Vor DFB-Duell: Was macht van Marwijk?

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Bert van Marwijk (l.) unterhält sich beim Training mit Wesley Sneijder, einem seiner Führungsspieler

Krakau - Der Druck auf die Niederlande vor dem Duell mit Deutschland ist riesig. Vor allem Bert van Marwijk steht im Fokus. Setzt der Bondscoach gegen die DFB-Elf endlich auf Klaas-Jan Huntelaar?

Bert van Marwijk hat einen Traumjob. Sollte man zumindest meinen. In Robin van Persie und Klaas-Jan Huntelaar stehen dem niederländischen Nationaltrainer der beste Torschütze der englischen Premier League und der deutschen Bundesliga zur Verfügung. Hinzu kommen in Arjen Robben, Ibrahim Afellay, Wesley Sneijder und Rafael van der Vaart Spieler mit gewaltigem Offensiv-Potenzial. Welcher Trainer dieser Welt (außer Defensivfanatikern wie Otto Rehhagel oder Giovanni Trapattoni) würde sich nicht über einen solch exquisiten Kader freuen?

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Doch van Marwijk hat zugleich den schwersten Job der Welt. Findet er zumindest manchmal selbst. Denn der 60-Jährige verzweifelt daran, die richtige Mischung für seine Elftal zu finden. Bislang ist es dem Bondscoach nicht gelungen, eine Taktik zu entwerfen, in der sowohl van Persie als auch Huntelaar spielen können. Auch die Balance zwischen Offensive und Defensive fehlt bislang.

Dabei ist es doch eigentlich ganz einfach. Finden zumindest die Anhänger des Oranje-Teams sowie die Journalisten. Huntelaar in die Spitze, van Persie dahinter und Sneijder für den eh lange verletzten und beim 0:1 gegen Dänemark enttäuschenden Afellay auf die linke Seite. Dann noch den technisch starken van der Vaart für Abräumer Nigel de Jong ins defensive Mittelfeld - und schon ist das orangene Dream Team perfekt. Auf jeden Fall für die rund 16 Millionen Nationaltrainer im deutschen Nachbarland, in dem über kaum etwas so gerne und heftig diskutiert wird wie über Fußball.

„Sie können mich noch so oft zur Aufstellung und Taktik befragen, ich werde dazu nichts sagen“, erklärte van Marwijk am Sonntag wieder einmal gereizt. Dem ehemaligen Trainer von Borussia Dortmund weht seit dem verpatzten EM-Auftakt und vor dem „Endspiel“ gegen Deutschland an diesem Mittwoch in Charkow (20.45 Uhr) in der Heimat ein noch stürmischerer Wind entgegen als schon zuvor.

Die dem Bondscoach extrem kritisch gesinnte Tageszeitung „De Telegraaf“ berichtete in ihrer Montagsausgabe von ersten Zerwürfnissen im Team des Vize-Weltmeisters. So hätten de Jong wegen seiner vorzeitigen Auswechslung und van der Vaart wegen seiner späten Einwechslung jeweils einen dicken Hals. Ihr Vertrauen in den Trainer sei aufgebraucht, schreibt die Zeitung.

Auch Huntelaar ist nicht gut auf van Marwijk zu sprechen. „Mehr als im Training alles zu geben und mich anzubieten, kann ich nicht machen“, sagte der Schalker. Gegen Dänemark vergab der 28-Jährige nach seiner Einwechslung die große Chance zum Ausgleich. Beim Training am Sonntag in Krakau betrat der „Hunter“ als Erster das Spielfeld und ging als Letzter wieder in die Kabine. Man merkt, Huntelaar ist heiß auf das Duell mit Deutschland. Nur lässt van Marwijk ihn auch ran?

Bleibt sich der Bondscoach treu, dann sitzt Huntelaar gegen die DFB-Elf zunächst wieder nur auf der Bank. Denn nichts hasst van Marwijk mehr, als sich von außen in seine Arbeit reinreden zu lassen. Je mehr die Öffentlichkeit das Duo Huntelaar-van Persie fordert, desto geringer scheint die Chance, dass sie es auch zu sehen bekommt.

Doch vielleicht springt van Marwijk über seinen eigenen Schatten. Schließlich geht es für ihn ebenfalls um viel. Zwar hat der Verband den Vertrag mit ihm gleich um vier Jahre bis zur EM 2016 verlängert. Doch ein Vorrunden-Aus der als Mitfavorit gehandelten Niederländer könnte van Marwijk zum Verhängnis werden. Schließlich hat KNVB-Direktor Bert van Oostveen vor dem Turnier das Halbfinale als Minimalziel ausgegeben.

dpa

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