Room 1“ des Hotels The Lowry bei dessen Bankettrede zuhörte, sah den Henkelpott vor seinem geistigen Auge schon wieder mit rot-weißen Bändern geschmückt.

„Was unsere Mannschaft geleistet hat, war eine Augenweide“, hob er an, und beglückwünschte die Spieler und Coach Guardiola zu einem „Klassespiel“. Dann rief er ihnen zu: „Macht weiter so, dann werden wir wieder große Freude und am Ende wieder das ein oder andere neben dem Weiß- und Rotwein da auf dem Tisch stehen haben.“ Pokale, klar.

Tatsächlich standen dort neben den Getränken gebratener Truthahn mit Cranberry-Glasur, Kalbsschnitzel und Lachs. Zum Nachtisch wurde Manchester Tart und BreadundButter Pudding mit Rum und Rosinen-Sirup gereicht. Das Essen, appellierte Rummenigge an Sponsorenvertreter und Fans, sollte die Mannschaft in Ruhe genießen dürfen, „damit sie am Samstag bei Kräften sind - da haben wir ein wahnsinnig schweres Spiel in Leverkusen und können vielleicht Tabellenführer werden“.

Verteidiger Boateng wird dann nach seiner Notbremse (86.) gegen Yaya Toure („ich musste da hin“) wohl fehlen. Doch das konnten die Bayern an diesem Abend ebenso verschmerzen wie den Gegentreffer von Alvaro Negredo (80.). „Lasst uns nicht zu kritisch sein heute“, gab Arjen Robben die Richtung vor, „lasst uns das ein bisschen genießen."

Ein Genuss war das Bayern-Spiel bis zu Negredos Treffer. Franck Ribery (7.), Thomas Müller (56.) und Robben (60.) krönten mit ihren Toren eine Leistung, die selbst die gegnerischen Fans nach Spielende zu Standing Ovations animierte. Derweil betonte Kapitän Philipp Lahm, er habe seine jüngsten Aussagen gar nicht auf Sammer bezogen (`das war keine Kritik“).

Bayers Sieg gegen die Basken, durch den Bayer nach der 2: 4-Auftaktniederlage bei Manchester United im Millionenspiel auf Kurs bleibt, entsprang einem kuriosen Treffer. Kießling signalisierte dem fünf Minuten zuvor eingewechselten Hegeler beim Stande von 1:1 in der Nachspielzeit, er solle den Freistoß - wie vor dem 1:0 von Rolfes (45.) - flanken und nicht aufs Tor schießen.

„Aber es war einfach zu verlockend“, sagte der Schütze nach seinem ersten Freistoßtor in einem Pflichtspiel schmunzelnd. „Als ich gemerkt habe, dass er schießt, habe ich gedacht: Hat der sie noch alle“, berichtete Rolfes mit einem breiten Grinsen: „Aber manchmal wird Frechheit belohnt.“ Und so war auch Kießling versöhnt: „Im Nachhinein hat er es sensationell gemacht.“

SID

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