Erste Frau kommentiert Fußballspiel live

"Mir geht der Hintern gewaltig auf Grundeis"

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Sky-Fußballchef Marcel Reif (r.) mit seiner neuen Kollegin Christina Graf

München - Christina Graf war früher Bundesliga-Spielerin. Die Siegerin eines großen Sky-Castings wird am Wochenende zur ersten Frau, die ein Männer-Profifußballspiel in Deutschland live kommentiert.

Es sind nur zehn Sekunden, kaum Zeit für mehr als drei, vier Atemzüge. Christina Graf wird auf der Pressetribüne des kleinen Jahnstadions in Regensburg ziemlich hektisch atmen, und die zehn Sekunden werden ihr vorkommen wie eine Ewigkeit. „Mir geht dann der Hintern sicher ganz gewaltig auf Grundeis“, sagte die neue Sky-Kommentatorin dem SID vor ihrem ersten Einsatz, „obwohl ich das alles x-mal durchgespielt habe.“ Am Sonntag um Punkt 13.30 Uhr wird sie als erste Frau ein Männer-Profispiel live kommentieren, „es ist ein Traum“.

Und bis ins Schlafzimmer verfolgt sie auch dieses Spiel, ihr Spiel. Jahn Regensburg gegen Hertha BSC, 20. Spieltag der 2. Liga. Abdenour Amachaibou, der Zungenfeind aus dem Regensburger Angriff, hat die Nummer 7, sein Kollege Thiemo-Jerome Kialka, wie spricht er sich noch gleich, die Nummer 14. Und bei der Hertha gibt es ja noch einen Herrn namens Shervin Radjabali-Fardi, zu sprechen ungefähr in Richtung „Schärwienradschabalifahdie“.

„Alle Autogrammkarten hängen bei mir über dem Bett“, sagt Christina Graf. Zum Üben. Und wenn doch mal das Gehirn streiken sollte, gibt es ja noch die Schneekugel: „Die schüttele ich vor dem Anpfiff, die ist von meiner Schwester. Das bringt Glück.“

Bisher lief es ja auch recht gut. Sehr gut eigentlich. Beim Kommentatoren-Casting hat sich die ehemalige Bundesliga-Spielerin des FFC Rheine und SC Bad Neuenahr gegen 1200 andere Bewerberinnen durchgesetzt, mit Fachwissen, einer Spur Ironie und Schweigen im richtigen Moment. „Ich werde wohl sehr defensiv kommentieren am Anfang. Im Radio habe ich ja immer deutlich meine Meinung gesagt, das lasse ich aber wohl besser erst mal“, sagt die 27-Jährige.

Bloß nichts verbocken, denn gerade einer Frau kann ein Allerweltsfehler ewig nachhängen. Wer in einer Kneipe „Carmen Thomas“ sagt, der erntet heute noch ein „Schalke 05“, dabei ist dieser Patzer aus dem Sportstudio vom 21. Juli 1973. „Ich rechne natürlich mit Vorurteilen. Ich weiß, dass viele Männer ganz genau hinschauen werden“, sagt Graf, „ich muss konzentriert sein.“

Sky-Moderatorin von Fußball am Kopf getroffen

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Schon bei ihren Probespielen, ohne rotes On-Air-Lämpchen, war Christina Graf „extrem nervös“. Es wird nicht einfacher durch einen neuen Fußball-Boom in ihrem Umfeld: „Alle Freunde und auch viele aus meiner Familie haben Sky abonniert, nur um mich sehen zu können. `

In den letzten zehn Sekunden wird sie vielleicht noch einmal daran denken. Dann schüttelt sie die Schneekugel mit dem kleinen Weihnachtsmann.

sid

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