Skurrile Spott-Aktion gegen den HSV

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Mladen Petric nach der Schlappe gegen den SC Freiburg

Hamburg - Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen: Der abstiegsbedrohte Hamburger SV musste das in der Hansestadt jetzt erleben.

Er trifft die Töne nicht, aber noch viel schmerzhafter sind die Worte: Weil der Hamburger SV nach fünf Spielen ohne Sieg immer schneller in den Tabellenkeller der Fußball-Bundesliga schlittert, hat sich ein Hamburger Radiomoderator in dieser Woche einen bösen Scherz erlaubt. Und einfach die beliebte Stadionhymne „Hamburg, meine Perle“ des Stadtbarden Lotto King Karl zu einer Zweitliga-Version umgedichtet.

Der Song bei YouTube

Frei nach dem Motto: Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Anstatt „Wenn Du aus Dortmund kommst, schießt Geld Dir keine Tore“ im Original, textet Horst: „Wenn Du aus Aue kommst, sind Deine Eltern wohl Geschwister. Wenn Du aus Dresden kommst, verstehen wir kein Wort von Deinem Lied.“

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Nun ist in Hamburg die Aufregung nicht nur wegen der angespannten sportlichen Situation groß. HSV-Anhänger und Fans der im Lied beleidigten Vereine empörten sich im Internet über den musikalischen Witz, drohten dem Moderator sogar Gewalt an. Was als Satire gedacht war, verkommt in der Hansestadt zu bitterem Ernst. Weil der erste Abstieg der Vereinsgeschichte droht, liegen die Nerven allmählich blank.

Auch die Spieler greifen vor dem richtungweisenden Spiel beim VfL Wolfsburg (Freitag, 20.30 Uhr/Sky und Liga total!) zu drastischeren Worten. „Es ist wichtig, dass wir uns für die Fans zerreißen“, sagte Kapitän Heiko Westermann, „sie müssen sehen, dass wir wollen und Biss haben. Wir müssen uns unserer Verantwortung stellen.“

Immerhin kehren in Westermann (zuletzt gelbgesperrt) und Dennis Aogo (Wadenverhärtung) wieder zwei Stützen in die zuletzt löchrige Abwehr zurück. Das hielt den Radiosender NDR 2, Medienpartner des Bundesliga-Dinos, allerdings auch nicht davon ab, in einem Beitrag über den Klub den Song „Die Dinosaurier werden immer trauriger“ zu spielen.

Nach dem desolaten Auftritt gegen Freiburg (1:3) und angesichts von nur noch zwei Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz setzte Trainer Thorsten Fink verstärkt auf taktische Absprachen, Trainingsspiele und ließ auch immer wieder Standardsituationen üben.

Zudem griff er beim Abschlusstraining zu einer besonderen Maßnahme: Erstmals seit drei Jahren wurden Zuschauer und Journalisten von der Einheit ausgeschlossen. Kein Spion der Wölfe sollte wissen, „was wir vorhaben“, sagte Fink. Es gelte, den Kampf anzunehmen, Leidenschaft sowie grenzenlosen Einsatz zu zeigen. „Jetzt sollen die Spieler beweisen, dass sie es kapiert haben. Wir wollen uns auf unsere Stärken besinnen. Für das Können gibt es nur einen Beweis - das Tun.“

Doch ausgerechnet ein HSV-Idol kann seinen alten Klub noch tiefer in die Krise schicken: Wolfsburg-Trainer Felix Magath . Und der Trend spricht eindeutig für den Meistertrainer. Magath erbeutete mit seinen Wölfen in der vergangenen drei Spielen sieben Punkte. Trotzdem warnt er vor „seinem“ HSV. „Auch wenn die letzten Spiele danebengingen, Hamburg ist nicht zu unterschätzen“, sagte Magath, der 306 Bundesligaspiele für die Hanseaten absolvierte, den Klub 1983 zum Europapokaltriumph gegen Juventus Turin schoss und 1995 sein Trainerdebüt feierte, „das ist eine Mannschaft mit Potenzial“.

Während Magath die Situation beim HSV eher nüchtern sieht, macht sich ein weiterer Ex-Hamburger bei den Wölfen mehr Sorgen. „Mir blutet das Herz, wenn ich das sehe“, sagte Hasan Salihamidzic der Wolfsburger Allgemeinen, „ich habe solche Momente auch erlebt in Hamburg. Das ist nicht einfach. Aber Thorsten schafft das.“ Der Nachbar von Fink im Hamburger Stadtteil Harvestehude ist da nicht mehr so sicher - und hat seine HSV-Fahne im Garten auf Halbmast gehisst.

sid

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