Premiere: Italien gegen England in k.o.-Phase

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Steven Gerrard spielt mit England zum ersten gegen Italien. Zum ersten Mal treffen die beiden Länder in der k.o.-Phase aufeinander. Der nächste Gegner steht auch schon fest: Deutschland.

Kiew - Kaum zu glauben, aber wahr: Das Viertelfinale am Sonntag ist das erste K.o.-Spiel zwischen den Fußball-Großmächten England und Italien. Für Brisanz ist auf jeden Fall gesorgt.

Die Briten würden sich gerne rächen wollen. Für das WM-Halbfinale 1990. Für das Halbfinale bei der Heim-EM 1996 - beide verloren im Elfmeterschießen. Und für das 1:4 im Achtelfinale der WM 2010 in Südafrika. Aber erst mal müssten sie dafür Italien besiegen, eine Aufgabe, der sie mit Kampfeslust begegnen. „Wir sind wie elf Bulldoggen“, tönte Abwehrspieler Ashley Cole demonstrativ mutig: „Wir geben niemals auf, wir kämpfen füreinander und wir würden füreinander auf dem Platz sterben.“

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Sollte Italien gewinnen, lägen die Rachegelüste eher bei Deutschland. Der Stachel des WM-Halbfinales 2006 sitzt noch tief. Torhüter Gianluigi Buffon bezeichnet Deutschland und Spanien zwar als die besten Teams der Welt, „aber wir können an einem guten Tag jeden schlagen.“ Die Gazzetta dello Sport schrieb nach dem 4:2 der DFB-Auswahl gegen Griechenland: „Dass die Deutschen stark sind, wussten wir. Sie sind aber auch überheblich, und von diesem Fehler kann man profitieren.“

Für Bundestrainer Joachim Löw wären beide Gegner „sehr, sehr unangenehm. Roy Hodgson (Teammanager, d. Red.) hat das Spiel von England umgestellt. Die stehen sehr eng, nicht mehr so zweigeteilt wie noch 2010. Er hat eine klare Ordnung in diese Mannschaft gebracht. Sie sind besser organisiert und kontern schnell. Italien spielt ein bisschen ähnlich.“

Bevor das Interesse auf Deutschland gerichtet wurde, hatte vor allem der italienische Skandalstürmer Mario Balotelli vom englischen Meister Manchester City im Blickpunkt gestanden. „Wir werden ihm ganz schön die Hölle heiß machen“, sagte Mittelfeldspieler James Milner, Balotellis Klubkollege. Dann kündigte Milner an, Joleon Lescott, ein weiterer „Citizen“, werde Balotelli „schon aus dem Spiel nehmen“.

Dabei ist noch gar nicht klar, ob Balotelli (21) von Beginn an spielen wird. Beim 2:0 gegen Irland wurde er nur eingewechselt, machte ein Traumtor, das er mit wüsten Beschimpfungen Richtung Trainerbank feiern wollte. Mitspieler Leonardo Bonucci hielt ihm geistesgegenwärtig den Mund zu.

„Ich schlage ihm vor, einfach das zu spielen, was er kann, und nicht mehr ein solcher Stachel im Arsch des Trainers zu sein“, soll Balotellis italienischer Klubtrainer Roberto Mancini laut Berichten mehrerer englischer Medien gesagt haben: „Mario, ich wünsche dir nur das Beste, aber schieß doch das nächste Mal ein Tor ohne die ganze Dramatik danach.“

Die Engländer trainierten derweil fleißig gegen ihr Trauma an - Elfmeter. „Ich würde schießen, wenn man mich fragt. Und ich bin sicher, jeder andere würde das auch“, sagte Abwehrspieler Glen Johnson vom FC Liverpool mit breiter Brust. Dass die Three Lions in den vergangenen 22 Jahren bei fünf WM- oder EM-Turnieren ausschieden, weil sie in der finalen Lotterie versagten, soll nur noch eine Statistik sein. Ebenso wie die, dass England K.o.-Spiele gegen andere große Teams nur in London gewinnen kann.

„Mindestens eine dieser scheußlichen Statistiken wollen wir ändern“, sagte Hodgson: „Wie alle Engländer träume ich vom Halbfinale. Wenn wir in einigen Jahren aufhören, wollen wir das mit einer Medaille um den Hals tun.“

sid

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