Staatsanwaltschaft ermittelt beim DFB

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Die DFB-Zentrale

Frankfurt/Main - Der DFB hat am Mittwoch erneut Besuch von der Staatsanwaltschaft bekommen. Nach Medieninformationen geht es dabei um ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt.

Sieben Wochen nach einer Durchsuchung durch Steuerfahnder im Zusammenhang mit der Schiedsrichteraffäre ist die Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Frankfurt erneut von Beamten besucht worden. Gegen zehn Uhr am Mittwochmorgen rückten Polizeikräfte mit zwei Ermittlern der Frankfurter Staatsanwaltschaft in der Otto-Fleck-Schneise an, um nach einer Anzeige gegen Unbekannt wegen des Verdachts der Bestechlichkeit Verwertbares zu finden. Hintergrund sind Vorwürfe von Manipulationen im Verfahren beim Erwerb der Spielervermittlerlizenz des Fußball-Weltverbandes FIFA.

Nach dem zweieinhalbstündigen Einsatz erklärte DFB-Mediendirektor Ralf Köttker: “Wir können bestätigen, dass sich die Staatsanwaltschaft Frankfurt heute beim DFB über die Abläufe der FIFA-Spielervermittler-Prüfung informiert hat. Es geht hier ausdrücklich nicht um ein Verfahren gegen den DFB, ermittelt wird von den Behörden gegen Unbekannt. Als Zeuge unterstützt der DFB die Staatsanwaltschaft selbstverständlich bei den laufenden Ermittlungen.“ Nach dapd-Informationen wurden weder Akten beschlagnahmt noch Schränke durchsucht. Die Beamten hätten laut DFB vor allem von den zuständigen Leuten vom Spielbetrieb wissen wollen, wie so eine Spielervermittlerlizenzprüfung en detail abläuft. Köttker betonte: “Von einem Durchsuchungsbeschluss wurde kein Gebrauch gemacht.“

Die Lösung kam per SMS

Tätig wurde die Staatsanwaltschaft, nachdem eine Anzeige einer Frau eingegangen war, die die Prüfung nicht bestanden hatte. Sie berief sich auf einen Artikel des Fachmagazins “Kicker“ vom 25. Oktober 2010, in dem ein Redakteur unter der Überschrift “Die Lösung kam per SMS“ über Betrug bei der Spielervermittlerprüfung berichtete. Der Reporter hatte in einem Selbstversuch Ende September 2010 an dem seit 1994 vorgeschriebenen Test teilgenommen und für 2.000 Euro von einem Mittelsmann vorab die Lösungen der 15 von der FIFA gestellten Fragen erhalten. Die Antworten der fünf vom nationalen Verband, in dem Fall vom DFB, gestellten Fragen wusste der “Kicker“-Kollege nicht. 14 richtige Antworten reichten allerdings aus, um die Lizenz zu erhalten. Der Mann sammelte 18 Punkte. 328 von weltweit 5683 Vermittlern waren laut “Kicker“ 2010 in Deutschland lizenziert.

Antworten nicht mehr mitgeliefert

In dem Artikel schrieb der “Kicker“: “Wie konnte der unbekannte Lieferant Zugriff auf die richtigen Antworten bekommen? Die plausibelste Möglichkeit sind undichte Stellen bei den Nationalverbänden. Denn die FIFA übermittelt per Telefax schon eine Woche vor der Prüfung nicht nur die Fragen, sondern auch gleich die Antworten an die Verbände.“ Inzwischen hat die FIFA auf die Enthüllungen reagiert und ihre Praxis dahin gehend geändert, dass sie die Antworten nicht mehr mit den Fragen gleich mitschickt.

Im Gespräch mit der dapd begründete Staatsanwältin Doris Möller-Scheu die Durchsuchungsaktion beim DFB so: “Wir gucken, ob wir was Relevantes finden. Es handelt sich bislang um ein Verfahren gegen Unbekannt. Wir wollen sehen, ob man einen Namen herausbekommt.“ Es sei offen, ob ein DFB-Mitarbeiter die Antworten geliefert habe.

Erst am 24. Oktober 2011 war die DFB-Geschäftsstelle von der Steuerfahndung durchsucht worden, nachdem eine Anzeige gegen Schiedsrichter wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung eingegangen war.

dapd

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