Nur Remis in Polen: Löws zweiter Anzug passt noch nicht

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Jerome Boateng (l.) vom FC Bayern durfte in der Innenverteidigung ran.

Danzig - Vier Tage nach der vorzeitigen Qualifikation für die EM 2012 mit der 6:2-Gala gegen Österreich muss sich die deutsche Nationalmannschaft gegen den EM-Gastgeber Polen mit einem Remis zufrieden geben.

Toni Kroos mit seinem ersten Länderspieltor (68.) per Foulelfmeter und Cacau (90.+4) verhinderten im 17. Duell mit dem Nachbarn die erste Niederlage. Die Polen betrieben mit einer starken Vorstellung gegen den Titelaspiranten Werbung für das Turnier im eigenen Land.

Bundestrainer Joachim Löw, der die Anfangsformation im Vergleich zur Begegnung am vergangenen Freitag in Gelsenkirchen auf sieben Positionen verändert hatte, blieb nicht nur wegen der Gegentore durch die Dortmunder Robert Lewandowski (68.) und Jakub Blaszczykowski (90.+1, Foulelfmeter) die Erkenntnis, dass der zweite EM-Anzug noch an einigen Stellen erheblich zwickt.

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Die 40.000 Zuschauer in der neuen EM-Arena in Danzig erlebten einen temporeichen und vielversprechenden Auftakt mit der ersten großen Chance für die deutsche Mannschaft nach nur fünf Minuten, als der gebürtige Pole Miroslav Klose Torhüter Wojciech Szczesny mit einem Flachschuss zu einer Fußabwehr zwang. Wenig später prüfte Kapitän Philipp Lahm den Keeper des FC Arsenal mit einem effetvollen Distanzschuss.

Es dauerte etwa zehn Minuten, ehe auch die Gastgeber mit den beiden deutschen Meistern Blaszczykowski und Lewandowski von Borussia Dortmund ihren Rhythmus fanden. In der 11. Minute wäre der Schuss für die DFB-Elf beinahe nach hinten losgegangen. Der Kölner Bundesliga-Profi Slawomir Peszko nutzte einen Stellungsfehler von Per Mertesacker, doch dessen ehemaliger Bremer Teamkollege Tim Wiese im Tor parierte in seinem fünften Länderspiel souverän.

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Das Duell Peszko kontra Wiese prägte die Begegnung in den ersten 45 Minuten, denn dem schnellen Stürmer boten zwei weitere große Konterchancen, bei denen die deutsche Nummer zwei ihr ganzes können aufbieten musste. Auf der anderen Seite entwickelte sich das Duell Klose gegen Torhüter Szczesny. Gleich viermal blieb Polens England-Legionär Sieger. Klose vergab damit zugleich einige große Möglichkeiten bei der Jagd auf die Spitzenposition in der ewigen Torschützenliste des DFB.

Die Anzahl der hochkarätigen Möglichkeiten verriet die Abstimmungsprobleme in der deutschen Anfangsformation. Diese hatte Löw im Vergleich zum 6:2 im Qualifikationsspiel gegen Österreich deutlich verändert. Nur Lahm, Toni Kroos, Lukas Podolski und Klose standen auch am vergangenen Freitag in Gelsenkirchen auf dem Platz, als sich die DFB-Auswahl das Ticket zur EURO 2012 sicherte. Torhüter Manuel Neuer, dessen Münchner Mannschaftskollege Bastian Schweinsteiger und Mesut Özil von Real Madrid hatten die Reise nach Danzig gar nicht erst angetreten.

Probleme beim Umschalten

So war es die logische Folge, dass der Spielfluss in der deutschen Mannschaft bei allem sichtbaren Willen der beteiligten Akteure sehr zäh blieb. Es fehlten die Automatismen einer eingespielten Formation, daran konnten auch die vielen Chancen nichts ändern. Diese resultierten auf beiden Seiten zumeist aus individuellen Fehlern. Löw sah große Probleme seiner Truppe beim Umschalten in den Rückwärtsgang. Die Gastgeber blieben mit ihren schnellen Kontern stets gefährlich, zeigten sich aber ebenfalls im Abschluss lange zu unkonzentriert.

Den ersten Konter nach dem Wechsel trug das DFB-Team mit dem eingewechselten Stuttgarter Cacau vor, doch dessen Flachschuss verfehlte das Tor nur um Zentimeter. Fünf Minuten nach der Halbzeitpause bestraften die Polen die Nachlässigkeiten in der deutschen Defensive. Blaszczykowski passte auf Dariusz Dudka, den Wiese zwar elfmeterreif foulte, aber BVB-Torjäger Lewandowski nutzte die Chance zum 1:0, weil der Schiedsrichter den Vorteil laufen ließ.

Ein Foulelfmeter nach einer Attacke von Arkadiusz Glowacki an Thomas Müller sorgte schießlich auf der Gegenseite für den Ausgleich. Zu allem Überfluss sah jener Glowacki noch die Gelb Rote Karte (81.).

sid

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