Noch ein Sieg bis zur Unsterblichkeit

Spanien will gegen Italien "die Kirsche"

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Vicente del Bosque (von links) und seine Spieler Fernando Llorente, Sergio Ramos (2. v. r.) und Iker Casillas (r.) posieren mit dem spanischen Geschäftsmann Jose Ignacio Sanchez Galan 

Kiew - Spanien steht vor einem historischen Triumph: Nur noch ein Sieg, und das Team von Trainer Vicente del Bosque macht sich unsterblich. Für einen ist das nur "die Kirsche".

Es ist das Duell der beiden letzten Weltmeister, das Aufeinandertreffen zwei der besten Spieler des Turniers, die Neuauflage des ersten Gruppenspiels: Auch wenn es den deutschen Fußball-Fans in der Seele weh tun mag, das Endspiel zwischen Spanien und Italien (Sonntag, 20.45 Uhr/ZDF) ist ein würdiges Finale der EURO 2012.

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Dabei können die Spanier zum ersten „Europawelteuropameister“ werden, zum ersten Team, das drei große Turniere in Folge gewinnt - und ganz nebenbei durch den dritten EM-Titel zu Rekord-Champion Deutschland aufschließen. „Wir wollen weiter Geschichte schreiben“, sagt Offensivspieler Cesc Fabregas. Mitspieler Sergio Ramos ergänzt: „Selbst wenn wir verlieren würden, hätten wir Geschichte geschrieben. Aber ein Sieg wäre die Kirsche auf der Torte.“

Dass die Kirsche nicht so einfach zu haben ist, haben die Spanier bereits in der Vorrunde feststellen müssen. Die Italiener brachten den Europa- und Weltmeister beim 1:1 in der Vorrunde in arge Nöte, ehe sie Deutschland im Halbfinale die Grenzen aufzeigten.

Trainer Cesare Prandelli, der nach dem Halbfinale bereits zum dritten Mal während des Turniers ins Kloster pilgerte, hat die Squadra Azzurra in der hektischen Zeit des Manipulationsskandals beeindruckend geleitet. Er fühlt sich aber auch ausgebrannt und sorgte mit Andeutungen über einen möglichen Rücktritt am Freitag für helle Aufregung. „Rettet den Soldaten Prandelli“, schrieb Tuttosport. Italiens erster EM-Titel seit 44 Jahren wäre aber das ideale Abschiedsgeschenk. Die Losung fürs Finale stand auf dem Teambus, der die Spieler mit zahlreichen Frauen und Kindern nach der Ankunft in Kiew ins Teamhotel brachte: „Färbt Europa blau!“

„Wir haben keine Angst vor den Spaniern. Deutschland war erst der Anfang“, sagt Prandelli. Die Spanier haben derweil großen Respekt. „Das Gruppenspiel gegen sie war sehr hart“, sagt Fabregas: „Auch diesmal wird es verdammt schwer, aber der Sieger wird auch ein verdienter Champion sein.“ Ramos gibt gar zu: „Wir sind durchaus ein bisschen beunruhigt.“ Und Trainer Vicente del Bosque macht sich ein wenig Sorgen, „weil meine Spieler müde sind“.

Entschieden werden könnte das erste Endspiel der beiden Länder, aus denen fünf der letzten sieben Champions-League-Sieger kamen, von Einzelkönnern. Von den Torhütern Iker Casillas und Gianluigi Buffon, die sich zusammen bei acht der vergangenen neun Wahlen zum Welttorhüter durchsetzten. Oder von Andres Iniesta und Andrea Pirlo. „Pirlo ist der Busen, an dem sich ganz Italien nährt“, sagt del Bosque ehrfürchtig. Die Gazzetta dello Sport nannte den 33 Jahre alten Taktgeber im Spiel der Squadra Azzurra einen „Begnadeten, er ist wie Mozart. Es fehlt nur noch, dass er Wasser in Wein verwandelt.“

Iniesta ist in den Augen von Fabregas derjenige, „der Verantwortung übernimmt und uns etwas Besonderes gibt“. Auch ist der kleine Mittelfeldspieler vom FC Barcelona der Mann für die besonderen Momente: 2010 schoss er vier Minuten vor Ende der Verlängerung das einzige Tor im Finale gegen die Niederlande und machte „La Roja“ zum ersten Mal zum Weltmeister.

Das Faustpfand für den nächsten Titel könnte die Defensive sein. Seit 900 Minuten sind die Spanier in insgesamt neun K.o.-Spielen (inklusive Verlängerung) ohne Gegentor. Eine harte Nuss für die beiden extravaganten, aber auch außergewöhnlichen italienischen Stürmer Antonio Cassano und Mario Balotelli. „Balotelli ist brandgefährlich“, erklärt del Bosque mahnend, nachdem der 21-Jährige Deutschland mit seinen beiden Treffern aus dem Turnier geschossen hatte.

Mit einem vierten Turniertor oder zwei Vorlagen könnte Balotelli dem mit drei Treffern und einem Assist führenden Mario Gomez auch noch den Goldenen Schuh des Torschützenkönigs entreißen. Je zweimal waren bisher die Spanier Fabregas, Xabi Alonso und Fernando Torres erfolgreich.

Und sollte letztendlich ein Elfmeterschießen über den Titel entscheiden, können beide mit Selbsvertrauen reingehen, denn beide haben den Nervenkrieg im Turnierverlauf schon einmal gewonnen. Doch Ramos, der gegen Portugal wie auch Pirlo gegen England mit einem „Panenka“ für Aufsehen sorgte, will sich diese Lotterie lieber ersparen: „Ich muss das nicht nochmal haben.“

sid

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