Spielerin trägt Ball durch Strafraum - kein Elfmeter

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Momente später fing Bruna den Ball

München - Beim Vorrundenspiel der Frauen-WM zwischen Australien und Äquatorialguinea hat sich das vielleicht klarste Handspiel aller Zeiten ereignet. Doch die Schiedsrichterin pfeift nicht.

Fußball-Chauvinisten aus aller Welt lachen sich kaputt: Im Vorrundenspiel zwischen Australien und Äquatorialguinea hat Abwehrspielerin Bruna am Sonntag nach einem Pfostenschuss einfach den Ball gefangen und ihn ein Stück durch den Strafraum getragen. Das vielleicht klarste Handspiel aller Zeiten! Doch Schiedsrichterin Gaal Gyoengyi ließ die Partie einfach weiterlaufen und machte sich damit mindestens genauso lächerlich wie die Spielerin selbst ... (Hier geht's zum Video)

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Die Szene zieht nun eine umfassende Debatte über die Leistungen der WM-Schiedsrichterinnen nach sich. Hellmut Krug, Schiedrichter-Beauftragter der Deutschen Fußball Liga und ehemaliger FIFA-Referee, sagte: „Die Schiedsrichterinnen verfügen zwar sicher über Erfahrung, entscheidend ist aber auch, auf welchem Niveau sie national gefordert werden. Es ist kein Zufall, dass Bibiana Steinhaus bei den Frauen herausragt, denn sie pfeift in der 2. Bundesliga, der nach Zuschauerinteresse fünftstärksten Liga in Europa.“

Der Weltverband FIFA sah sich nach dem Spiel genötigt, eine Erklärung abzugeben. „Wir haben mit der Schiedsrichterin gesprochen. Sie sagt, dass es ihr sehr leid tut, dass sie das klare Handspiel nicht gesehen hat“, teilte Karen Espelund, die für das Spiel zuständige FIFA-Offizielle, mit.

Weder die beiden deutschen Assistentinnen Katrin Rafalski und Marina Wozniak noch die deutsche Vorzeige-Schiedsrichterin Steinhaus als vierte Offizielle griffen ein. Das sorgte auch bei Bundestrainerin Silvia Neid für Fassungslosigkeit: „Das muss die Schiedsrichterin sehen - und wenn nicht, muss es die Linienrichterin sehen.“

Steinhaus musste an der Seitenlinie Australiens Trainer Tom Sermanni beruhigen, dessen Tobsuchtsanfall nachzuvollziehen war. Nachdem die Matildas gewonnen hatten, gab sich der Coach generös: „So etwas passiert, da muss man einfach weitermachen.“ Deutlicher wurde da die Bundestrainerin in ihrem Fazit zu den bisherigen Leistungen der Unparteiischen bei der WM: „Ich habe bei dieser WM schon gute Schiedsrichterleistungen gesehen, aber ich habe auch schon schlechte gesehen.“

Bereits am Donnerstag hatte die Leistung von Cha Sung Mi beim Spiel Deutschland gegen Nigeria (1:0) für Kopfschütteln gesorgt. Die Südkoreanerin hatte viele harte Attacken der Afrikanerinnen durchgehen lassen und musste sich reichlich Kritik gefallen lassen. Am Sonntag profitierte zudem die Brasilianerin Marta von einer krassen Fehlentscheidung der erfahrenen US-Amerikanerin Kari Seitz. Der WM-Superstar hatte vor dem 1:0 Nora Holstad Berge plump weggeschubst.

Krug wies darauf hin, dass die Schiedsrichter-Diskussion auch bei jedem Männerturnier an der Tagesordnung sei. „Auch bei den Männern gibt es aus ähnlichen Gründen diese Leistungsdiskrepanzen“, sagte der frühere DFB-Schiedsrichterchef, der in diesem Zusammenhang an die WM in Südafrika mit dem Phantomtor in Bloemfontein erinnerte. Dass Schiedsrichter/innen aus kleineren Verbänden unter Berücksichtigung der Kontinentalquoten nominiert werden, sei ein grundsätzliches Problem.

Ähnliches Handspiel vor einem Jahr

Bereits vor einem Jahr ist bei der U20-WM in Deutschland ein ähnliches Malheur passiert. Die Südkoreanerin Jeong Yeonga hatte im Halbfinale gegen die deutschen Juniorinnen nach einem Lattenschuss einfach den Ball mit den Händen gefangen - mitten im Strafraum! Ein klarer Elfmeter, den Deutschland dankbar verwandelte.

tz / sid

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