Stani will Hoffenheim-Kader ausmisten

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Holger Stanislawski hat die Nase voll und möchte seinen Kader ausmisten.

Sinsheim - Holger Stanislawski wird die Zusammenstellung seines Kaders schon im Winter überdenken. Der Trainer von 1899 Hoffenheim verschiebt deshalb seinen Weihnachtsurlaub.

Er ist ein sympathischer Hamburger „Jung“, wurde beim FC St. Pauli als Spieler und Trainer heiß und innig geliebt - doch beim Fußball-Bundesligisten 1899 Hoffenheim verliert Holger Stanislawski zunehmend seine Herzlichkeit. „Ich werde jetzt sicher unangenehme Entscheidungen treffen. Das mache ich nicht länger mit. Das geht mir ganz einfach gegen den Strich“, sagte Stanislawski, nachdem die 1899-Profis ihren Chefcoach immer wieder frustriert hatten.

Der 42 Jahre alte Fußball-Lehrer wird nach der enttäuschenden Hinrunde die Rute auspacken und die Zusammenstellung seines Kaders überdenken. Bei einem Krisengipfel am Mittwoch mit Manager Ernst Tanner und Mäzen Dietmar Hopp werden die Namen der Akteure auf den Tisch kommen, die sich sofort eine neuen Verein suchen können. Fast die halbe Mannschaft steht aktuell auf dem Prüfstand.

Denn Stanislawski hat nach nur sechs Monaten in Hoffenheim die Faxen dicke. Die Unberechenbarkeit und Unzuverlässigkeit der Spieler zermürbt den akribischen Arbeiter immer mehr, noch verstörender sind für Stanislawski allerdings die in den Heimspielen stets frühzeitig einsetzenden Pfeifkonzerte des häufig hochnäsig wirkenden Publikums. Von wegen beschauliches Kraichgau. In Hoffenheim trifft der bodenständige „Stani“ auf ein Champagner- und Kaviar-Publikum. Eine explosive Mischung.

Das hat der gelernte Masseur offenbar unterschätzt. Und es dürfte ihn kaum beruhigen, dass nun sogar schon die Trainerkollegen Mitleid mit ihm haben. „Markus Babbel kam nach dem Spiel zu mir und hat gesagt, das hat er noch in keinem Stadion Deutschlands erlebt. Du kannst nicht dagegenwirken. Wir wollen, können und dürfen keinem das Pfeifen verbieten. Aber wenn in der Phase gepfiffen wird, wo wir das Spiel klar kontrollieren, ist das schon eine hohe Kunst“, sagte Stanislawski, nachdem beim 1:1 gegen Hertha BSC Berlin einmal mehr schlechte Stimmung in der Rhein-Neckar-Arena herrschte.

Deshalb kündigte Stanislawski schon im Vorfeld des Pokalspiels gegen Aufsteiger FC Augsburg am Dienstagabend (20.15 Uhr/Sky) an, dass er jedem Fan, der sich die Partie live in der Arena anschaut, eine Kaufkarte für das nächste Match im DFB-Pokal reservieren werde. Noch lieber würde Stanislawski den Hoffenheimern Anhängern jedoch mal eine richtige Siegesserie schenken. Doch nach nur 22 Punkte in der Hinrunde musste zuletzt selbst der Trainer zugeben, dass er mit seinem Latein vorerst am Ende ist.

„Wir müssen Stabilität reinkriegen. Das werde ich mir vom Weihnachtsmann wünschen“, sagte Stanislawski, der aber spätestens bei den Gesprächen am Mittwoch mit Tanner und Hopp noch weitere Register ziehen wird.

SID

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